Teure Überführung auf Friedhof Hörnli

Ein Bestattungsinstitut verlangte über 500 Franken für einen Leichentransport, die Konkurrenz arbeitet für nur einen Drittel. Am Ende übernahm das Spital aufgrund von Fehlinformationen die Kosten.

Geschäft mit dem Tod: Für einen Leichentransport zum Hörnli verrechnete Bürgin und Thoma 560 Franken.

Geschäft mit dem Tod: Für einen Leichentransport zum Hörnli verrechnete Bürgin und Thoma 560 Franken. Bild: Stefan Leimer

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Jean Schmitt* staunte nicht schlecht, als er die Rechnung der Bestattungsfirma sah. Knapp 560 Franken sollte er für die Überführung seines vor drei Wochen verstorbenen Vaters vom Felix-Platter-Spital auf den Friedhof Hörnli bezahlen. «Es ist wirklich kriminell, dass wir als Trauernde für einen Service, der eigentlich Routine ist, den Luxustarif bezahlen sollen», sagt Schmitt. Noch im Felix-Platter-Spital habe ihm eine Mitarbeiterin gesagt, dass die Überführung gratis sei. Darauf habe sich das Bestattungsinstitut Bürgin und Thoma bei Schmitt gemeldet und gefragt, ob sie den Leichnam überführen dürften. Das Basler Bestattungsinstitut arbeitet mit dem Felix-Platter-Spital zusammen.

Als Schmitt der Beraterin gesagt habe, dass der Service nach seinen Informationen gratis sei, habe die Beraterin gesagt, dass dem nicht so sei, weil der Verstorbene im Kanton Baselland wohnhaft war. Gratis sei er nur für Verstorbene, die in Basel wohnhaft waren. «Sie nannte mir darauf den Preis von – so glaube ich – 400 Franken», sagt Schmitt. So genau wisse er es aber nicht mehr, weil ihn der Tod seines Vaters schockiert und etwas verwirrt habe.

Als er das Spital anrief, um Klarheit zu schaffen, habe ihm dieselbe Spitalmitarbeiterin gesagt, dass der Transport aufs Hörnli tatsächlich nicht kostenfrei sei. Schmitt habe daraufhin die schlechte Informationspolitik des Spitals beklagt. Und gesagt: «Ja, erteilt den Auftrag.» Er wolle aber nicht, dass er selber den Auftrag gegeben habe, weil Informationspolitik und Trauerbegleitung des Spitals zu wünschen übrig liessen und er mit seiner Behandlung unzufrieden gewesen sei. Der Transport wurde also erledigt und ein paar Tage später erhielt Schmitts Mutter die Rechnung über die knapp 560 Franken.

Kunde hat Wahlfreiheit

Ein Bestattungsunternehmen aus dem Baselbiet sagt auf Anfrage, dass es für eine solche Überführung vom Felix-Platter-Spital bis zum Friedhof Hörnli 195 Franken berechne. Konfrontiert mit diesem rund dreimal geringeren Betrag, sagt Marion Biebas, Kundenberaterin bei Bürgin und Thoma: «Das kann nicht sein. Bei diesem genannten Betrag kann es sich nur um die Überführungsfahrt zwischen dem Spital und dem Hörnli selber handeln. Darin sind aber die Mitarbeiter, die Anfahrt sowie die Reinigung der Bahre und des Leintuchs nicht enthalten.»

Die Inhaberin des Bestattungsunternehmens Bürgin und Thoma, Marliese Thoma, ergänzt, dass ihr Unternehmen preislich in der Schweiz eher im unteren Bereich angesiedelt sei. «Zudem kommunizieren wir Hinterbliebenen unsere Preise stets transparent.» Dies sei auch bei Schmitt der Fall gewesen. «Ich habe diesem Herrn am Telefon ganz klar vorgerechnet, dass die Überführung rund 560 Franken kostet», sagt Biebas. Da sei es nun schon etwas seltsam, dass er sich jetzt über den Preis beklage, schliesslich hätte er auch ein anderes Unternehmen wählen können. Das sei ihm freigestanden, da sein Vater ausserhalb des Kantons Basel-Stadt lebte. Inhaberin Thoma fügt hinzu: «Wir hatten in solchen Fällen noch nie Beanstandungen und wenn es wegen anderer Dinge dazu kommt, dann würde man mit den Kunden eine Einigung suchen und die Probleme im bilateralen Gespräch lösen.»

Kanton bezahlt 185 Franken

Beim Felix-Platter-Spital heisst es auf Anfrage, dass das Bestattungsamt des Bau- und Verkehrsdepartements Basel-Stadt eine Ausschreibung vorgenommen habe, bei welcher ein Bestattungsunternehmen den Zuschlag erhalten habe. «Es erhält für die Dienstleistung der Überführung von uns bis zum Friedhof Hörnli den Betrag von 185 Franken, bezahlt vom Kanton Basel-Stadt», sagt Ursula Fringer Schai, CEO des Felix-Platter-Spitals. Neu würden zudem Verstorbene mit Wohnsitz ausserhalb von Basel analog wie im Stadtkanton überführt. «Wir übernehmen diese Kosten. Wir haben das Thema kürzlich diskutiert und sind zum Schluss gekommen, dass dies gegenüber den Hinterbliebenen angemessen ist», sagt Fringer Schai.

Dass dies nun der Fall ist, dürfte auch mit der Reaktion Schmitts zu tun haben. Er hat, nachdem er die Rechnung über 560 Franken gesehen hat, mit dem Felix-Platter-Spital Kontakt aufgenommen und sich dort direkt über die Art und Weise der Kommunikation beschwert und erklärt, dass er die Höhe des Betrags für nicht angemessen halte. Die Rechnung übernimmt für ihn nun das Spital.

* Name geändert (Basler Zeitung)

Erstellt: 02.09.2015, 09:53 Uhr

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