Über das Rotlicht, ohne jeden Skrupel

Basel ist auf dem besten Weg, zur Stadt der Velorowdys zu werden.

Über die rote Ampel, über das Trottoir, durch die Fussgängerzone, egal. Für viele Velofahrer sind Verkehrsregeln etwas, das nur Autofahrer befolgen müssen.

Über die rote Ampel, über das Trottoir, durch die Fussgängerzone, egal. Für viele Velofahrer sind Verkehrsregeln etwas, das nur Autofahrer befolgen müssen. Bild: Dominik Plüss

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Unterwegs von der Aeschenvorstadt zur Freien Strasse, wartend am Fussgängerstreifen, in der Ampel steht das rote Männchen. Ich warte zusammen mit anderen Personen. Von links her, aus der Elisabethenstrasse, nähern sich mehrere Velofahrer, stoppen just zwischen mir und dem Fussgängerstreifen und plaudern miteinander. Was nervt – wie soll ich nun den Zebrastreifen betreten, wenn sich da Velofahrer aufbauen?! Sie sind aber so nett und machen Platz, so bald das grüne Männchen auftaucht, sie überqueren die Strasse mit mir. Über die Traminsel, über die nächste Fahrbahn, es ist immer noch grün.

Da braust von der Wettsteinbrücke her ein Biker heran, durch die Fussgänger auf dem Zebrastreifen hindurch, und biegt zügig in die Freie Strasse ein. Er meint wohl, er sitze so gut im Sattel wie ein Velokurier, nur weil er einen Velohelm trägt. Er überfährt das Rotlicht ohne Skrupel, und das hat er bestimmt nicht zum ersten Mal gemacht.

Keine zehn Meter in der Freien Strasse trampt von unten, vom Märtplatz her, der nächste Biker heran, klar in der falschen Richtung. Bis zur Bäumleingasse, vom Bankenplatz her nur etwa hundert Meter, zähle ich weitere drei Velofahrende, die bergauf unterwegs sind. Die Signalisation in diesem Bereich wäre eigentlich klar – hier befindet sich eine Einbahnstrecke. Eine Viertelstunde später, auf dem Weg zurück, das gleiche Spiel. Die Freie Strasse bergwärts auf dem Rad (zwei Radler) und von der Wettsteinbrücke her über das Rotlicht beim Bankenplatz in Richtung Bahnhof (drei Biker).

Obs die Hitze ist? Oder die spezielle Situation in der Innenstadt, mit den gegenwärtigen Trambaustellen? Die Ausnahmesituation? An einem ganz gewöhnlichen, frühen Montagabend? Schwer zu sagen. Kann auch sein, dass ich genau jenen acht bis zehn velofahrenden Verkehrssündern begegnet bin und die vielen Tausend Korrekt-Fahrer übersehen habe. Das hoffe ich jedenfalls.

Unsere liebe Stadt Basel ist eine Velostadt, heisst es immer wieder. Das zu glauben, fällt allmählich schwer. Denn wir sind auf dem besten Weg zur Stadt der Velorowdys. (Basler Zeitung)

Erstellt: 20.06.2017, 16:14 Uhr

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