Ölheizungen sollen verschwinden

SP-Wirtschaftsminister will Hauseigentümern und Gewerbe den Wechsel zu erneuerbaren Energien aufzwingen.

SP-Energieminister Christoph Brutschin will die Ökoschraube im neuen Energiegesetz tüchtig anziehen.

SP-Energieminister Christoph Brutschin will die Ökoschraube im neuen Energiegesetz tüchtig anziehen. Bild: Thomas Schwander

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SP-Energieminister Christoph Brutschin will die Ökoschraube im neuen Energiegesetz tüchtig anziehen. Neben einer Versorgung mit 100 Prozent erneuerbarem Strom, fordert der Regierungsrat von den Hauseigentümern beim Heizen ihrer Gebäude den Verzicht auf fossile Energie. In ihrem Ratschlag an den Grossen Rat schreibt die Regierung, dass sämtliche 3300 Ölheizungen im Kanton ersetzt werden sollen. Ebenso sollen gut die Hälfte der 10 700 Gasheizungen ausgetauscht werden. Insgesamt sollen auf Kantonsgebiet 10 000 Heizungen mit fossiler Energie durch Anschlüsse an das Fernwärmenetz, mit Wärmepumpen oder Holzpelletheizungen ersetzt werden.

Damit das federführende Amt für Umwelt und Energie (AUE) auch überprüfen kann, ob die Hauseigentümer diesem Wechsel hin zu erneuerbaren Energien Folge leisten, fordert das neue Energiegesetz für die Neu- und Ersatz- installation von Erdöl- und Erdgasheizungen eine Bewilligungspflicht. Wollen Hauseigentümer also weiterhin mit Öl oder Gas heizen, müssen sie dem AUE beweisen, dass es in ihrem Gebäude keine Alternative zu Heizsystemen mit fossiler Energie gibt.

Bei Helmut Hersberger, Präsident des Hauseigentümerverbands Basel-Stadt, stösst die Bewilligungspflicht auf Skepsis. «Wir sind klar dagegen. Vor zehn Jahren liessen uns die Behörden wissen, dass die Hauseigentümer Gasheizungen einbauen müssen, um Elek- troheizungen zu ersetzen, die mit Atomstrom funktionierten. Bereits jetzt aber soll alles wieder anders sein und das damals Propagierte nicht mehr gelten.»

Zudem dürfe der Umstieg auf Heizsysteme mit erneuerbaren Energien nicht auf Zwang basieren. «Der Haus- eigentümer muss die Wahlfreiheit haben, wo es Sinn macht und tiefere Kosten zur Folge hat, auf erneuerbare Energien umzusteigen.» Der Staat müsse aufhören zu sagen, was recht sei und was nicht und dies dann zu erzwingen. Hersberger: «Der Wechsel muss auf freiwilliger Basis passieren.»

Lange Wartezeiten für Bewilligung

Der bürokratische Mehraufwand dürfte sowohl bei den Hauseigentümern, wie auch beim AUE erheblich sein. Trotzdem soll das AUE wegen der neuen Bewilligung um «keine» Stelle wachsen, wie Leiter Matthias Nabholz auf Anfrage sagt.

Dass der Bewilligungszwang so schlank über den Tisch geht, glaubt Martin Omlin nicht. Der Geschäftsführer von Omlin Energiesysteme AG verbaut erneuerbare Wärmepumpen und thermische Solaranlagen wie auch Öl- oder Gasheizungen. «50 Prozent der Hauseigentümer wechseln ihre Heizungen erst aus, wenn die alte am Ende ist.» Das werde zu «enormen» Wartezeiten für die Neuinstallation von Heizungen führen. Dies, weil die Heizungsplaner zuerst eine Vorabklärungsphase mit den Kunden bräuchten und hypothetisch zwei Offerten machen müssten. Eine für Heizsysteme mit fossiler und eine für erneuerbare Energie, so Omlin. Wolle ein Kunde weiterhin eine Öl- oder Gasheizung, werde das Bewilligungsprozedere wohl Wochen dauern.

Da aus dem Gesetzesentwurf aber hervorgeht, dass 10 000 Brenner für fossile Energie ersetzt werden sollen, ist klar signalisiert, dass das AUE erneuerbaren Energien den Vorzug geben und wohl die meisten Gesuche für Öl- und Gasheizungen ablehnen wird.

Die Folge davon sind höhere Investitionskosten für die Hauseigentümer. Wie ein Gebäudetechniker aus der Region auf Anfrage sagt, sind Heizungen mit erneuerbarer Energie rasch einmal bis zu 20 Prozent teurer als solche mit fossiler Energie. Das weiss auch Brutschin und bringt gleich eine weitere Papierflut ins Rollen. Diese ist im Entwurf des Energiegesetzes so umschrieben, dass beim Ersatz von Heizungen in Gebäuden auf solche mit erneuerbarer Energie umzustellen sei, soweit das «technisch möglich und wirtschaftlich vertretbar sei». Mit anderen Worten heisst dies nichts anderes, als dass dem Hauseigentümer nicht allzu hohe Mehrkosten beim Ersatz der Heizung entstehen dürfen. Da Mehrkosten aber bei Systemen mit erneuerbarer Energie anfallen, sollen sie mit Subventionen über 15 000 Franken pro Anlage abgefedert werden.

Bei 10 000 Anlagen, die schätzungsweise in den nächsten 20 Jahren ersetzt werden müssen, belaufen sich die Mehrkosten auf 150 Millionen Franken. Diese Summe soll mit höheren Förderbeiträgen ausgeglichen werden, heisst es im Ratschlag. Zum einen Teil speisen diese Förderbeiträge die Basler Haushalte und Gewerbebetriebe über die Stromrechnung. Je mehr Strom sie verbrauchen, desto höher sind die Förderbeiträge. Reicht das Geld nicht, könnte die Regierung die Förderbeiträge und den Strompreis erhöhen.

Gegen höhere Förderabgaben

Ein anderer Teil solcher Förderbeiträge, den das AUE verwaltet, stammt von Co?-Abgaben, die der Bund an die Kantone verteilt. Bereits heute unterstützt das AUE Hauseigentümer bei der Sanierung von Fassaden oder Dächern mit dem Geld aus dem Topf: die sogenannte Sanierung der Gebäudehülle.

Für Patrick Erny, Projektleiter Politik des Gewerbeverbands Basel-Stadt ist klar: «Zur Finanzierung der Mehrkosten soll auf die durch die Energiestrategie 2050 erhöhten Globalbeiträge des Bundes zurückgegriffen werden. Wir lehnen eine allfällige Erhöhung der kantonalen Förderabgabe ab.» Generell sagt Erny zur geplanten Regelung beim Ersatz von Heizungen mit fossiler Energie: «Zwar stellt sie kein Verbot von Gas- und Ölheizungen dar, wirkt in der vorliegenden Form dennoch investitionshemmend. Es gibt Fälle, in denen ein neues Heizsystem mit fossiler Energie die technologisch oder wirtschaftlich sinnvollere Alternative sein kann.»

HEV-Präsident Hersberger kritisiert, dass zum Umstieg auf die erneuerbaren Energien ein weiterer Subventionstopf geöffnet werden soll. «Die Leute wissen schon heute nicht mehr, welche Unterstützung sie wo beantragen müssen. Da machen weitere Subventionen keinen Sinn.» Energietechniker Omlin befürchtet, dass am Schluss des Bewilligungsprozesses samt den Subventionen nicht das optimale Heizsystem in ein Haus eingebaut werde, sondern der Preis ausschlaggebend sei. «Wenn das AUE dabei mitredet, dann kann es auch mitentscheiden, welches Heizsystem zum Zug kommt.»

Umfrage

Wer eine neue Ölheizung anschafft, braucht dafür künftig eine Bewilligung. Ist diese Regelung sinnvoll?

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(Basler Zeitung)

Erstellt: 27.08.2016, 08:00 Uhr

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