Polizisten meiden die Wasserstrasse

Linksautonome hielten ihn für einen Nazi und schlugen zu. Nun klagt das Opfer an: Die Polizei habe sich danach aus Angst vor den Linken nicht an den Tatort getraut.

M.F. nach den Tritten ins Gesicht und einige Tage später am Tatort (rechts).

M.F. nach den Tritten ins Gesicht und einige Tage später am Tatort (rechts).

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Beschimpft, verprügelt, und am Boden liegend getreten: Ein fröhlicher Abend nahm für einen Basler vor rund zwei Wochen ein jähes Ende. Passiert ist der Übergriff auf M. F.* vor einigen Wochen. Der 24-Jährige genoss mit seiner Freundin die Jungle Street Groove am Kleinbasler Rheinufer. Als sich die beiden spätnachts auf den Heimweg machten, nahmen sie den direkten Weg durch die Wasserstrasse. Dort fand das Wasserstrassenfest statt, die Linksautonomen feierten dort sich selbst und den Widerstand gegen die Vertreibung jener, «die nicht produktiv oder erfolgreich sein wollen», wie es im Flyer zum Fest hiess.

Als M. F. an den feiernden Linken vorbeiging, fiel er auf. Er ist ein «Gabber», also ein Anhänger der extremen Musikrichtung «Hardcore», deren Anhänger aufgrund des Looks häufig mit Rechtsextremen verwechselt werden. M. F. verwahrt sich gegen den Nazi-Verdacht. Er sei zwar Patriot, aber kein Nazi, beteuert der Glatzkopf. Wegen der Sommerhitze war er nach dem Tanzen am Jungle Groove oben ohne unterwegs – sein «Liber-Helvetius»-Tattoo auf den Schulterblättern war gut sichtbar.

Tritte ins Gesicht

Für einen aus der Gruppe der Linksautonomen gab es damit kein Halten mehr: M. F. wurde hinterrücks von einem Mann angegriffen und mit Faustschlägen zu Boden geschlagen, bevor er reagieren konnte. Am Boden liegend kassierte er weitere Tritte ins Gesicht. Anschliessend haben ihn mehrere Angreifer umzingelt, beleidigt, bedroht und angeschrien. Dank dem Eingreifen von weiteren Personen konnte er sich dann verletzt in Sicherheit bringen. Seine Freundin schrie und weinte.

Eine Querstrasse weiter verständigte die Freundin von M. F. die Polizei. Eine Patrouille befragte die beiden vor Ort. Die Polizisten wollten vom 24-Jährigen eine Beschreibung des Täters. M. F. sagte, er könne ihnen den Täter zeigen, da dieser bestimmt noch dort sei. Laut M. F. wollten die Polizisten aber davon aber nichts wissen. «Die Polizisten sagten mir, es sei für sie zu gefährlich, in die Wasserstrasse zu fahren, weil auch immer wieder Polizisten von den Linksautonomen angegangen würden», sagt F. der BaZ. Die Polizei verfrachtete ihn in einen Krankenwagen. In der Notaufnahme wurde er dann nochmals von einem Kriminalpolizisten befragt. In der Mitteilung der Staatsanwaltschaft hiess es am Tag darauf lapidar: «Eine sofortige Fahndung blieb erfolglos.»

Ist die Wasserstrasse eine rechtsfreie Zone, in die sich nicht mal die Polizei hineintraut? Polizeisprecher Toprak Yerguz verneint: «Es gibt in Basel keine rechtsfreien Zonen.» Zum Fall selbst will er jedoch nichts sagen und verweist auf die federführende Staatsanwaltschaft. Deren Sprecher René Gsell kann jedoch auch nicht konkret sagen, ob ein Polizist an jenem Abend wirklich noch in der Wasserstrasse vorbeigegangen ist. Allgemein gelte: «Wird jemand zur Fahndung ausgeschrieben, geht die Täterbeschreibung via Einsatzzentrale an alle Polizisten und zivilen Fahnder im Einsatz.» Die verfügbaren Einheiten würden sich dann in dem Gebiet umschauen. Vielfach würde man so Personen antreffen, die sich verdächtig verhalten, beispielsweise nervös sind, oder versuchen zu flüchten. So gelinge es mitunter, die mutmasslichen Täter zu verhaften.

Laut Gsell sei es zudem «nicht unrealistisch», dass sich Ermittler noch auf den Weg in die Wasserstrasse machen und von Haustür zu Haustür gehen und die Bewohner über den Vorfall befragen. Allerdings setze die Kriminalpolizei ihre knappen Ressourcen in erster Linie für die gravierenderen Gewaltdelikte ein. Ob ein vermeintlicher Nazi, der von einem Linksautonomen verprügelt wird, in diese Kategorie fällt, darf bezweifelt werden.

Für M. F. war es nicht der erste Vorfall dieser Art. Drei Wochen vor dem Angriff in der Wasserstrasse kassierte er bereits einmal Prügel, als er bei der «Landestelle» am Rheinhafen ebenfalls von einer Gruppe Linksautonomen angegriffen worden sei. Nach dem zweiten Angriff zeigt sich M. F. erschüttert über die Gewalttätigkeit und Radikalität der Linksautonomen.

*Name der Redaktion bekannt (Basler Zeitung)

Erstellt: 11.09.2018, 14:08 Uhr

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