«Für Rafael Nadal bleiben nur Superlative übrig»

Roger Federer über Rasen und Rivalen, Auszeiten und Ausrüster – sowie den Sprung ins Danach.

«Keinesfalls möchte ich nun eine Serie von drei Niederlagen.» Roger Federer hat seine beiden letzten Partien vor dem Rasenturnier von Stuttgart verloren – Favorit ist er trotzdem.

«Keinesfalls möchte ich nun eine Serie von drei Niederlagen.» Roger Federer hat seine beiden letzten Partien vor dem Rasenturnier von Stuttgart verloren – Favorit ist er trotzdem. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Roger Federer, Sie kehren in Stuttgart nach zweieinhalb Monaten Pause zurück auf die Tour – sind Sie bereit?
Ich freue mich. Aber es ist auch ein bisschen speziell, weil die Nummer 1 im Raum steht. Viele Wochen im Jahr spricht man nicht darüber, weil der Fall an der Spitze klar ist. Nun ist es eng und insofern eine Extramotivation – wenn auch nicht zu Beginn des Turniers. Ich war mehrere Monate weg und muss zuerst kleinere Brötchen backen.

Was verbinden Sie mit Stuttgart?
Die Matches hier sind immer sehr eng. Ich habe immer das Gefühl, dass es keine lockeren Partien gibt – auch wenn es schön wäre. Dennoch habe ich hier stets eine gute Zeit, deshalb bin wieder hier – obwohl der Erfolg ausgeblieben ist. Vor zwei Jahren war ich angeschlagen, letztes Jahr verlor ich in Runde 1 gegen Tommy Haas. Dafür habe ich danach keinen Satz mehr in der Rasensaison verloren, das war sehr zufriedenstellend. Also bin ich wieder topmotiviert, ich habe ja eine Weile nicht mehr gespielt. Und keinesfalls möchte ich nach zuletzt zwei Pleiten in Folge nun eine Serie von 0:3 Niederlagen.

Wie lautet Ihr Fahrplan für diese Woche?
Im Vorfeld dachte ich mir: Klar, ich möchte das Turnier gewinnen. Aber dann kam die Auslosung und habe ich gesehen, wie stark das Feld ist. Von der Euphorie ging ich dann zurück zum Realistischen – aber das ist bei mir meistens der Fall, wenn das Tableau feststeht. Ich hoffe jetzt auf einen guten Start und dann schauen wir mal. Garantien gibts keine.

Wie sind die Verhältnisse?
Der Platz ist super, besser noch als letztes Jahr. Er hat mich sehr an Wimbledon erinnert. Darum habe ich schon das Gefühl, dass ich hier sehr gutes Tennis zeigen kann.

Ab Mittwoch gilts ernst …
Es wird eine happige Aufgabe, ein Kaltstart. Ich muss schnell gut spielen, das ist nicht so einfach. Ich muss sagen: Ich fühle mich gut, habe wunderbar trainiert, auch hier auf Rasen.

Sie haben gesagt, der Kampf um die Nummer 1 mit Rafael Nadal sei eine Extramotivation für Sie. Wie schätzen Sie seine Leistungen ein?
Als unglaublich! Für Rafael Nadal bleiben nur Superlative übrig. Überhaupt ein Turnier elfmal zu gewinnen, ist ja schon fast undenkbar. Er machts an einem Grand Slam, und es sieht noch locker aus. Vom Final habe ich praktisch nichts gesehen, weil ich am Sonntag angereist bin und gleich trainiert habe. Das muss ich aber auch nicht, um zu wissen, wie stark er ist. Er hätte diesen Sieg ja nicht mehr gebraucht, aber er wiederholt ihn – mit der Souveränität eines Champions. Da können wir uns alle nur verneigen.

Wäre es auch deswegen nicht besonders schmackhaft für Sie, Nadal auf Sand nochmals zu schlagen?
Für mich bleibt der Wimbledon-Sieg das Nonplusultra. Ich würde diesen immer allem vorziehen.

Haben Sie darum auf die Sandplatzsaison verzichtet?
Da geht es um viel mehr als nur um die Direktbegegnung mit Rafa, geht es um die Gesundheit, um die Freude am Tennis. Ich habe auch noch vier Kinder, das vergessen viele. Bei mir ist immer viel los. Da brauche ich manchmal meine Ruhe. Und die Pausen nach der Verletzung und letztes Jahr während der Sandplatzzeit haben mir sehr gut getan. Ich bin auch nicht mehr 23, darum ist das für mich wichtiger als eine French-Open-Schlacht mit Rafa. Aber klar, die hätte ich auch gerne wieder einmal. Wer weiss, das kommt vielleicht im nächsten Jahr, oder später. Eine Idee werde ich im Herbst haben. Es ist ja nicht so, dass ich noch nie gegen ihn auf Sand gespielt hätte, nicht wahr?

Was gab denn konkret den Ausschlag, wieder nicht auf der roten Asche anzutreten?
Ich wollte früh Klarheit haben, damit ich gut planen kann. Darum wollte ich mit dem Entscheid nicht mehr warten und schon nach Miami entscheiden. Letztes Jahr wars ja ganz anders, wollte ich das French Open spielen. Je länger ich mich nach den Siegen in Australian, Indian Wells und Miami dann vorbereitete, desto mehr hatte ich nach den Problemen im 2016 das Gefühl, dass mit wenig Turnieren in den Beinen nicht wirklich viel möglich ist. Und nur dabei sein finde ich auch nicht so witzig.

Hat sich das gelohnt?
Das Gute beim Warten ist: Du kannst nicht planen. Wenn du dich entscheidest, hast du nichts anderes als Training und ein paar Verpflichtungen auf dem Programm. Das Gute beim Planen ist: Du kannst viele Dinge erledigen – und das habe ich gemacht. Ich hatte wunderschöne Ferien, konnte trainieren, hatte keine Rückschläge. Aber was ich sagen muss: Es ist für mich immer noch ein bisschen seltsam, ein Grand-Slam-Turnier auszulassen, obschon ich eigentlich bereit gewesen wäre. Denn ich war mein Leben lang immer derjenige, der gespielt hat. Und auf einmal bin ich es, der solche taktischen Entscheide fällt. Das hat natürlich alles mit der Knieverletzung zu tun. Vorher habe ich immer gedacht: Komm, ein Turnier geht noch, und dann noch eins.

Wie haben Sie sich in den letzten Wochen auf die Rasensaison vorbereitet?
Sicher mal mehr Tennis gespielt als Kondition gemacht. Das ging alles wunderbar. Gleich nach Miami war ich in den Ferien, danach kam der erste Aufbaublock. Dann war ich für die Stiftung in Afrika, hatte nochmals eine Woche frei und seit einem knappen Monat trainierte ich in der Schweiz oder in Dubai. Mit den Coaches und dem ganzen Team hat sich das sehr gut ergeben, auch mit dem Wetter hatten wir Glück. Ich bin sehr zufrieden, fühle mich frisch.

Wie sehr gehen Ihre Gedanken schon in Richtung Wimbledon?
Ich merke einfach, dass wir viel mehr Zeit haben. Für die alte Generation, zu der ich mich zähle, gings von Paris direkt nach Halle und dann nach London. Das war sehr hektisch. Bist du heute angeschlagen, hast du immer noch Zeit, um dich zu erholen. Was wundervoll sein wird: Wenn du als Titelverteidiger nach Wimbledon kommst, darfst du am Montag das Turnier eröffnen. Das ist fantastisch.

Wird Rafael Nadal auch in Wimbledon ihr stärkster Konkurrent sein?
Davon gehe ich aus – ohne mir jetzt gross überlegt zu haben, wer sonst noch Favorit sein könnte. Er hat auch schon zweimal in Wimbledon gewinnen können. Und wer das schafft, tut das nicht zufällig. Wir hatten ja eines der dramatischsten Spiele vor zehn Jahren und seither ist er immer besser geworden. Mittlerweile spielt er aggressiver, offensiver und ist darum besser auf schnelleren Belägen. Er ist ja bei Weitem nicht nur der Sandplatzkönig. Immer wenn er in Paris gewonnen hat, wird nur über Sand gesprochen – aber er ist ja viel mehr als das. Darum ja: Er wird sicher ein Favorit sein.

Wer sonst noch?
Da gibt es viele: Cilic, Del Potro und wie sie alle heissen – ich hoffe, niemanden zu vergessen. Ich hoffe auch, dass Djokovic und Stan Wawrinka wieder stark zurückkommen – und Murray natürlich auch.

Was trauen Sie in Wimbledon der deutschen Nummer 1 Alexander Zverev zu?
Sehen Sie, schon habe ich einen vergessen. Ich erwarte viel von ihm. Er hat schon gezeigt, wie gut er auf Rasen spielen kann. Mit seinem guten Aufschlag und seinem Return liegt auf diesem Belag immer etwas drin.

Am Wochenende gab es Gerüchte, dass bei Ihnen ein Wechsel des Ausrüsters ansteht, von Nike zu Uniqlo. Was können Sie dazu sagen?
Das sind Gerüchte. Aber was ich bestätigen kann: Mein Vertrag mit Nike ist im März ausgelaufen und jetzt laufen Verhandlungen. Das gehört in diesem Geschäft einfach dazu, auch wenn es nicht immer nur angenehm ist. Wenn es in dieser Sache etwas Neues gibt, werde ich euch natürlich als Allererste informieren – ist ja klar (schmunzelt).

Die Interpretation liegt nahe, dass Sie sich auch im Leben nach der Karriere sehr gut zurechtfinden werden. Was treibt Sie dennoch an, weiterzuspielen? Sie haben ja selbst gesagt, dass Sie sich nichts mehr beweisen müssten.
Es ist wirklich die Freude am Spiel, an den Matches. Das ist das Wichtigste. Ganz selten habe ich auch Spass, ohne die Familie wegzugehen. Klar gehört da auch das Gefühl des Gewinnens dazu oder jenes, wenn du vor vielen Zuschauern spielst, wenn du sie hörst und sie Freude an dir haben.

Und die Jagd nach den Rekorden?
Auch das kann reizvoll sein, wie gerade hier in Stuttgart: Nochmals die Nummer 1 zu werden, nochmals diese Marke ein bisschen hochschrauben. Solange meine Frau und meine Kinder damit einverstanden sind – die Kinder reisen gerne und meine Frau stand ja schon immer voll hinter mir –, macht alles so viel Freude. Aber klar: Das Ende ist näher als je zuvor, das ist normal, auch wenn ich nicht weiss, wann es kommt. Ich habe aber das Gefühl, dass das Leben danach ein ziemlich interessantes sein wird, witzig und lustig auch – vor allem mit den Kindern. Auch wenn klar ist, dass es – je älter sie werden – auch ernster wird. Zum Beispiel mit der Schule. Ich freue mich drauf und bin gleichzeitig auch ein wenig gespannt. Ich glaube aber, dass der Sprung ins Danach für mich ganz okay sein wird. (Basler Zeitung)

Erstellt: 12.06.2018, 08:34 Uhr

Service

Agenda

Alle Events im Überblick.

Kommentare

Blogs

Von Kopf bis Fuss «Ciao, Bella»
Geldblog Warum Immobilien im Ausland riskanter sind

Die Welt in Bildern

Höhenflug: Im Vorfeld der Viehauktion in der schottischen Stadt Lairg springt ein Schaf über andere Schafe der Herde. Die Auktion in Lairg ist eine der grössten europaweit mit bis zu 15'000 Schafen. (14.August)
(Bild: Jeff J Mitchell/Getty Images) Mehr...