«Was sich liebt, das neckt sich»

Elisabeth Ackermanns Rede in Zürich.

Elisabeth Ackermanns Sternstunde. Die Basler Regierungsrätin redet in der Höhle des Löwen.

Elisabeth Ackermanns Sternstunde. Die Basler Regierungsrätin redet in der Höhle des Löwen. Bild: Florian Bärtschiger

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Zum Einmarsch der Basler Delegation zum Auftakt des diesjährigen Sechseläutens trug die Basler Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann ein schwarzes Deuxpièces, entsprechende Strümpfe, Schuhe in der Farbe eines leichten italienischen Rotweins, eine unauffällige Frisur noch diesseits des Grenzbereichs, ein rosafarbenes Foulard und ein Lächeln auf dem Gesicht, das viel länger zu halten schien, als der Böögg wohl brauchen wird, um am Montag zu explodieren.

Die Stimmung unter den Berufsbasler Vertretern der Delegation war wie immer, wenn sie ihr Biotop voller erstickender Schlingpflanzen verlassen und fern der Heimat aufblühen wie begossenes Immergrün; prächtig. Die Basler Laune in Zürich war so ausgezeichnet, dass nichts stark genug war, sie trüben zu können; nicht dieser Zürcher Humor, dem stets das Wesentlichste zu fehlen scheint, also Selbstironie, nicht eine wirklich misslungene Rede der Basler Regierungspräsidentin.

Frau Ackermann hielt die Rede ihres bisherigen Lebens.

Um es auf den Punkt zu bringen mit der Geschwindigkeit, die Zürich innewohnt, oder die es für seine Stellung im Universum für angemessen hält: Frau Ackermann hielt die Rede ihres bisherigen Lebens. Perfekt abgelesen, drei, vier Mal ins Publikum geschaut, keine Ausrutscher, die bei der Basler Delegation für Ausraster hätten sorgen können. Zumindest hielt sie ihre bisher beste Rede, und das mag auch der Grund gewesen sein, dass sie danach noch mehr lächelte als zuvor, was sich ja auch schon umgekehrt verhielt, und vor allem mehr als ihr Zürcher Pendant Corine Mauch, die nie richtig auf Touren kam, was wieder daran liegen könnte, dass sie Orangensaft trank, und Ackermann, von der Last des Vortragens erlöst, Weisswein.

Der Grund, weshalb Frau Ackermann für einmal als Rednerin positiv von sich reden machte, mag dran gelegen haben, dass ihre knapp zehnminütige Rede kongenial zu ihrer Persönlichkeit und ihrem Karma passte. Sie war also nicht spektakulär, und sie war nicht wirklich humorvoll, aber sie war wie dieses scheue und zurückhaltende Rosa ihres Foulards, das die Farbe eines Rosenblattes hatte, dessen Schicksal es war, nicht den allerbesten Platz an der Sonne zu haben, das sich aber doch entschlossen hatte, ein wenig zu blühen.

Es war dann nicht so, dass man sich hätte fremdschämen müssen

Um ehrlich zu sein, muss man erwähnen, dass seitens der anwesenden Berufsbasler doch Befürchtungen waren, die Rede könnte sein wie ein Böögg, der nicht brennt und darüber hinaus zu Boden stürzt, die totale Katastrophe also. Aber es war dann nicht so, dass man sich hätte fremdschämen müssen und die anwesenden Zürcher Zünftler den Eindruck bekamen, dass eine Stadt, die solch eine Frau wählt, sich nicht wundern muss, wenn sie an Bedeutung verliert.

Die eigentliche Rede im Zunfthaus zur Schmiden begann mit dem Satz: «Was sich liebt, das neckt sich.» Das ist natürlich Poesiealbum-Stil, aber es braucht schon Mut, eine Rede als Vertreterin Basels in Zürich mit solch einer Plattitüde zu beginnen. Leider folgte dann der Satz, dass niemand sagen könne, warum und seit wann die beiden Städte sich gegenseitig necken – was natürlich Unsinn ist, weil man zumindest das Warum festmachen kann –, und nicht der zweite Teil der Volksweisheit, dass, was sich liebt, sich auch schlägt, was in Bezug auf die viel mehr von Basel ausgehende Animosität ungeahnte rhetorische Möglichkeiten für ein paar kleine und wohlsitzende Sticheleien gegen dieses seine Überheblichkeit gerne zur Schau stellende Zürich offeriert hätte.

Wir Basler mögen Zürich ja nicht, weil wir uns, als ehemalige Nummer 1 der Schweiz bis circa nach dem Zweiten Weltkrieg, mit dem Sein als Nummer 2 nicht abfinden können und, kleinlich wie wir auch sein können, jemand anderem die Schuld dafür zuschieben müssen, also Zürich, das ja die Nummer 2 war, als wir die Nummer 1 waren. Frau Ackermann sprach davon, dass die beiden Städte in ihrer «Was sich liebt, das neckt sich»-Beziehung sich gegenseitig ein Beschleuniger gewesen seien, aber das ist natürlich Unfug, wie die Wirklichkeit zeigt, weil Basel immer langsamer und Zürich immer schneller wird; hier Kiesweg, da Überholspur.

Die Gäste waren von zurückhaltender Erfreutheit

Sie sprach auch davon, dass die beiden Städte wie sich neckende Cousinen seien, die wie zwei goldige Äpfel am selben Stammbaum hingen, der tief verwurzelt im guten Boden der Geschichte sei und so weiter. Aber so in der Realität verhält sich das dann ja doch eher wie mit den Rosen, die von der Sonne beschienen werden und den andern Schatten spenden. Im Grunde sind wir Basler inzwischen ein Mauerblümchen, das sich bloss noch für die beste Rose der Welt hält.

Das alles könnte man monieren. Da und dort sagten Zürcher, dass die Rede nicht so «lässe» gewesen sei, ein bisschen formal und brav und halt nicht so wirklich «witzig», aber das eben alles nicht zu sein, war eine kluge Entscheidung von Frau Ackermann, weil sie diese Attribute nicht wirklich verkörpert.

Dennoch waren die vielleicht 300 Gäste im Zunftsaal von zurückhaltender Erfreutheit über die Rede Ackermanns, und zwar, weil sie eben mit einem Lächeln und so flüssig, wie die Limmat unweit floss, vorgetragen wurde und mitgetragen auch von diesen Riesling-Silvaner-das-ist doch-nett-hier-Wellen, die die Basler Delegation inzwischen zusehends freudig surfte. (Basler Zeitung)

Erstellt: 14.04.2018, 08:31 Uhr

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