Teure Grenzgänger überschwemmen die Universität Basel

Beim Streit der Trägerkantone um die zu hohen Kosten wiegen die Studierenden aus Baden-Württemberg besonders schwer.

Vor allem der Anteil der Ausländer – und insbesondere der Grenzgänger – trägt zum Wachstum der Universität Basel bei.

Vor allem der Anteil der Ausländer – und insbesondere der Grenzgänger – trägt zum Wachstum der Universität Basel bei. Bild: Kostas Maros

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Der Streit zwischen den beiden Basel um die ständig wachsenden Kosten ihrer Universität hat eine Hauptursache: die teuren Grenzgänger, die in Basel studieren. Anders als immer wieder behauptet, sind es nicht die exzellenten Ausländer aus aller Welt, die am meisten zum Kostenwachstum der Universität beitragen, sondern die Grenzgänger aus Baden-Württemberg. Gemäss einem vom Bundesamt für Statistik 2015 publizierten Themenbericht handelt es sich bei neun Prozent der in Basel Studierenden (ohne Doktorierende) um Grenzgänger. Das sind zahlenmässig sogar mehr als die übrigen Ausländer, die in Basel studieren. Für ihre Kosten müssen fast vollständig die Trägerkantone Baselland und Basel-Stadt aufkommen.

Dass Baselland bei den Kosten seiner Universität die Notbremse zieht, geschieht vor dem Hintergrund des rasanten Wachstums der Zahl der Studierenden. 2007, im ersten Jahr als Trägerkanton, hat Baselland 127,5 Millionen Franken an das Defizit der Universität bezahlt. Im laufenden Jahr werden es gemäss Budget 174 Millionen sein. Die Zahl der Studierenden und Doktorierenden an der Uni Basel ist von 2007 bis 2015 von 10 770 auf 12 729 Personen gestiegen. Während die Schweizer Studierenden für den Zeitraum nur eine Zunahme von 11,2 Prozent verzeichnen, beträgt die Zunahme bei den Ausländern 48 Prozent.

Gratisstudierende

Aus der Optik der Finanzen gibt es drei Kategorien Studierender: die Vollzahlenden aus den Trägerkantonen Baselland und Basel-Stadt, die Trittbrettfahrer aus den übrigen Kantonen, deren Kosten teilweise durch die Herkunftskantone gedeckt werden, und die Gratisstudierenden aus dem Ausland, für deren Kosten bis auf die Studiengebühr und einen minimalen Bundesbeitrag die Trägerkantone Baselland und Basel-Stadt aufkommen müssen. Die Universität rechtfertigt das Wachstum dieser Kosten mit dem Argument, die ausländischen Studierenden würden zu einem guten Teil die Exzellenz der Universität ausmachen. Verschwiegen wird dabei allerdings, dass die Mehrheit der ausländischen Studierenden nicht zu dieser Exzellenz aus aller Welt gehört, sondern bloss Studierende aus dem grenznahen Ausland sind.

Diese ziehen offenbar die Universität Basel der eigenen Universität Freiburg vor. Eine Wanderung in die andere Richtung existiert kaum. An der Universität Freiburg im Breisgau machen die Studierenden aus der Schweiz nicht einmal ein ganzes Prozent aus: 89 Schweizer weist die Albert-Ludwigs-­Universität Freiburg zurzeit aus.

Das Bundesamt für Statistik gibt für die Universität Basel 19 Prozent Studierende (ohne Doktorierende) an, die ihren Hochschulzulassungsausweis im Ausland erworben haben. Acht Prozent davon sind Grenzgänger, zwei Prozent Auslandschweizer. Bei den vergleichbaren Voll-Universitäten Bern, Zürich oder Lausanne spielen die Grenzgänger hingegen keine Rolle; ihre Ausländeranteile liegen zwischen sieben und 14 Prozent. Von den Voll-Universitäten hat hingegen die Universität Genf das gleiche Problem mit dem grenznahen Ausland. An der Universität Genf beträgt der Ausländeranteil sogar 34 Prozent, davon zwölf Prozent französische Grenzgänger und drei Prozent Auslandschweizer. Für einen Spitzenwert bezogen auf die Gesamtzahl der Ausländer sorgen in Basel die Deutschen. 83 Prozent aller ausländischen Studierenden stammen in Basel gemäss der Statistik aus einem Nachbarland, vorzugsweise aus Deutschland. An den Spezial-Universitäten St. Gallen und Lugano stammen 77 beziehungsweise 72 Prozent der ausländischen Studierenden aus einem Nachbarland.

Gewolltes Ausländerwachstum

Das überdurchschnittliche Wachstum der Ausländer und insbesondere der Grenzgänger ist von der Universität Basel gewollt. Die steigenden Zahlen der vergangenen Jahre sind das Resultat der beschlossenen Wachstumsstrategie der Universität. Anders als an vielen Universitäten der Schweiz kennt Basel auch keine höheren Studien­gebühren für Studierende aus dem Ausland. Die 850 Franken pro Semester sind ein extrem kleiner Beitrag zu den Kosten des Studiums und auch weit davon entfernt, einen potenziellen Interessenten davon abzubringen, in Basel zu studieren. Anders als in Basel müssen ausländische Studierende an den Universitäten Fribourg, Zürich, St. Gallen, Luzern, Lugano und Neuenburg höhere Semestergebühren als Schweizer bezahlen. Die höchsten Semestergebühren für Ausländer haben Lugano mit 4000 Franken, St. Gallen mit 3326 Franken und Zürich mit 1269 Franken. Insbesondere Lugano hat die Semestergebühren für Ausländer stark erhöht, weil in Lugano ausländische Studierende sogar in der Mehrheit sind.

Der Kanton Baselland hat vergeblich versucht, die Studiengebühren für Ausländer zu erhöhen. Im Landrat in Liestal wurden in den vergangenen Jahren Vorstösse von Michael Herrmann (FDP) und Paul Wenger (SVP) überwiesen. Doch in Basel-Stadt stiess die Forderung auf Ablehnung. Der frühere Basler Rektor Antonio Loprieno regte stattdessen an, mit Deutschland über Unterstützungsbeiträge zu verhandeln. Doch Bundesbern hat dazu aus Berlin abschlägigen Bescheid erhalten.

Umfrage

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(Basler Zeitung)

Erstellt: 20.01.2017, 07:16 Uhr

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