So will Apple den Computer in die Zukunft führen

Der Konzern hat in New York neue Profi-Tablets und Alltags-Laptops vorgestellt. Ein Überblick.

Apple präsentiert neues Mac Book Air und iPad Pro. (30. Oktober 2018) Video: AFP/Apple

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«Was ist ein Computer?», fragte eine iPad-Werbung kürzlich plakativ. Die Marketingprofis aus Cupertino spielten dabei darauf an, dass das 2010 lancierte Tablet inzwischen weit mehr als ein Konsumationsgerät oder ein zu gross geratenes iPhone ist. Doch was ist ein Computer wirklich? Die Frage zog sich wie ein roter Faden durch die Präsentation, die diese Zeitung auf Einladung besuchte. Eine deutliche Antwort blieb Apple jedoch schuldig. Müsste man Apples Position und Strategie zusammenfassen, käme man wohl auf ein unbefriedigendes «Kommt drauf an». Wer es gerne wie gewohnt mag, kauft sich einen Mac, wer Touchscreens bevorzugt, setzt auf das iPad. Aber – und das war deutlich zu sehen – die Zeiten, in denen das iPad die zweite Geige hinter den Macs spielte, sind vorbei. Apple liess keine Gelegenheit aus, zu zeigen dass das neue Tablet alles kann, was ein traditioneller Computer auch kann. Ein Blick auf die wichtigsten Ankündigungen:

Das neue iPad Pro: Die meiste Aufmerksamkeit und Zeit widmete Apple dem neuen Tablet (ab 899 Franken). Es kommt in zwei Grössen, wird per Gesichtserkennung entsperrt, hat keinen Homeknopf mehr und verfügt deshalb nur noch über einen dünnen Rand um den Bildschirm herum. Es ist der radikalste Umbau in der Geschichte des Apple-Tablets. Ironischerweise erinnert das kantigere Design eher an das allererste iPad als an jene, die ihm nachfolgten. Bei den technischen Innereien verspricht Apple dank einem neuen Prozessor Höchstleistungen in allen Kategorien. Dank Speicheroptionen bis zu einen Terabyte übertrifft das Tablet manchen Laptop.

USB-C: Die wichtigste Neuerung sieht man dem Tablet aber kaum an. Statt Apples eigenem Lightning-Kabel nutzt es neu USB-C. Der Standard kommt bei Apples Macbooks, aber auch bei nahezu allen Android-Handys zum Einsatz. Mit dem neuen Anschluss bekommt das iPad viele neue Funktionen: So kann man künftig einen externen Monitor anschliessen, Fotos bequem per Kabel von einer Fotokamera importieren oder sogar das iPhone anschliessen und laden. Wer sich nun aber freut, eine externe Festplatte ans iPad anzuschliessen, wird enttäuscht. Das lässt Apple nicht zu. Wenigstens im Moment. Mit einem Software-Update liesse sich das wohl nachreichen, so der Konzern seine Meinung ändert. Wie gut die iPads mit Adaptern und Kabeln anderer Firmen harmonieren, werden die nächsten Wochen zeigen. Fest steht aber schon jetzt: Mit dem Wechsel auf USB-C wird das iPad nochmal deutlich nützlicher.

Tastatur und Stift fürs iPad: Auch beim Zubehör bessert Apple nach. Der Tablet-Stift lässt sich nun magnetisch am Tablet befestigen und drahtlos laden. Dank einer flachen Seite wird er nicht mehr so leicht davonrollen, und ein Touchknopf ermöglicht das Wechseln zwischen verschiedenen Stift-optionen. Alte Stifte funktionieren übrigens nicht mit den neuen iPads. Diese insgesamt dennoch sehr willkommenen Verbesserungen lässt sich Apple aber auch etwas kosten. Kostete der erste Apple-Stift noch 110 Franken, werden nun 150 Franken fällig. Auch die Tastaturhülle wird teurer. Ab 200 Franken erhält man eine etwas einfacher zu bedienende und befestigende Tastatur. Neu schützt die Hülle die Front und die Rückseite des Tablets. Der Bildschirm lässt sich nun in zwei Winkeln nutzen. Einer sei ideal für das Arbeiten auf den Oberschenkeln, der andere für den Schreibtisch. Was Bildschirmwinkel angeht, bleibt aber Microsofts Surface das Mass aller Dinge mit unendlich vielen Winkeln.

Neues Macbook Air: Eröffnet wurde die Veranstaltung aber nicht mit dem iPad, sondern mit dem seit Jahren erwarteten Nachfolger für das Macbook Air. Der Publikumsliebling in Apples Laptop-Sortiment war merklich in die Jahre gekommen und technisch nicht mehr auf dem neusten Stand. Immer wieder war gemunkelt worden, der Laptop bekäme bald ein Update oder würde gar aus dem Sortiment gestrichen. Mit diesen Gerüchten ist nun Schluss. Das neue Macbook Air hat das Zeug, ein ähnlicher Publikumsliebling zu werden wie sein Vorgänger. Der Bildschirm ist deutlich besser geworden, und das Gehäuse ist geschrumpft. Die technischen Innereien dürften für die grosse Mehrheit mehr als ausreichen. Mit zwei USB-C-Schnittstellen ist der Laptop für die Zukunft bestens gerüstet. Grossen Applaus gab es an der Präsentation für die Ankündigung, dass das neue Macbook Air aus rezykliertem Aluminium hergestellt würde. Einzig beim Preis bleibt die Begeisterung aus. 1400 Franken ist ein stolzer Einstiegspreis. Zum Vergleich: Das günstigste Macbook und Macbook Pro kosten gerade mal 75 Franken mehr. Man darf gespannt sein, wie Apple das eigene Laptop-Sortiment nun weiterentwickelt, nun, da das Macbook Air wieder einen festen Platz erhalten hat. Verschwindet das dünnere und leichtere Macbook? Werden die Pro-Macbooks teurer und mehr auf Profi-Anwender ausgerichtet? Die nächsten Jahre werden es zeigen. Aber so es in den ersten Tests nicht durchfällt, dürfte das Macbook Air der vernünftigste Apple-Laptop der nächsten Jahre werden.

Neuer Mac Mini: Ebenfalls auf den neusten Stand gebracht wurde der Mac Mini (ab 930 Franken). Der früher einmal kleine Mini-PC ist für heutige Verhältnisse nicht mehr besonders klein. Als Einsteigerangebot taugt er auch nicht, da man Tastatur, Maus und Bildschirm extra kaufen muss. Da ist man mit einem iMac in den meisten Fällen besser beraten. Dem trägt Apple mit einer Neupositionierung des Mini Rechnung. Der richtet sich nun deutlicher an Profis, die reichlich Rechenleistung in einem kleinen und stapelbaren Gehäuse brauchen.

Mit den Ankündigungen schafft Apple auch zwei Vorwürfe aus der Welt: Die Kritik, dass Apple die Mac-Sparte verstauben lasse, dürfte nun ebenso verebben wie der Vorwurf, der Konzern bremse die Entwicklung des iPad aus, um den Mac zu schützen. Nun, da beide Produkte auf dem neusten Stand sind, können der Markt und die Kunden entscheiden, wohin die Reise geht. Richtig spannend wird es nächsten Juni, wenn Apple an der jährlichen Entwicklerkonferenz Softwareneuerungen vorstellt. Dann dürfte das eben vorgestellte iPad nochmals neue Funktionen und Möglichkeiten bekommen. Und auch bei den Macs wird sich dann zeigen, wie es künftig weitergehen wird. Apple plant dem Vernehmen nach den Bruch mit Intel und soll in den nächsten Jahren auf hauseigene Prozessoren setzen, wie sie bereits im iPad stecken. Die beiden Plattformen werden näher zusammenrücken. Zusammengelegt sollen sie aber nicht werden, versprach Apple vor ein paar Monaten. Aber es wäre nicht das erste Mal, dass Apple A sagt und im Hintergrund bereits B plant.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 30.10.2018, 20:44 Uhr

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