Riehener wollen flüssig in die Stadt

Gemeinderat und Gewerbe wehren sich gegen Staupläne aus dem Baudepartement.

Künstlich aufstauen: An der Kreuzung Riehenstrasse/Allmendstrasse sollen Rotphasen verlängert werden.

Künstlich aufstauen: An der Kreuzung Riehenstrasse/Allmendstrasse sollen Rotphasen verlängert werden. Bild: Christian Keller

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Mit längeren Rotphasen an acht Haupteinfallsachsen sollen Autos und Lastwagen in den Stosszeiten daran gehindert werden, flüssig in die Stadt fahren zu können. Dies geht aus dem «Umsetzungskonzept Städtische Verkehrslenkung Basel» aus dem Bau- und Verkehrsdepartement hervor, das den Verkehr maximal reduzieren will. Verkehrsteilnehmer sollen vor einzelnen Kreuzungen während mehrerer Minuten künstlich aufgestaut werden, damit öffentlicher Verkehr, Fussgänger und Velofahrer flüssiger passieren können.

Betroffen sind auch drei Hauptachsen, die von Riehen her in die Stadt führen. Es handelt sich dabei um die Knoten nahe der Stadt auf den Einfallsachsen Riehenstrasse beim Freibad Eglisee, der Bäumlihofstrasse nahe beim Gymnasium Bäumlihof und an der Grenzacherstrasse nahe dem Wasserkraftwerk Birsfelden. An der Grenzacherstrasse wollen die Basler Verkehrsplaner eine Ampelanlage explizit für die Stauerzeugung neu bauen, an den anderen beiden Knoten sollen die Rotphasen zeitlich ausgedehnt werden. Gemäss Simulationen aus dem Konzept werden von Riehen kommende Autofahrer an der Kreuzung nahe dem Freibad Eglisee bis zu siebeneinhalb Minuten länger warten müssen.

Höhere Emissionen

Bei Handwerkern aus Riehen stossen diese Staupläne aus dem Verkehrsdepartement von SP-Regierungsrat Hans-Peter Wessels auf wenig Freude. «Ich halte gar nichts davon. Standzeiten im Auto von Monteuren kann man den Kunden nicht verrechnen. Sie bedeuten einen Verlust für das Geschäft», sagt ein Elektriker aus Riehen gegenüber der BaZ. Er will anonym bleiben. Ihm sei schon klar, dass die rot-grüne Politik aktuell dahin gehe, die Autos aus der Stadt zu verdrängen. «Für uns Gewerbetreibende ist das aber tödlich.»

Ein Schreiner, auch er will seinen Namen nicht in der Zeitung lesen, sagt, dass auf der Kreuzung Bäumlihofstrasse und Allmendstrasse der Verkehr aktuell flüssig verkehre. «Wenn dort länger auf Rot geschaltet wird, dann ist das unvorteilhaft.» Er verlangt vom Riehener Gemeinderat, dass er in dieser Angelegenheit Druck auf das Verkehrsdepartement ausübe und sich für das lokale Kleingewerbe einsetze.

Das verlangt auch der Riehener SVP-Einwohnerrat Felix Wehrli vom Gemeinderat. «Er muss gegen die Stadt stärker und mit mehr Mut auftreten», sagt Wehrli. Den Verkehr an den Rotlichtern zu stauen, würde mehr Bremsstaub, Abgase und somit höhere Emissionen bedeuten. «Früher hatte man in der Stadt grüne Wellen, um den Verkehr zu verflüssigen. Heute wollen die Verkehrsplaner wieder davon loskommen, obschon die Stadt in den letzten zehn Jahren um 10'000 Bewohner und rund 20'000 Arbeitsplätze gewachsen ist.» Die Verkehrsplaner seien gemäss Wehrli auf «einem Auge blind». «Dinge, die ihnen genehm sind, fördern sie, Unangenehmes nicht.» Wehrli befürchtet, dass der Verkehr bei Staus vor Ampeln in die Quartiere ausweichen werde.

Stau in Riehen Süd befürchtet

Die Verwaltung der Gemeinde Riehen hat sich mit dem Konzept auseinandergesetzt und den zuständigen Gemeinderat Guido Vogel darüber in Kenntnis gesetzt. Er spricht davon, dass es Lösungen für die zunehmenden Zahlen von Autos auf den Strassen brauche. Aber: «Wir sind absolut dagegen, dass man dazu Stausituationen zwischen Riehen und Basel schafft. Wir sind nicht der Meinung, dass die Verbindungen zwischen der Stadt und der Landgemeinde die richtigen Orte dafür sind.» Vielmehr müssten nach Vogel ausserhalb dieser Achsen Massnahmen getroffen werden, um die Autos auf die Zollfreistrasse und die Leute auf den öffentlichen Verkehr zu bringen. Vogel sieht im Gegensatz zum Konzept auch keine Entlastung von Riehen Süd durch den Verkehr, wenn er auf den Achsen gestaut werde. «Vielmehr bildet sich ein Rückstau in Richtung Riehen. Das ist nicht im Interesse der Riehener Autofahrer», sagt Vogel. Eine Aussprache mit den Verkehrsplanern werde zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden. «Es sind ja erst Ideen, die an die Öffentlichkeit gebracht worden sind. Ich denke aber nicht, dass das Problem des zunehmenden Autoverkehrs mit diesen Massnahmen gelöst werden kann.»

Zurückhaltender als in Riehen gibt sich der zuständige Gemeinderat in der zweiten Landgemeinde, oben in Bettingen. Ueli Mauch von der Partei Aktives Bettingen habe die Pläne aus dem Verkehrsdepartement zur Kenntnis genommen. «Wir wollen dagegen nichts unternehmen. Die Ampelanlagen befinden sich auf Hoheitsgebiet des Kantons», sagt Mauch. Zudem handle es sich um ein Pilotprojekt, wo noch unklar sei, welche Vor- oder Nachteile Verlängerungen der Rotlichtphasen mit sich bringen würden. Mauch: «Wir wollen jetzt diese Testphase abwarten und uns dann die Ergebnisse in Ruhe anschauen.»

In Riehen läuft bereits Petition

Als Pilotachse soll gemäss Regierungsrat Wessels ab September die Einfallsachse aus Saint-Louis auf der Elsässerstrasse dienen. Laut Behörden soll durch längere Rotlichtphasen der Verkehr aus dem Elsass zurückgebunden werden, im Gegenzug sollen aber auf dem Voltaplatz für Fussgänger und Velofahrer sowie für Auto und Lastwagen kürzere Wartezeiten realisiert werden.

Die LDP von Riehen und Bettingen hat eine Petition gegen das Stauvorhaben gestartet. Der Titel lautet «Grüne Welle von Riehen nach Basel». Die Partei will mit der Unterschriftensammlung die zuständige Gemeinde Riehen dazu auffordern, die Kommunikation mit dem Bau- und Verkehrsdepartement zu verbessern. Der Gemeinderat müsse den «möglichst ungehinderten Verkehrsfluss nach Basel und von Basel nach Riehen einbringen und verteidigen».

Umfrage

Riehener Gewerbetreibende wehren sich gegen ein neues Verkehrsregime bei den Verkehrsampeln. Wird das Gewerbe benachteiligt, wenn Ampeln länger auf Rot stehen?

Ja

 
84.0%

Nein

 
16.0%

1174 Stimmen


(Basler Zeitung)

Erstellt: 01.09.2017, 07:07 Uhr

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