Nicht das Auto, das Tram, stupid!

Nicht das Auto, sondern das Tram, das nicht mehr in die Stadt fährt, ist der neue Umsatzkiller.

Vielleicht liegt Hans-Peter Wessels doch nicht so falsch mit seiner Verkehrspolitik.

Vielleicht liegt Hans-Peter Wessels doch nicht so falsch mit seiner Verkehrspolitik. Bild: Dominik Pluess

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Letzten Samstag konnte man in der BaZ Erstaunliches lesen: Weil der Tramverkehr zur Innenstadt während dreier Wochen von allen Seiten her vollständig gesperrt war, verzeichneten Restaurants und Innenstadtgeschäfte massive Umsatzeinbussen, von bis zu 90 Prozent. Bis diesen Sommer galt als gesichert: Wenn keine Autos mehr in die Innenstadt reinfahren können, geht dort der Umsatz zurück. Und jetzt das: Nicht das Auto, sondern das Tram, das nicht mehr fährt, ist der neue Umsatzkiller.

Würde man das Ergebnis dieses drei Wochen dauernden Echtzeitexperiments ohne Autoscheuklappen akzeptieren, dann käme man zum Schluss: Das Auto ist in der Stadt ein Auslaufmodell. Und in Klammer, weil man so etwas in dieser Stadt nicht mal leise denken darf: Vielleicht liegt der Wessels doch nicht so falsch mit seiner Verkehrspolitik.

Ich gebe es zu: Ich bin privilegiert. Gleich um die Ecke liegt die BLT-Haltestelle, von wo aus ich mit dem 10er direkt zum Bahnhof fahren kann. Dort steige ich meistens aus. Weil ich gerne zu Fuss unterwegs bin und es geniesse, zuerst durch den de-Wette-Park und anschliessend die Elisabethenstrasse entlang ins Zentrum zu spazieren. Und dann runter zum Rhein.

mir ist es völlig egal, was für eine Marke ich fahre.

Ja, ich bin privilegiert. Wenn ich nach Zürich muss oder zum Flughafen, dann steige ich nach einem Fussweg von sieben Minuten im Bahnhof Dornach-Arlesheim in die S16 ein und bin in elf Minuten im Bahnhof SBB. Die Tickets löse ich mit der BLT-App. Dank dem Halbtax-Abo, das ich vor drei Jahren gekauft habe, zu einem stark ermässigten Preis.

Und ja, wir haben noch immer ein Auto. Irgend so einen Opel. Ich will damit nicht die eingefleischten Opelfahrer beleidigen. Aber mir ist es völlig egal, was für eine Marke ich fahre. Die heutigen Autos sehen eh alle gleich aus. Und technisch sind sie alle auf demselben Stand.

Klar war meine Begeisterung fürs Auto schon grösser, ja ich bin lange Jahre gerne Auto gefahren. Je weiter desto besser: Von San Francisco nach New York. Oder von Basel runter nach Sizilien. Und nach Griechenland, nach Spanien. Meistens staufrei, was man sich heutzutage kaum noch vorstellen kann. Selbstverständlich ging’s mit dem Auto auch in die Stadt. Das war bequemer als mit dem Tram. Im Zentrum konnte man praktisch überall hinfahren und auch parkieren.

Das eigene Auto ist in einer Agglomeration wie der unseren ein Auslaufmodell.

Wenn ich richtig gezählt habe, dann ist der Astra unser fünfzehntes Auto. Und es wird unser letztes mit einem Verbrennungsmotor sein. Vielleicht ist es überhaupt unser letztes eigenes Auto. So ein Auto ist schon längst nicht mehr ein Synonym für Wohlstand und Freiheit. Wenn ich jetzt noch einen draufhaue und wiederhole: Das eigene Auto ist in einer Agglomeration wie der unseren ein Auslaufmodell, dann werden jetzt einige denken – der ist jetzt aber extrem in die linksgrüne Ecke abgerutscht. Beruhigt euch. Die Autofrage ist längst keine ideologische mehr, sondern eine Kosten-Nutzen-Rechnung. Die machen auch die Investoren für das Kunstmuseum-Parking, die sich nicht finden lassen. Weil die ahnen, dass sich möglicherweise ein zusätzliches Parkhaus im Zentrum nicht mehr rechnet.

An Herrn Wessels: Legen Sie ein Aktionsprogramm auf, damit Gewerbler auf Elektrofahrzeuge umsteigen und mit diesen einen privilegierten Zugang in alle Quartiere erhalten. Ohne diesen Bewilligungsklamauk. Eine Stadt ohne Servicedienstleister und Handwerker funktioniert nicht. (Basler Zeitung)

Erstellt: 04.10.2017, 11:20 Uhr

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