Private laufen den Staatsspitälern den Rang ab

Die Patienten sind bei Privatspitälern zufriedener: Die regionalen Kantons- und Unispitäler erreichen keine Spitzenplätze.

Das Claraspital liegt in Bezug auf die Patientenzufriedenheit signifikant über dem Schweizer Durchschnitt.

Das Claraspital liegt in Bezug auf die Patientenzufriedenheit signifikant über dem Schweizer Durchschnitt. Bild: Florian Bärtschiger

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Es ist wohl die letzte lästige Prozedur, die ein Patient vornehmen sollte, bevor er das Spital verlässt: das Ausfüllen eines Fragebogens zu Themen wie «Hatten Sie die Möglichkeit, Fragen zu stellen?» oder «Wie beurteilen sie die Qualität der Behandlung?»

Die Ergebnisse der Patientenzufriedenheit aus 199 Spitälern in der Schweiz werden vom Nationalen Verein für Qualitätsentwicklung in Spitälern und Kliniken (ANQ) ausgewertet und publiziert. Nicht aufgenommen werden die Daten, wenn sie unter den kritischen Wert von 50 Datensätzen fallen, wie etwa beim Spital Laufen. Finanziert wird der Verein von Kassen, Kantonen und Spitälern gemeinsam, um nicht nur die Fallzahlen, sondern auch die Qualität im Auge zu behalten.

Wie die jüngsten Ergebnisse zeigen, sind die Patienten meist sehr zufrieden mit den Kliniken und Spitälern. Während allerdings die Privatspitäler in der Region wie Rennbahnklinik, Claraspital, Hirslanden, Bethesda-Spital und Merian-Iselin im landesweiten Vergleich Spitzenplätze einnehmen, weisen die Kantonsspitäler gegenüber dem Schweizer Durchschnitt «signifikant» schlechtere Werte auf. Wie die stellvertretende ANQ-Geschäftsleiterin Regula Heller ausführt, könne hier nicht von Zufallsergebnissen gesprochen werden.

Um einen fairen Vergleich der Spitäler zu ermöglichen, wurden die Ergebnisse nach bestimmten Patientenmerkmalen, welche die Zufriedenheit beeinflussen, bereinigt. Ein Beispiel: Wenn der Patient seinen subjektiven Gesundheitszustand beim Spitalaustritt als schlecht beurteilte, sei dies bei seiner Beurteilung zur Qualität mit einem entsprechenden Korrekturfaktor berücksichtig worden, wie Heller sagt. Es sei ferner ein Phänomen, dass Universitätsspitäler schlechtere Noten erhielten als kleinere Spitäler. Regula Heller liefert dazu eine Erklärung: «Vielleicht deshalb, weil kleinere Kliniken aufgrund ihrer übersichtlichen Grösse individueller auf ihre Patienten eingehen können.»

Rennbahnklinik-Direktor Philip Klopfenstein, der den regionalen Zufriedenheits-Lead übernommen hat, sagt: «Wir spüren jeden Monat eine Verlagerung der Patienten aus den öffentlichen Spitälern zu uns – besonders aus dem Baselbiet.» Mittlerweile habe ein Zustrom von Grundversicherten in die Rennbahnklinik eingesetzt. «Über zwei Drittel unserer Patienten sind grundversichert, wir sind ein wichtiger Partner in der Grundversorgung geworden.»

Peter Eichenberger, Direktor vom Claraspital, ist erfreut, dass sein Haus in Bezug auf die Patientenzufriedenheit signifikant über dem Schweizer Durchschnitt liegt. «Es bestätigt das Helsana-Ergebnis, das uns 2016 als bestes Spital der Schweiz etikettierte.» Generell würden Spitäler ohne Notfallaufnahme besser bewertet werden, weil deren Betrieb geordneter organisiert werden könne. Im Claraspital würden 30 bis 40 Prozent der Patienten über den Notfall eintreten. An Grenzen stosse man bezüglich Hotellerie, sagt Eichenberger. Hier habe man bei der Bewertung von Patienten aus der Onkologie und Vizeralchirurgie eine statistische Verzerrung: Patienten, die Schon- und Aufbaukost zu sich nehmen müssten, beurteilen die Hotellerie weniger positiv.

Schwachstelle Spitalaustritt

Neben der Frage nach der Qualität der Behandlungen ging es auch um weitere Behandlungsschritte wie: «Wurde Ihnen der Zweck der Medikamente, die Sie zu Hause einnehmen sollten, verständlich erklärt?» Hier schwingen die Privaten wieder deutlich obenaus. Noch weiter öffnet sich die Schere bei der Frage, wie die Organisation des Spitalaustritts gewesen sei. Das Unispital Basel-Stadt liegt bei dieser Frage deutlich unter dem Durchschnitt. Heller ortet in diesem Punkt denn auch das grösste Verbesserungspotenzial.

Thomas Pfluger, Mediensprecher des Unispitals, ist trotzdem zuversichtlich: Die ANQ-Umfrage zeige, dass die Patienten mit dem Universitätsspital Basel zufrieden seien. «Bei einer Skala von 1 bis 5 liegen die Werte des USB bei allen Fragen zwischen 4 und 5.» Dies sei eine Verbesserung gegenüber dem Vorjahr (2016: 4,07, 2017: 4,12). Auch der Wert des KSBL habe sich gegenüber dem Vorjahr verbessert (2016: 4,06, 2017: 4,08). Tatsächlich ist es eine Bewertung auf hohem Niveau. Trotzdem ändert es nichts daran, dass die öffentlichen Spitäler unter dem schweizerischen Durchschnitt liegen. Das Kantonsspital Liestal war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Seinen Schwerpunkt lege das USB auf die weitere Verbesserung der medizinischen Qualität, sagt Thomas Pfluger weiter. Ein zentrales Beispiel für diese Arbeit sei die wertebasierte Gesundheitsversorgung, mit der die Patienten die Behandlungserfolge selbst und wiederholt beurteilen.

Die Gesundheitspolitiker der Region haben auch die geplante Spitalfusion im Blick. Trotz prinzipiell guter Qualität seien Verbesserungen in gewissen Punkten notwendig, räumt Sarah Wyss (SP), Präsidentin der grossrätlichen Gesundheitskommission, ein. «Dies erwarte ich auch vom USB mit und ohne Fusion.» Doch sie verweist auch auf die Einschränkungen der Statistik. Vergleichbar untereinander seien eher die universitären Spitäler. Da seien die Abweichungen des USB zu den anderen nicht so gross. «Teilweise schneidet es auch besser ab.»

Die Fusion im Blick

Kaspar Sutter (SP), ebenfalls Mitglied der grossrätlichen Gesundheitskommission und erklärter Gegner der Spitalfusion, sagt: «Die komplizierte Fusion wird die geplante Spital-Aktiengesellschaft in den kommenden fünf bis zehn Jahren absorbieren.» Zudem werde die Fusion zu einer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen der Angestellten führen. Seiner Meinung nach kann eine Fusion die erhöhte Unzufriedenheit im Uni- wie im Kantonsspital nicht abfedern – im Gegenteil: «Beides wird die öffentlichen Spitäler schwächen und sich negativ auf die Patientenzufriedenheit auswirken.»

Sven Inäbnit (FDP), Vizepräsident der landrätlichen Gesundheitskommission, stellt fest, dass die bereits erfolgte Fusion dreier Standorte das Kantonsspital Baselland (KSBL) schon deutlich geschwächt habe. «Ob eine Fusion zwischen den Spitälern der beiden Basel die Patientenzufriedenheit erhöhen mag, bezweifle ich sehr, eine grössere Einheit mit noch mehr Anonymität spricht nicht dafür, dass sich die Patienten besser aufgehoben fühlen.»

Und sein basel-städtischer Parteikollege Christian Moesch sagt: «Wenn die Qualität nicht stimmt, so sind selbstverständlich entsprechende Massnahmen notwendig. Das hat mit der geplanten Spitalzusammenlegung zwar im Moment nichts zu tun. Aber es wäre auch absolut falsch anzunehmen, dass sich mit einer Fusion solche Probleme einfach in Luft auflösen werden.»

Umfrage

Patienten sind mit der Leistung von Privatspitälern zufriedener als mit der von Kantons- und Unispitälern. Ziehen Sie den Aufenthalt in einer Privatklinik einem Kantonsspital vor?

Ja

 
69.8%

Nein

 
30.2%

751 Stimmen


(Basler Zeitung)

Erstellt: 06.11.2018, 07:11 Uhr

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