Der Widerstand der Artilleristen

Die Armee will stationäre Minenwerfer zurückbauen, die erst vor Kurzem modernisiert wurden. Dagegen laufen die Offziere Sturm.

Die mobile Lösung. Verteidigungsminister Guy Parmelin brachte den von seinem Vorgänger Ueli Maurer aufgegleisten Kauf des Mörser 16 durch das Parlament.

Die mobile Lösung. Verteidigungsminister Guy Parmelin brachte den von seinem Vorgänger Ueli Maurer aufgegleisten Kauf des Mörser 16 durch das Parlament. Bild: Keystone

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Für eine Abfallgebühr von 25 Millionen Franken, die vorab Bauunternehmen zugute kommt, wollen Armeespitze und Verteidigungsdepartement Hunderte dezentralisierte und moderne Waffensysteme der Artillerie vernichten. Ersatz für die Unterstützung des nach wie vor bestehenden Verteidigungsauftrags der Infanterie sollen ab dem Jahr 2023 gut 30 Mowag-Piranha leisten, die mit einem Minenwerfer (Mörser 16) ausgerüstet werden. Was die Feuerkraft dieser leicht gepanzerten Fahrzeuge betrifft, gleicht diese einem Klacks zu den bestehenden Anlagen, die nun abgebaut werden sollen.

Gegen diese Vernichtungsaktion defensiver Kampfkraft, die den Aufrüstungsbestrebungen von Grossmächten, Nachbarländern und anderen europäischen Staaten diametral entgegenläuft, regt sich Widerstand. Dieser kommt aus den Reihen der Schweizerischen Offiziersgesellschaft der Artillerie (Sogart) und von erfahrenen Offizieren. Sie wollen im letzten Moment verhindern, dass der Nationalrat nächste Woche den teuren Rückbau der bis noch vor wenigen Jahren vorangetriebenen Modernisierung der ortsfesten, gut geschützten Artillerie beschliesst. Das Parlament beschäftigt sich nämlich im Rahmen der Armeebotschaft 18 in der kommenden Woche mit der «Ausserdienststellung bestehender Waffensysteme». Das Mittel des Widertands: Ein scharfer Brief an sämtliche Nationalrätinnen und Nationalräte.

«Nachhaltige Unterstützung»

In ihrem Brief an die Nationalratsmitglieder bitten Generalstabsoberst a. D. Bernhard Stadlin und der Zuger Rechtsanwalt und militärpublizistisch aktive Rudolf P. Schaub darum, die Vernichtungsaktion zu verhindern. Die 12-Zentimeter-Festungsminenwerfer seien auch in der weiterentwickelten Armee keineswegs ein – wie vom Verteidigungsdepartement dargestellt – taktisch-technisch veraltetes Waffensystem, sondern vielmehr ein äusserst nützliches und schlagkräftiges. «Aufgrund ihrer klug gewählten Standorte in der ganzen Schweiz können die Minenwerfer die Infanteriebataillone, die gemäss Botschaft zur Weiterentwicklung der Armee Achsen sperren und Schlüsselgelände halten müssen, nachhaltig unterstützen.» Sie bildeten eine Ergänzung zu den in nur geringer Zahl (32) bestellten 12-Zentimeter-Mörser-Radpanzern, die beweglich an unerwarteten Brennpunkten einsetzbar sein werden. Zudem könne mit beiden Systemen vorhandene moderne Munition verschossen werden. Es handelt sich dabei um selbstsuchende, sogenannte «intelligente» Geschosse.

Von Kritik wird auch die Armeeführung nicht verschont. «Besonders bedenklich ist, dass die zahlreichen Mitglieder der Armeeführung schweigen und vor einer weiteren Entwaffnung unseres Landes nicht warnen.» Beim Glauben, für die Schweiz sei der ewige Friede angebrochen, handle es sich um eine naive Vorstellung, die im Widerspruch zu historischen Erfahrungen stehe und grauenhafte Folgen haben könne, heisst es im Brief.

Geringe Einsparung

In einem Fachartikel in der Zeitschrift der Schweizerischen Offiziersgesellschaft wählt auch der Präsident der Gesellschaft der Artillerieoffiziere deutliche Worte. Bis ins Jahr 2003 seien entlang der Hauptachsen und der Landesgrenze ungefähr 100 Festungsminenwerfer «Monoblocks» für rund eine Milliarde gebaut worden. «Damit werden die Kampftruppen in ihren Räumen mit Artilleriefeuer unterstützt.» Und weiter schreibt Sogart-Präsident, Oberst Markus Oetterli, die bezüglich Schutz, Präzision und Reichweite modernen und funktionsfähigen Minenwerfer seien aufgrund der steilen Flugbahn der Geschosse punktgenau auch für den Kampf im überbauten Gelände geeignet.

Die Erhaltung der stationären Minenwerfer macht für den Präsidenten der Artillerie-Offiziersvereinigung auch finanztechnisch Sinn. Die geplanten Einsparungen beim Betriebsaufwand von gerade einmal 1,5 Millionen Franken seien gegenüber der untersuchten Variante «tiefe Bereitschaft» im Vergleich zum Armeebudget klein. «Ausserdem verursache auch die Ausserdienststellung Investitionskosten beziehungsweise Entsorgungsgebühren von 25 Millionen» – zur Vernichtung eines Anlagewerts von rund einer Milliarde Franken.

Oetterli widerspricht auch dem Argument aus dem Verteidigungsdepartement, es gebe gar keine Soldaten mehr, die die Festungsminenwerfer einsetzen könnten. Bei der artilleristischen Feuerführung und Feuerleitung gälten dieselben Einsatzverfahren wie bei der mobilen Artillerie, sagt Oetterli. Das nötige Fachwissen werde auch in jenen Artillerieabteilungen vorhanden sein, die nach der Weiterentwicklung der Armee (WEA) noch weiter bestehen bleiben.

Ob der Nationalrat solchen Argumenten folgen wird, erscheint fraglich. Denn die vorberatende Sicherheitspolitische Kommission des Nationalrats hat der Vernichtungsaktion im Gegenwert von einer Milliarde Franken bereits zugestimmt. (Basler Zeitung)

Erstellt: 08.09.2018, 10:02 Uhr

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