«Uns längts» – Basler Lädeli machen Druck

Eine Petition fordert, dass sich die Politik für faire Importpreise einsetzt. Besonders der Schweiz-Zuschlag ärgert nicht nur die Konsumenten, sondern auch Ladenbesitzer. Er sorge für überrissene Preise im Inland.

«Leere Stadt»: Manuela Hirt und David Wüest-Rudin fordern mehr politische Hilfe für Geschäfte.

«Leere Stadt»: Manuela Hirt und David Wüest-Rudin fordern mehr politische Hilfe für Geschäfte. Bild: Dominik Plüss

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«Jeden Samstagnachmittag ist die Freie Strasse menschenleer, dafür ist das 8er-Tram nach Weil platschvoll. Da könnte ich heulen», sagt Manuela Hirt. Sie findet nun aber, es sei in den letzten Monaten genug gejammert worden, so die Baselbieterin, die seit zehn Jahren den Kleider- und Schuhladen «Schritt für Schritt» in der Nähe des Aeschenplatzes führt. Stattdessen will sie nun handeln.

Seit die Nationalbank Anfang Jahr den Euro-Mindestkurs aufgehoben und der Einkaufstourismus in der Folge eine neue Dimension erreicht hat, habe sich die Lage zugespitzt. «Bei der Kundschaft brodelt es. Viele sind frustriert. Sie verstehen nicht, warum sie in Basel teilweise das Doppelte zahlen wie im nahen Ausland», sagt Hirt. Immer wieder kriege sie zu hören, dass die Konsumenten in der Schweiz abgezockt würden. «Diese Stimmung führt zu einer Abwanderung ins nahe Ausland.»

Deshalb hat die Inhaberin nun eine Reihe Basler Geschäfte angeschrieben und sich mit dem Grünliberalen Grossrat David Wüest-Rudin politische Unterstützung ins Boot geholt. Dessen Frau führt selber ein kleines Teegeschäft. Rund 30 kleinere und persönlich geführte Basler Geschäfte – von der Garage über den Spielzeugladen bis hin zum Blumengeschäft – haben sich mittlerweile zusammengeschlossen und fordern mit der Petition «Basler Aufruf für faire Importpreise» und auf ihrer Homepage www.uns-laengts.ch die Politik zum Handeln auf. «Wir fühlen uns von der Politik alleine gelassen», sagt Hirt.

«Willkürlicher Schweiz-Zuschlag»

Parallel dazu hat GLP-Grossrat David Wüest-Rudin eine Standesinitiative vorbereitet, die nach den Sommerferien dem Grossen Rat vorgelegt wird. Den gleichen Vorstoss planen seine Parteikollegen auch im Baselbiet. Damit sollen die beiden Basel auch in Bern Druck machen. Denn das Thema Hochpreisinsel steht zurzeit auf Bundesebene ganz oben auf der politischen Traktandenliste. Besonders der sogenannte Schweiz-Zuschlag, den viele Importeure von Schweizer Unternehmen verlangen, wird heiss diskutiert (vgl. Box).

«Diese Schweiz-Zuschläge sind völlig willkürlich, krass missbräuchlich und führen dazu, dass importierte Produkte in der Schweiz zum Teil exorbitant teurer sind als im Ausland», sagt Wüest-Rudin. «Internationale Konzerne schöpfen über ihre weitgehend abgeschotteten Vertriebssysteme die Kaufkraft gezielt ab und halten die Preise künstlich hoch.» Dies führe zu teilweise absurden Situationen. So habe er mit Ladeninhabern gesprochen, die es teilweise billiger kommt, Produkte in Lörrach im Laden zu kaufen als zum Einstandspreis, den ihnen ihre Verteiler anbieten. Insbesondere für Grenzkantone seien die Schweiz-Zuschläge zu einer nicht mehr tolerierbaren Belastung geworden.

«Die Stadt fühlt sich leer an»

Da das Thema wirtschaftlich ziemlich komplex ist, haben Hirt und Wüest-Rudin ihre Petition sehr offen formuliert. «Es ist in erster Linie ein Aufruf, dass wir Hilfe brauchen bei der Frage der Beschaffungspreise», erklärt Manuela Hirt. «Vielen Läden steht das Wasser mittlerweile bis zum Hals.» Neben dem Schweiz-Zuschlag seien deshalb auch staatliche Handelshemmnisse wie etwa Zölle konsequent abzubauen, fordert die Petition. Gleichzeitig wird Unterstützung für die Initiative «Kampf gegen die Hochpreisinsel» des Konsumentenschutzes zugesichert.

Hirt selber ist vom tiefen Euro-Kurs der letzten Monate nur indirekt betroffen. «Ich kaufe meine Ware in Euro ein und kann den Preisvorteil auch weitergeben.» Auch der Schweiz-Zuschlag fällt bei ihr weg, da sie die Schuhe und Kleider selber importiert. Ausserdem könne sie auf einen treuen Kundenstamm zählen. Trotzdem betrifft die aktuelle Lädeli-Krise auch sie: «Wenn sich bei der Kundschaft ein grosser Frust verbreitet, macht mir dies als Ladenbesitzerin Angst», sagt sie. «Die Stadt fühlt sich je länger, je leerer an.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 14.08.2015, 13:50 Uhr

Weitere Angriffe auf den Schweiz-Zuschlag

Es ist ein offenes Geheimnis: Viele Firmen und Grossverteiler verlangen von Schweizer Unternehmen deutlich höhere Einstandspreise als in anderen Ländern. Der sogenannte Schweiz-­Zuschlag ist den hiesigen Detailhändlern und auch dem Gewerbe schon seit Längerem ein Dorn im Auge. Doch bisher scheiterten alle Versuche, den Zuschlag politisch zu beseitigen. Zuletzt lehnte es der Nationalrat vergangenen September bereits zum zweiten Mal ab, eine Revision des ­Kartellgesetzes zu debattieren.

Mittlerweile liegt ein neuer Vorschlag auf dem Tisch. Eingereicht hat ihn der Appenzeller Ständerat Hans Altherr mit einer parlamentarischen Initiative. Konkret geht es um das Kartellgesetz. Künftig sollen die Vorschriften nicht nur für «marktbeherrschende» sondern auch für sogenannt «relativ marktmächtige Unternehmen» gelten. Dies wäre der Fall, wenn andere Unternehmen in der Weise abhängig sind, dass keine ausreichenden und zumutbaren Ausweichmöglichkeiten bestehen. Ein Beispiel sind grosse Marken wie Nivea oder Coca-Cola: Schweizer Detailhändler könnten zwar auf vergleichbare Produkte ausweichen, hätten dann aber einen Nachteil, weil gerade Markenprodukte ein starker Kundenwunsch sind. Mittlerweile wurde die Initiative von den Kommissionen gutgeheissen.

Parallel dazu hat der Konsumentenschutz die Volksinitiative «Kampf gegen die Hochpreisinsel» angekündigt. Auch diese nimmt die hohen Importpreise für Schweizer Unternehmen ins Visier. Bisher wurde die Initiative allerdings noch nicht lanciert. hys

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