Auf neuen Direktor warten schwere Aufgaben

Mathias Gantenbein gibt seinen Direktorenposten auf und wechselt zu einer Unterhaltsfirma. Er glaube an die Zukunft der Regionalflughäfen, sagt Gantenbein.

Abschied vom Flughafen: Nach gut drei Jahre gibt Mathias Gantenbein den Direktorenposten auf.

Abschied vom Flughafen: Nach gut drei Jahre gibt Mathias Gantenbein den Direktorenposten auf. Bild: Franziska Rothenbühler

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Wenn nach dem Konkurs der Fluggesellschaft Skywork jetzt auch der Flughafendirektor den Hut nimmt, ist der Spruch unvermeidlich: Die Ratten verlassen das sinkende Schiff. Mathias Gantenbein will dies nicht so stehen lassen: Nicht er habe eine neue Stelle gesucht, sondern der neue Posten habe ihn gefunden. Sein Chef, Verwaltungsratspräsident Beat Brechbühl, präzisiert, dass ein Headhunter an Gantenbein herangetreten sei. Brechbühl verhehlt nicht, dass er sich den Abgang des Direktors in dieser schwierigen Lage nicht gewünscht hat. Aus Gantenbeins Sicht und im Hinblick auf dessen Karriereplanung sei dies aber nachvollziehbar: «Er hat mit der neuen Stelle eine Chance erhalten und diese gepackt.»

Ist mit der Regionalfliegerei kein Blumentopf zu gewinnen? Gantenbein sagt, Regionalflughäfen seien Teil der schweizerischen Luftfahrt. «Sie haben eine Zukunft», und auf den neuen Direktor warte eine «vielfältige und spannende Aufgabe». Brechbühl macht klar, dass selbstverständlich ein neuer Direktor gesucht werde, auch wenn man derzeit mit Vizedirektor Martin Leibundgut über eine gute Interimslösung verfüge.

Nische für Regionalflüge

Für Regionalflughäfen sieht Brechbühl eine Nische, da auf den grossen Drehkreuzen ein Gedränge herrsche und Slots Mangelware seien. «Ich bin überzeugt, dass der Flughafen Bern einem Bedürfnis entspricht.» Flüge für die Bundesverwaltung gebe es weiterhin, ebenso die Flugbewegungen der Rega, und die Business-Fliegerei werde immer wichtiger. Schon 2019 seien wieder Ferienflüge ab Bern möglich, hofft Brechbühl. Man arbeite intensiv daran, dass es spätestens 2020 wieder ein Angebot ab Bern gebe.

Gantenbeins Abgang bedeutet für Brechbühl einen weiteren Rückschlag – nach dem Konkurs des Homebase-Carriers Skywork. Würde er am liebsten ebenfalls aufhören? Der Verwaltungsratspräsident sagt, er habe seine Pflicht zwar schon viele Jahre getan, «aber im jetzigen Zeitpunkt denke ich nicht daran, den Bettel auch noch hinzuwerfen».

ISS putzt auch Flugzeuge

Der 40-jährige Gantenbein versah den Posten während über drei Jahren. Bis zu seinem Abgang Ende Februar werde er sich wie bisher voll einbringen, sagt er. Der promovierte Wirtschaftswissenschafter, der zeitweise für die eidgenössische Flugaufsichtsbehörde Bazl tätig war, wird per 1. März 2019 Managing Director und Mitglied der Geschäftsleitung bei ISS, zuständig für Nordwestschweiz, Espace Mittelland, Zentralschweiz und Tessin. Die Firma ist im Facility Management tätig, beschäftigt 4400 Mitarbeiter und erzielt einen Umsatz von 155 Millionen Franken. Die Unterhaltsfirma ist auch in der Kabinenreinigung für Flugzeuge tätig, insofern bleibt Gantenbein der Aviatik erhalten.

SP: Lärm lieber anderswo

Die SP Stadt Bern nimmt Gantenbeins Abgang zum Anlass, eine Neuausrichtung des Flughafens zu fordern. Die zahlreichen Fluggesellschaften, die wie Skywork gescheitert seien, machten deutlich, dass für Linien- und Charterangebote ab Bern «keine ausreichende Nachfrage» bestehe, Aviatik-Arbeitsplätze seien oft unterbezahlt und unsicher. Das «Mösli» solle sich auf zivile Bundesflüge konzentrieren und als Basis für Rettungseinsätze profilieren. Der Hauptbahnhof sei Berns «Hub», mit dem Bevölkerung und Touristen rasch und bequem von und nach Bern gelangten. Die Anschlüsse zu den Landesflughäfen Basel, Genf und Zürich seien gut, schreibt die SP. Weniger Fliegerei bedeute mehr Sicherheit und Lebensqualität – und weniger Fluglärm für Bern. (Der Bund)

Erstellt: 09.11.2018, 11:20 Uhr

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