Tesla als Staatskarosse auf Prüfstand

Im Gegensatz zur Basler Polizei wollen Aargauer wissen, ob das Flügeltürenmodell etwas taugt.

Dient zur Repräsentation. Das Elektroauto der Aargauer Regierung kostet rund 120'000 Franken.

Dient zur Repräsentation. Das Elektroauto der Aargauer Regierung kostet rund 120'000 Franken.

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Die Aargauer Kantonsregierung braucht einen Ersatz für ihre in die Kilometer gekommenen Staatslimousinen. Wie sie in einer Mitteilung schreibt, habe die Exekutive aus diesem Grund nun per sofort eine der fünf Mercedes-Limousinen durch einen Tesla ersetzt. Dabei handelt es sich um dasselbe Modell mit den faltbaren Flügeltüren, von denen sich auch die Basler Polizei sieben Stück anschafft und damit diesen Herbst sämtliche Mercedes-Alarmpikettfahrzeuge ersetzt.

Im Gegensatz zur Basler Polizei prüfen die Aargauer das Elektroauto Tesla X-100-D allerdings auf Türverschluss und Komfort. Und so ist in Aarau noch unklar, ob dereinst für die restlichen vier Mercedes der Regierung weitere Teslas angeschafft werden, wie Maurus Büsser, Generalsekretär beim Departement Bau, Verkehr und Umwelt, sagt. «Wir wollen in einem Pilotversuch zuerst Erfahrungen mit dem Modell sammeln bezüglich des Betankens mit Strom, der Reichweite mit einer Akkuladung, den Unterhaltskosten und dem Einsatz als mobiles Büro.»

Mit diesem Versuchsbetrieb während einer noch unbestimmten Zeit wollen die Aargauer Regierungsräte auch herausfinden, ob sie sich in dem Auto während der Fahrten auch wohl fühlen und arbeiten können. Als einziges Extra ist eine Leselampe zum Arbeiten eingebaut worden.

Büsser: «Wir machen keine Hauruck-Übung und die bestehende Flottenpolitik wird nicht geändert.» Das Auto müsse sich bewähren und die Aargauer machten sich daher nun ein Bild über dessen Qualitäten im Alltag. «Wir wollen einen betriebswirtschaftlich effizienten Fahrdienst, haben aber auch Vorbildwirkung im Bereich Energie und Mobilität. Wir wollen mit gutem Gewissen sagen können, dass das Auto taugt, weil wir auch sorgsam mit öffentlichen Geldern umgehen müssen», so Büsser. Schliesslich habe der Aargau in den vergangenen Jahren einschneidende Sparbemühungen auf kantonaler Ebene hinter sich.

Mit Testauto hin- und hergefahren

Fragt man beim Basler Justiz- und Sicherheitsdepartement (JSD) bezüglich Tests und Tauglichkeit der Teslas im Polizeialltag nach, reagieren die Verantwortlichen um FDP-Regierungsrat Baschi Dürr empfindlich. Die Kritik an der ausgegebenen Million für die sieben Polizei-Teslas, ohne auch nur einen davon getestet zu haben, weist Polizeisprecher Toprak Yerguz auf eine Anfrage der BaZ zurück. Grundsätzlich würde die Polizei Produkte beschaffen, die den Leistungskriterien entsprechen und die sich in Tests als «zuverlässig» und «tauglich» erwiesen hätten. «Aus Gründen des verantwortungsvollen Umgangs mit Steuergeldern führen wir Tests vor und nicht erst nach einer Ersatzbeschaffung durch», sagt Yerguz.

SVP-Grossrat Felix Wehrli schüttelt ob dieser Aussage den Kopf. «Das JSD kann die Autos gar nicht getestet haben, da es sie in Polizeiausführung gar nicht gibt. Die Polizei hatte in der internen Garage einmal ein Testauto, um ein bisschen hin und her zu fahren», sagt der Detektiv-Korporal. Ganz sicher aber sei das Modell X-100-D im Polizeialltag nicht ausprobiert worden. Da mute es seltsam an, zu behaupten, man hätte das Auto geprüft, sagt Wehrli.

«Was beim JSD mit dem Kauf der Autos passiert, ist ganz sicher kein verantwortungsvoller Umgang mit den Steuergeldern. Es gibt in Basel Leute, die jeden Franken umdrehen müssen. Im Fall des Teslas wird aber einfach eine Million Franken ohne vertiefte Tests ausgegeben.»

Demgegenüber bezeichnet Wehrli das Verhalten der Aargauer Regierung mit dem Pilotversuch als «seriös». «Die schauen, was sinnvoll ist, und lassen sich bei der Beschaffung Zeit.» Die Basler Verkehrsbetriebe (BVB) hätten das auch gemacht, als es darum gegangen sei, für Riehen neue Kleinbusse zu kaufen. Elektrobusse sind vor drei Jahren getestet, aber nicht als passend erachtet worden.

Erste drei Polizei-Teslas geliefert

Wie die Basler kaufen auch die Aargauer den Tesla unter anderem aus ökologischen Gründen, weil im Parlament verschiedene Vorstösse eingegangen sind, dass bei der Beschaffung von Flottenfahrzeugen alternative Antriebsarten zu Verbrennungsmotoren zu prüfen seien. Dies auch beim Verbrauch und Unterhalt, wo Elektroautos als sparsamer gelten. «Wie wir zukünftig alternative Antriebe einsetzen, darüber soll der Pilotversuch Erkenntnisse liefern», sagt Büsser. Keine Angaben macht er dazu, wie viele Fahrten ein Regierungsfahrzeug täglich mache.

Dass die Teslas im Betrieb günstiger sind, sei gemäss JSD bereits belegt, ohne dass ein einziger Kilometer mit einem Polizei-Tesla zurückgelegt worden ist. So würden die Gesamtkosten für die sieben Autos trotz höherer Anschaffungskosten im Vergleich mit den heutigen Alarmfahrzeugen tiefer ausfallen, rechnet das JSD vor. Ebenso sei klar, dass die Polizei-Teslas mit einer Stromladung mindestens 500 Kilometer zurücklegen werden. Eine Aussage des Herstellers, die Experten anzweifeln, und die im Aargau mit dem Versuch nun genau unter die Lupe genommen wird.

Auch die Basler Polizei kann bald die Reichweite im Tagesbetrieb austesten. Wie Polizeisprecher Yerguz sagt, seien die ersten drei Teslas planmässig geliefert worden und befänden sich für den Umbau zum Polizeiauto in Holland bei einer spezialisierten Firma. Yerguz: «Die Fahrzeuge können voraussichtlich Ende November 2018 in Betrieb genommen werden.»

Umfrage

Die Basler Polizei kauft sieben Teslas als Einsatzfahrzeuge. Der Kanton Aargau testet vorerst nur eines. Halten Sie es für sinnvoll, ein Auto vor dem Kauf einer Flotte zu testen?

Ja

 
90.7%

Nein

 
9.3%

849 Stimmen


(Basler Zeitung)

Erstellt: 05.10.2018, 07:08 Uhr

Vernünftiger Entscheid

Von Martin Regenass

Aargauer werden in der Schweiz gerne etwas belächelt, wenn es um Autos geht – etwa von Baslern, die zuweilen behaupten, Aargauer könnten nicht Auto fahren und die Buchstaben AG auf den Kontrollschildern seien als «Achtung Gefahr» zu verstehen. Im Fall der Beschaffung von Teslas für die Polizei liegt die Gefahr aber aufseiten der Basler.

Denn Sicherheitsdirektor Baschi Dürr (FDP) gibt eine Million Franken für die Elektroautos aus, ohne auch nur eines davon überhaupt unter Realbedingungen auf die Alltagstauglichkeit für die Polizeiarbeit getestet zu haben. Damit geht Dürr mit öffentlichen Geldern ein Risiko ein, denn das Auto könnte Schwierigkeiten bereiten oder sich im schlimmsten Fall gar als untauglich erweisen.

Kritik der Geschäftsprüfungskommission und der Finanzkontrolle am Vorgehen bei der Beschaffung scheint Dürr nicht zu kümmern.

Die Aargauer hingegen lassen sich bei der Beschaffung neuer Staatskarrossen mit Elektroantrieb nicht auf die Äste hinaus. Besonnen kauft die Regierung zuerst einmal ein Auto und unterzieht es eingehenden Tests. Fallen diese positiv aus, können immer noch weitere Exemplare dazugekauft werden.

Bemerkenswert ist dieses umsichtige Vorgehen auch, weil Autos für die Aargauer Regierungsräte und den Grossratspräsidenten im Gegensatz zu den Polizei-Teslas in Basel-Stadt nicht rund um die Uhr in Betrieb sind. Umso mehr erstaunt vor diesem Hintergrund der Basler Entscheid, gleich alles auf eine Karte zu setzen. Die Aargauer agieren mit ihrem Vorgehen bodenständig und demütig im Umgang mit den Steuergeldern und begeben sich «Ausser Gefahr».

martin.regenass@baz.ch

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