Strengere Noten in Sekundarschule

Das Basler Erziehungsdepartement will die historisch hohe Gymnasialquote von 45 Prozent senken.

Umstrukturierung im Klassenzimmer. Conradin Cramer will in Zukunft weniger Übertritte ins Gymnasium.

Umstrukturierung im Klassenzimmer. Conradin Cramer will in Zukunft weniger Übertritte ins Gymnasium.

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Das Ziel im Jahr 2014 war klar: Dank Harmos sollte die Übertrittsquote ans Gymnasium von rund 38 Prozent auf 30 Prozent gesenkt werden. Nun schliesst der erste Jahrgang der neuen Sekundarschule diesen Sommer ab. Die neusten Zahlen zeigen: Das Ziel wurde verfehlt, und zwar mehr als eindeutig. Die Gymnasialquote erreicht dieses Jahr sogar ein historisches Hoch. 45 Prozent aller Sekundarschüler haben sich für das Gymnasium qualifiziert – das sind fast neun Prozent mehr als im Vorjahr.

«Wir müssen davon ausgehen, dass die Intelligenz der Schüler in einem Jahrgang keinen Quantensprung gemacht hat», sagt Ulrich Maier, Leiter Mittelschulen und Berufsbildung. Im nächsten Schuljahr werde es deshalb wohl mehr Schülerinnen und Schüler geben, die im Gymnasium Schwierigkeiten haben werden. Gleichzeitig fehlen den Ausbildungsbetrieben genau diese talentierten Lehrlinge. Denn auch das Ziel, die Berufsbildung zu stärken, konnte so nicht erreicht werden. Gestern haben Bildungsdirektor Conradin Cramer, Dieter Baur, Leiter Volksschulen, und Ulrich Maier den Medien deshalb drei Massnahmen vorgestellt, mit denen sie die Gymnasialquote senken wollen.

Neu zwei gute Zeugnisse nötig

Der Hebel wird bereits in der Primarschule angesetzt. Der Übertritt von der Primar- in die Sekundarschule wird für die Schüler härter. Neu reicht nicht mehr nur das erste Zeugnis im Januar für die Zuteilung in einen bestimmten Sekundarschul-Zug, auch der Notendurchschnitt im Sommerzeugnis muss nun stimmen.

In der Sekundarschule gehen die Anpassungen weiter. «Im Moment haben wir im P-Zug einen Notendurchschnitt von über 5 in den wichtigen Fächern.» Das sei klar zu hoch, sagt Cramer. Baur fügt an: «Das müssten alles Klassen des Jahrhunderts sein, was nicht möglich ist. Der Durchschnitt sollte sich zwischen den Noten 4 und 5 einpendeln, dann kommen wir der Notenwahrheit näher.» Konkret heisst das: Die Lehrer im leistungsstärksten P-Zug haben an ihre Schüler zu niedrige Anforderungen gestellt und sie zu milde benotet. Baur begründet dieses Ungleichgewicht damit, dass die meisten Lehrpersonen der Sekundarschule im alten System nie Gymnasiasten unterrichtet haben. «Die Systemumstellung war massiv. Dass nicht alles auf Anhieb funktioniert, ist naheliegend», sagt Cramer. Wichtig sei, dass man jetzt handle. Wenn Klassen danach noch immer obenaus schwingen, müssen die Lehrpersonen den hohen Notendurchschnitt begründen. Das gleiche System wird auch im E-Zug und in allen Mittelschulen angewandt.

Wahrscheinlich werden im nächsten Schuljahr weniger als 14 Prozent der Sek-Schüler direkt mit einer Lehre beginnen. Als dritte Massnahme soll deshalb die berufliche Orientierung, wie beispielsweise Schnuppertage oder Bewerbungstrainings, an der Sekundarschule weiter ausgebaut werden. Und für Schüler, die im Gymnasium nicht mithalten können, soll ein direkter, niederschwelliger Umstieg in eine Lehre möglich sein. «Mit diesen Anpassungen wollen wir die Übertrittsquote auf realistische 35 bis 40 Prozent senken», sagt Cramer. Mehr liege nicht drin, denn in urbanen Gebieten sei die Quote immer höher. In Basel haben enorm viele Erwachsene (fast 44 Prozent der über 25-Jährigen) einen tertiären Abschluss. «Diese Akademikereltern wollen, dass ihre Kinder auch studieren, und üben Druck aus», so Cramer.

Überhöhte Erwartungen

Dass genau diese Eltern teilweise keine Freude an den neuen Massnahmen haben werden, weiss man beim Erziehungsdepartement. «Es ist aber nicht im Sinne der Schüler, wenn man sie zu gut beurteilt», sagt Maier. Denn irgendwann komme unweigerlich der Bruch: «Und dann ist der Schaden markant grösser, als wenn sie zu einem frühen Zeitpunkt jenen Weg wählen, der ihnen am meisten entspricht.»

Cramer will den Lehrern den Rücken gegen überhöhte Erwartungen der Eltern stärken: «In der Schweiz mit ihrer qualitativ hohen und durchlässigen Berufsbildung ist das Gymnasium nicht wie in anderen Ländern der Königsweg», sagt der Erziehungsdirektor jenen Satz, den Bildungsexperten seit Jahren gebetsmühlenartig wiederholen. Ein Umdenken der Eltern hat jedoch noch nicht stattgefunden.

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(Basler Zeitung)

Erstellt: 17.05.2018, 07:24 Uhr

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