Sorge um den jüdischen Friedhof

Israelitische Gemeinde spricht wegen der geplanten Umfahrung Allschwil bei Kantonen vor

Ruhen bis zum jüngsten Tag. Die Gebeine dieser Verstorbenen dürfen nach jüdischem Gesetz niemals ausgehoben werden.

Ruhen bis zum jüngsten Tag. Die Gebeine dieser Verstorbenen dürfen nach jüdischem Gesetz niemals ausgehoben werden. Bild: Dominik Pluess

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Die Eltern und die Grosseltern des Basler Kinderarztes Marc Herz liegen auf dem jüdischen Friedhof an der Theodor-Herzl-Strasse. Dort sollen sie ruhen bis zum Jüngsten Tag. Denn im Judentum ist die Grabesruhe ewig. Marc Herz befürchtet jedoch, dass diese ewige Ruhe gestört werden könnte. Und er ist mit dieser Sorge nicht alleine. Wie in der aktuellen Zeitung der israelitischen Gemeinde Pegischa zu lesen ist, wird der jüdische Friedhof durch die geplante und 2015 vom Baselbieter Volk angenommene Umfahrung Allschwil bedroht.

Tatsächlich zeigt ein Blick auf die damaligen Abstimmungsunterlagen: Der Friedhof der Israelitischen Ge­meinde Basel (IGB) liegt im kritischen Bereich, könnte also betroffen sein.

Linienführung noch offen

Aus diesem Grunde ist die IGB bereits vor einem Jahr zunächst mit den Basler, danach mit den federführenden Baselbieter Behörden in Kontakt getreten. Dort hat man der IGB im Juli versichert, dass zurzeit noch nicht einmal die Grobplanung an die Hand genommen worden sei. Es sei auch möglich, dass die Linienführung sogar über französischen Boden laufen müsse, da das Bachgrabenareal stark verbaut sei – und dies auch unter der Erde. Der Zubringer Allschwil, der das Gewerbegebiet Bachgraben an die Autobahn anschliessen soll, werde wohl als Tunnel konzipiert. Wegen der Bodenbeschaffenheit müsste dieser acht Meter unter Grund gebaut werden. Sowohl die Basler wie auch die Baselbieter Behörden versicherten Gilbert Goldstein, Vorsteher der Friedhofskommission der IGB, wieder mit ihm Kontakt aufzunehmen, sobald die Planung voranschreitet. Seither hat er nichts mehr gehört.

Ein Tunnel acht Meter unter dem Friedhof sei grundsätzlich möglich, sagt Gilbert Goldstein: «Allerdings müsste der geforderte Mindestabstand auch bei den Bauarbeiten eingehalten werden», erklärt der Vorsteher der IGB-Friedhofskommission. Tagbau sei wegen der ewigen Totenruhe auf dem Friedhof ausgeschlossen. «Das Aufheben der Gräber wäre gegen unseren Gesetzeskodex und für uns unerträglich.» Goldstein macht sich im Gegensatz zu anderen Gemeindemitgliedern allerdings nicht allzu grosse Sorgen: «Ich denke, wir finden eine Lösung. Die Zusammenarbeit mit den Behörden klappt hervorragend. Sie wissen, dass unser Friedhof tangiert ist und haben viel Verständnis für unsere Bedürfnisse gezeigt.» Um jedoch keine böse Überraschungen zu erleben, werde die IGB weiter aktiv Informationen einholen: «So können wir uns rechtzeitig einbringen und kommen nicht erst, wenn alle Pläne schon gemacht sind.»

Keine böse Überraschung

Ein Tunnel unter dem Friedhof kommt jedoch für einige Mitglieder der Gemeinde nicht infrage, egal wie tief er liegt: «Die Totenruhe ist heilig. Eine Strasse auf oder unter dem Friedhof sollte nicht einmal in Betracht gezogen werden. Das geht für mich gar nicht», sagt Herz. Und: «Wenn die Behörden sich und uns das Leben einfacher machen wollen, würden sie diese paar Quadratmeter, auf denen der Friedhof steht, aus der Planung aussparen.»

Offenbar ist man mittlerweile auch bei der federführenden Behörde dieser Meinung. Als die BaZ bei der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion nachfragt, ist keine Rede mehr von einem Tunnel, der auch unter dem Friedhof durchführen könnte. «Angesichts der Geschichte in Europa ist es ausgeschlossen, dass das Tiefbauamt eine Linienführung planen wird, die den jüdischen Friedhof tangiert. Auch die Direktionsvorsteherin ist klar dieser Meinung», sagt Kantonsingenieur Drangu Sehu. Gilbert Goldstein zeigt sich ob diesen Worten hocherfreut. Dass er diese Information via BaZ und nicht direkt erhalten hat, stört ihn nicht: «Wichtig ist die gute Nachricht.»

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Die Umfahrung Allschwil könnte den jüdischen Friedhof tangieren. Ist darauf Rücksicht zu nehmen?

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(Basler Zeitung)

Erstellt: 30.12.2016, 07:36 Uhr

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