Noch mehr Riviera am Rhein

Grossräte von links bis bürgerlich wollen das Kleinbasler Rheinufer umgestalten.

Interessantes Freiraumpotenzial: Das Rheinbord auf der Kleinbasler Seite, Höhe St.-Alban-Fähre.

Interessantes Freiraumpotenzial: Das Rheinbord auf der Kleinbasler Seite, Höhe St.-Alban-Fähre. Bild: Lucian Hunziker

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Der Basler Sommer findet am Rheinufer statt. Ein Cocktail in der Abendsonne oder ein erfrischender Sprung ins Wasser während der Mittagspause: Vor allem die Kleinbasler Flussseite ist während der warmen Monate teilweise bis an die Schmerzgrenze bevölkert.

Für einige Basler Parlamentarier ist das ein Grund, auch jetzt während des herbstlichen Schmuddelwetters bereits an den kommenden Sommer zu denken. Mit mehreren Vorstössen wollen Grossräte von SP bis FDP in Zukunft noch mehr Strandfeeling erreichen.

FDP-Mann Christian C. Moesch hat dabei den oberen Abschnitt des Rheinufers im Blick. Und erinnert die Regierung an ein Projekt, das vom Grossen Rat bereits vor Jahren beschlossen wurde, aber noch immer auf seine Umsetzung wartet. Es geht um die Sanierung des Rheinbords im Gebiet des Schaffhauserrheinwegs sowie des Oberen Rheinwegs.

Bereits 2009 lancierte der Regierungsrat auf einen politischen Vorstoss hin einen Wettbewerb zur Neugestaltung dieses Abschnitts. Gewonnen hat das Büro Hager Landschaftsarchitektur mit Partnern mit dem Projekt «Rhein schauen». Geplant waren Kiesstrände, breite Treppenabschnitte sowie eine durchgängige, alleeartige Bepflanzung. Vor drei Jahren zog die Basler Regierung dann aber aus zwei Gründen die Bremse – obwohl man beim Bau- und Verkehrsdepartement vom «grössten Freiraumpotenzial Basels» und teilweise gar von «Handlungsbedarf» gesprochen hatte. Der Stopp erfolgte einerseits, weil die Werkleitungen im Schaffhauserrheinweg erst in den Jahren 2030 bis 2035 erneuert werden müssten und es keinen Sinn mache, zweimal zu bauen.

Andererseits legte die Regierung das Vorhaben aus finanziellen Überlegungen auf Eis. Weil Eva Herzog für 2015 mit einem Defizit rechnete, sollte kein Geld für das nicht dringend notwendige Projekt ausgegeben werden.

«Heute, nicht erst in 20 Jahren»

Es sind Argumente, die FDP-Grossrat Moesch heute nicht mehr akzeptieren will. Der Ersatz der Werkleitungen betreffe nur den Strassenabschnitt respektive die Promenade, sagt er. Das Ufer inklusive des Bermenwegs, der auf halber Höhe der Böschung dem Rhein entlang führt, könne durchaus unabhängig davon saniert werden.

Der Politiker hat dies mit dem Bau- und Verkehrsdepartement abgeklärt, wo man ihm einen positiven Bescheid gab. Auch das Argument mit dem Defizit dürfte im Jahr 2017, in dem Finanzdirektorin Eva Herzog einen Überschuss von fast 140 Millionen Franken einplant, weniger Gewicht haben. «Natürlich ist es eine Ausgabe», sagt Moesch. «Aber auch eine Investition, die der ganzen Bevölkerung zugutekommt. Und zwar idealerweise heute, nicht erst in 20 Jahren.»

In seinem Vorstoss, den Politiker verschiedener Parteien unterschrieben haben, verlangt er deshalb bis 2020 die Fertigstellung der Planungsarbeiten sowie den Beginn der nötigen Bauarbeiten. Mit Widerstand aus der Bevölkerung rechnet Moesch dabei allenfalls im Zusammenhang mit allfälligen Lärmemissionen. «Doch das Rheinufer ist hier bei Weitem nicht so nah an den Häusern wie am Unteren Rheinweg, wo die intensive Nutzung ja tatsächlich ein wenig zum Problem geworden ist.» Moesch erhofft sich daher durch die Aufwertung des derzeit «unwirtlichen» oberen Abschnitts eine bessere Verteilung der Bevölkerung entlang des Rheins.

Mehr Grillstationen, weniger Müll

Doch nicht nur der obere Teil soll populärer werden. Sebastian Kölliker von der SP nimmt sich in einem anderen Anzug des Abschnitts auf Höhe der Dreirosenbrücke an. Der Grossrat stört sich daran, dass der dortige Bermenweg abrupt endet und Fussgängern keine Verbindung unter der Brücke hindurch zur Uferstrasse ermöglicht. Kölliker wünscht sich von der Regierung eine kurzfristig mögliche Lösung, die nicht «zwingend langfristig gebaut» sein müsse. Er möchte damit unter anderem ebenfalls den während des Sommers stark genutzten Abschnitt im Matthäusquartier entlasten.

Eine dritte Forderung stammt von SP-Parlamentarierin Salome Hofer. Sie verlangt mit weiteren Politikern mehr öffentliche Grillstellen am Rheinufer sowie in Parkanlagen. Basels erste solche Grillstation steht bei der Oetlingerbuvette und zieht im Sommer unzählige Fleischfans an. Hofer hofft, dass weitere Grillmöglichkeiten den Einsatz von Wegwerf-Grills einschränken könnten.

Wie sich das Rheinbord der Basler Bevölkerung künftig präsentieren wird, darüber entscheidet nun also der Grosse Rat. Das neu entdeckte Riviera-Gefühl bleibt den Baslern aber wohl in jedem Fall erhalten. Ob auf Treppen, Stränden oder an Buvetten.

Umfrage

Mit mehreren Vorstössen wollen Grossräte von SP bis FDP noch mehr Strandfeeling ans Rheinufer zaubern. Soll das Basler Rheinufer weiter aufgewertet werden?

Ja

 
61.1%

Nein

 
38.9%

1184 Stimmen


(Basler Zeitung)

Erstellt: 04.10.2017, 07:14 Uhr

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