Die Uni braucht kein Separatkässeli

Zum politischen Versuch, die Universitätsstrategie nachzubessern.

Mit 10 Millionen Franken jährlich lassen sich allenfalls Assistenzprofessuren auf Zeit finanzieren.

Mit 10 Millionen Franken jährlich lassen sich allenfalls Assistenzprofessuren auf Zeit finanzieren. Bild: Keystone

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Der Vorschlag ist gut gemeint, aber weder nachhaltig noch zielführend: Der Basler Grossrat Jürg Stöcklin möchte in den nächsten zehn Jahren einen Staatsfonds von 100 Millionen Franken aufbauen und damit der Universität Basel 20 zusätzliche Professoren für noch nicht definierte Fachgebiete finanzieren. Es mag sein, dass sich mit einem solchen Vorschlag in Basel-Stadt politische Lorbeeren abholen lassen, doch umsetzbar ist der Vorschlag kaum: Selbst wenn die Steuergelder tatsächlich, wie politisch verlangt, lockergemacht werden können, lassen sich mit 10 Millionen Franken jährlich allenfalls Assistenzprofessuren auf Zeit finanzieren.

Renommierte Wissenschaftler lassen sich nicht auf ein Abenteuer auf Zeit ein – dies bestätigen alle zu dieser Frage konsultierten Fachpersonen. Es muss wohl davon ausgegangen werden, dass der Universitätsrat schon vorab höflich auf das vorgeschlagene Geschenk verzichten wird, zumal das Geld ohnehin der gleichen Kasse wie die Trägerbeiträge des Kantons Basel-Stadt entnommen würde.

Die politischen Aktion zugunsten des Separatkässelis fällt mit der gegenwärtigen Auseinandersetzung um den Lehrstuhl für Germanistische Mediävistik zusammen. Die Philosophisch-Historische Fakultät muss auf die Wiederbesetzung des Lehrstuhls vorläufig verzichten. Dafür ist die Universitäts-leitung kritisiert worden.

Doch der universitäre Wissenschaftsbetrieb ist eine langfristige Angelegenheit. Für wissenschaftlich wertvolle Arbeit braucht es jeweils Jahre. Die Universitätsleitung hat deshalb nur wenige Gelegenheiten, die Ausrichtung der Hochschule tatsächlich langfristig zu steuern. Eine solche Gelegenheit ist die Vakanz einer Professur. Es liegt entsprechend auf der Hand, dass jeweils strategische Überlegungen der Wiederbesetzung eines Lehrstuhls vorausgehen.

Die Regierungen der beiden Trägerkantone haben im Dezember eine bikantonale Eigentümerstrategie verabschiedet, die für die Universitätsleitung verbindlich ist. Dort heisst es: «Im Bereich Forschung konsolidiert die Universität ihre Position im internationalen Spitzenfeld. Sie fokussiert sich dabei auf thematische Schwerpunkte gemäss ihrer Strategie.» Diese Leitlinie ist realistisch, stagniert doch auch der Globalbeitrag, den die Trägerkantone der Universität für die vier Jahre der aktuellen Leistungsperiode zur Verfügung stellen.

Will die Universitätsleitung die thematischen Schwerpunkte dennoch ausbauen, muss sie, wenn sie nicht Drittgelder akquirieren kann, sich auch überlegen, ob sich die Universität abseits dieser Schwerpunkte bescheiden will. Auch bei Anerkennung der wissenschaftlichen Arbeit der Mittelalter-Germanistik muss angemerkt werden, dass es sich dabei nicht um einen Schwerpunkt der universitären Forschung in Basel handelt.

Mit der Besetzung eines Lehrstuhls setzt die Universität jeweils eine Entwicklung in Gang, für die es Jahre braucht, bis sie sich wissenschaftlich auszahlt – und die auch namhafte Mittel während einer längeren Periode bindet. Auf diese Weise können auch Schwerpunkte gesetzt und Entwicklungen gezielt gestärkt werden. Der langsame Tanker Universität kann auf diesem Weg strategisch gesteuert, sein Kurs noch etwas stärker in Richtung der Life Sciences oder anderer Schwerpunkte ausgerichtet werden.

Immerhin ist der Universität bereits ein veritabler Coup zur Stärkung ihrer Strategie gelungen. Zusammen mit Novartis konnte ein neues, assoziiertes Institut für Augenheilkunde gegründet werden, das massgeblich mit Drittmitteln finanziert wird.

Der Beginn einer neuen Leistungsperiode ist nicht der richtige Zeitpunkt, um politische Korrekturen am aktuellen Kurs der Universität anzubringen. Die Universität erstellt zurzeit gemäss den Vorgaben der Regierung unter Leitung des designierten neuen Universitätsrats-Präsidenten eine neue Strategie für die Zukunft. Dass dabei die Hochschule nicht auf Dauer stagnieren kann, liegt auf der Hand. Doch dem künftigen Kurs sollten breit angestellte strategische Überlegungen zugrunde liegen und nicht kurzfristiger, tagespolitischer Aktivismus.

Die Politik hat zurzeit eine andere Hausaufgabe zu erledigen: Die Regierungen sind herausgefordert, im Hinblick auf die Leistungsperiode 2022 2025 einen neuen Staatsvertrag zwischen den beiden Trägerkantonen auszuarbeiten, der die zukünftige Finanzierung sichert.

Dabei müssen insbesondere ein neuer, dynamischer Finanzierungsschlüssel für die beiden Kantone definiert und die Fragen rund um die Immobilienstrategie und die Standortvorteile geklärt werden. Dabei wäre es von Vorteil, dass sich der neue Universitätsvertrag an der wirtschaftlichen Entwicklung der Trägerkantone orientiert. Universitäres Wachstum sollte parallel zum konjunkturellen Wachstum erfolgen. Ein Separatkässeli für einen Staatsfonds hilft dabei nicht weiter. Damit würden der Finanzierungsschlüssel unterlaufen und finanzielle Mittel ausserhalb strategischer Grundsätze gebunden.

Umfrage

Grossrat Jürg Stöcklin möchte in zehn Jahren 100 Millionen Franken für 20 zusätzliche Professoren. Braucht es zur Finanzierung der Uni Basel einen Staatsfonds?

Ja

 
26.5%

Nein

 
73.5%

805 Stimmen


(Basler Zeitung)

Erstellt: 02.02.2018, 07:22 Uhr

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