Säggsilyte-Beegg, mer kemme!

Basel-Stadt wird mit einer Gutenbergpresse ans Zürcher Traditionsfest fahren.

Wetterorakel mit Feuer. Reitergruppen der Zünfte umkreisen am Sechseläuten den Böögg. Wenn er rasch explodiert, wird der Sommer gut.

Wetterorakel mit Feuer. Reitergruppen der Zünfte umkreisen am Sechseläuten den Böögg. Wenn er rasch explodiert, wird der Sommer gut. Bild: Keystone

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Für einen Tag sollen die Zürcher und Basler beste Freunde sein. Für einen Tag steht nicht die Städterivalität mit Augenzwinkern im Vordergrund, sondern das Verbindende: Zünfte, Traditionen, Festumzug. Der Kanton Basel-Stadt ist Gastkanton am diesjährigen Zürcher Sechseläuten, das vom 13. bis am 16. April dauert, mit dem Bööggverbrennen am Montagnachmittag als Höhepunkt. Sabine Horvath vom Basler Stadtmarketing, ursprünglich eine Zürcherin, gab den Journalisten gestern zuerst einen Crash-Kurs, wie der Anlass richtig auszusprechen sei: Auf Züridütsch heisst es «Sächsilüüte».

Die Basler werden mit einer grossen Delegation nach Zürich reisen. Rund 450 Personen aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport werden den sogenannten Zug zum Feuer anführen und dann beim Sechseläutenplatz zusehen, wie die Reiter der Zünfte das Feuer umkreisen, bis die Flammen den Holzstapel hinauflodern und den zuoberst stehenden Böögg erreichen. Wer genau von den Baslern dabei sein und die Zeit mitstoppen wird, bis der Kopf des Böögg explodiert, ist noch nicht ganz klar. Horvath sagt, am 22. März soll darüber informiert werden.

Laternenmaler auf dem Lindenhof

Der Gastauftritt soll den Zürchern einiges bieten. Mit dem Motto «Basler Hochkultur & Alltagskunst» will das Basler Stadtmarketing die Festteilnahme als Werbeplattform nutzen. Geplant sind Beiträge zur Traditionskultur (Fasnacht), zum Kulturgenuss (Museen und Kunst), zur Lebenskunst (Rheinschwimmen), zum Architekturmekka Basel (Architekten, die in der ganzen Welt bauen), zum Veranstaltungsort Basel (Messe), zum Wirtschaftsstandort Basel (Life Sciences oder Logistikdrehscheibe mit Hafen) und zum Bildungs- sowie Forschungsstandort (Universität, Hochschulen und nochmals Life Sciences).

Auf dem Lindenhofareal im historischen Stadtkern werden sich die Basler für drei Tage niederlassen und ein Zelt mit Platz für 600 Personen aufstellen. Dort dürfen die Zürcher dann auch einmal ein bisschen Basler sein, sei es, indem sie ein Piccolo oder Trommelschlägel in die Hand nehmen, oder indem sie sich in klassischen Fasnachtskostümen fotografieren lassen. Zu kosten gibt es dann auch Kulinarisches vom Rheinknie, ausgewählt von der Safranzunft in Basel. Als Highlight angekündigt ist der Basler Fasnachts-Laternenmaler Christoph Knöll. Er wird in einem Sondereffort eigens eine Fasnachtslaterne für den «Zug zum Feuer» malen und sich dabei über die Schulter schauen lassen.

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Basel-Stadt ist diesjähriger Gastkanton am Sechseläuten mit dem Bööggverbrennen in Zürich. Interessieren Sie sich für das Zürcher Sechseläuten?

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Die Laterne ist dann am Montag dabei, wenn die Basler Delegation von der unteren Bahnhofstrasse Richtung Bürkliplatz losmarschiert. Welche Cliquen genau im Basler Tross dabei sein werden, darüber schweigen die Organisatoren noch. Die BaZ weiss aber, dass unter anderem die Basler Mittwoch-Gesellschaft als Stänzler mit von der Partie sein wird. Im Kinderumzug werden rund 150 Basler Kinder zu sehen sein – das kleine Vogel-Gryff-Spiel wird dabei seinen Auftritt haben.

Alte Papierpresse für Bööggsujet

Etwas Spezielles muss noch sein, sonst würde Basel ja seinem Ruf «wir ticken immer anders» nicht gerecht werden. «Wir werden unseren gut 100-jährigen Nachbau der Original-Gutenberg-Buchpresse nach Zürich bringen», sagt Stefan Meier vom Basler Papiermühle-Museum. Auf dieser Presse aus dem 15. Jahrhundert können dann Interessierte auf einem Papier ein Böögg-Sujet drucken und als Souvenir nach Hause mitnehmen. Wie dieses Sujet genau aussieht, das soll noch ein bisschen ein Geheimnis bleiben und erst später bekannt gegeben werden.

Ob die Basler Delegation diesmal mehr Glück bringt als 1993, als Basel-Stadt das letzte Mal Gastkanton war? Damals wollte der Böögg vor den Baslern nicht brennen, titelte die Basler Zeitung am 20. April. Der 3,5 Meter grosse Böögg, Symbol für Winter und die kalte Jahreszeit, fiel – statt zu brennen – einfach vom Stapel, trotz einer 1000-fränkigen Sprengladung mit diversen Krachern. Im Wetterorakel der Limmatstadt konnte das nur eines bedeuten: Ein ganz schlechter Sommer stand bevor. Ob dem Böögg damals vom Anblick so vieler Basler einfach übel wurde oder eine gemeinsame telepathische Kraft der Gäste den Böögg bewog, hinunterzufallen – es wird ewig sein Geheimnis bleiben. Dieses Jahr jedenfalls wollen die Basler einen schönen Sommer nach Zürich bringen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 09.02.2018, 07:12 Uhr

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