Weihnachten in Coca-Cola-City

Die Weihnachtsgeschichte spielt in diesen Tagen nur noch eine Nebenrolle. Sie ist lästiger Bestandteil einer hektischen Eventgesellschaft geworden.

Posieren vor dem roten Weihnachtstruck auf dem Basler Marktplatz.

Posieren vor dem roten Weihnachtstruck auf dem Basler Marktplatz. Bild: Pino Covino

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Kennt jemand noch Lukas und Matthäus? Nein. Nicht die Kicker Lukas Podolski und Lothar Matthäus. Gemeint sind die Autoren der biblischen Evangelien über das Leben Jesu.

«Es begab sich zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zu der Zeit, da Cyrenius Landpfleger von Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen liesse, ein jeglicher in seine Stadt.

Und da machte sich auch Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heisst Bethlehem, darum dass er von dem Hause und Geschlechte Davids war, auf dass er sich schätzen liesse mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die ward schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, da sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.» (Lukas 2, 1-7)

Der Santiglaus ist neuerdings aus Amerika

Die Weihnachtsgeschichte spielt in diesen Tagen nur noch eine Nebenrolle. Sie ist lästiger Bestandteil einer hektischen Eventgesellschaft geworden, in der, wie ich immer gebetsmühlenhaft zur gleichen Jahreszeit beklage, der traditionelle Festkalender längst dem Götzen Konsum geopfert worden ist. Der Santiglaus reist bereits im Spätherbst an, aus den USA, nicht mehr aus dem Schwarzwald, der Weihnachtsrummel startet Ende September, Frau Fasnacht pfeift und trommelt fast täglich und gleich nach Jahreswechsel wackeln schon die Osterhasen mit den Schoggiohren.

Gegen diese Entwicklung gibt es keinen nennenswerten Widerstand. Die Kirchen haben offensichtlich resigniert und die politischen Parteien, die ja neuerdings sogar eine «Wertedebatte» führen wollen, schweigen dazu in allen Landessprachen. Wähler sind eben auch nur Konsumenten, denen man die gute Kauflaune nicht verderben darf. Wer allerdings die naive Hoffnung hegte, der Tiefpunkt der Banalisierung und Verramschung des christlichen Festes sei schon erreicht, erlebte bei der Lektüre einer Medienmitteilung des Präsidialdepartements eine böse Überraschung: «Dieses Jahr werden die Baslerinnen und Basler auf eine ganz besondere Art auf die kommenden Festtage eingestimmt. Am 19. Dezember 2016 macht der Coca-Cola-Weihnachtstruck aus dem USA halt auf dem Basler Stadtmarkt am Marktplatz. Der hell erleuchtete US-Truck hat für Gross und Klein haufenweise Überraschungen im Gepäck.»

Peinlicher Marketing-Gag

Man könne, so staunen wir weiter, auch Santa Claus kennenlernen und mit ihm für ein Erinnerungsfoto posieren. Zudem biete ein ­spezieller «Selfi-Tower» die Möglichkeit, ein Selfie mit dem Weihnachtstruck zu schiessen. Die BaZ würdigte den peinlichen Marketing-Gag mit einer farbenfrohen, halben Seite.

Die Talfahrt geht munter weiter. Letztes Jahr startete der Versuchsballon von Basel Tourismus mit der Idee «Sonntagsshopping», diesmal reiste der Truck aus Übersee an. Und nächstes Jahr?

Selfie mit dem Jesuskind

Auf Einladung der neuen Regierungspräsidentin erscheint 2017 das Christkind persönlich. Es fliegt auf einer weissen Wolke ein. Gesponsert von Nutella, begleitet von singenden Engeln und einem Truck voll toller Geschenke. Guy Morin spielt auf der Orgel. Selbstverständlich winkt die einmalige Chance, ein Selfie mit dem Jesuskind zu knipsen. Nur Gottvater hat seine Teilnahme an dem Ereignis noch nicht definitiv zugesagt. Zum K....n soll man nicht schreiben. Aber richtig ärgern darf man sich schon noch. (Basler Zeitung)

Erstellt: 22.12.2016, 10:53 Uhr

Artikel zum Thema

Basel feiert Silvester mit Feuerwerk und Gratis-Glühwein

Die Stadt Basel feiert das neue Jahr erneut mit einem Feuerwerk über dem Rhein. Mehr...

Süsser die Kassen nie klingeln

Weihnachten im Juni: Bilanz einer Art-Basel-Woche, die von den Galeristen als sehr erfolgreich bezeichnet wird. Mehr...

Weihnachten hinter Gittern

Weihnachten ist für die meisten Häftlinge eine sehr schwierige Zeit. Im Waaghof wird die Sporthalle zum Gottesdienstraum. Mehr...

Das Immobilien-Portal für Basel und die Region

Kommentare

Die Welt in Bildern

Waagrechtstart: An den Festlichkeiten des St. Juliantag in Malta, springt ein Wettkämpfer von einem rutschigen Pfahl und schnappt sich die Fahne über dem Wasser. (20.August 2017)
(Bild: Darrin Zammit Lupi ) Mehr...