Hintergrund

Besser als Kino

Schärfer, kontrastreicher, bunter und mehr Tiefe: Aktuelle High-End-Fernseher wie der Toshiba T10 bieten ein überzeugenderes 3-D-Erlebnis als jeder Kinosaal. Die Filmindustrie hat daran wenig Interesse.

Die dritte Dimension macht auf dem TV eine bessere Figur: 3D-Messsestand an der IFA 2010.

Die dritte Dimension macht auf dem TV eine bessere Figur: 3D-Messsestand an der IFA 2010. Bild: Keystone

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Der Film hätte vielleicht besser «Piraten, verschollen im Bermudadreieck» heissen sollen. Die «Pirates of the Caribbean 4» waren im 3-D-Kino kaum erkennbar, der ganze Film wirkte ermüdend düster und matt. Einen ähnlich flachen Eindruck hatte Johnny Depp schon als verrückter Hutmacher in Tim Burtons «Alice in Wonderland» hinterlassen. Als Kinogänger bucht man das jeweils enttäuscht unter «schwache 3-D-Effekte» ab und vergisst die betreffenden Streifen rasch wieder.

Bis man denselben Film nochmals schaut, allerdings auf einem hochwertigen 3-D-Fernseher, namentlich auf dem Toshiba T10, dem aktuellen Spitzenmodell des japanischen Herstellers. Hier wirkt «Alice» so bunt und schrill und plastisch, wie sich das Tim Burton wohl gedacht hatte. Dasselbe gilt für die «Pirates». Selbst «Tron Legacy», ein Film, der im Kino ganz gut rüberkam, gewinnt deutlich an Brillanz. Mit dem T10 ist es, als ob man diese Filme zum allerersten mal sähe – anders kann man es kaum beschreiben.

Vollgepackt mit Hightech

Dass der T10 auch neuste Kinosäle alt aussehen lässt, ist das Resultat diverser Technologien. Grundsätzlich geht es darum, dass der Bildschirm den Lichtverlust (Helligkeit, Kontrast und Farbe) zu kompensieren vermag, der durch die 3-D-Brille unweigerlich entsteht. Weil ein Auge stets abgedeckt ist, erreicht jeweils nur ein Bruchteil des Lichts unsere Augen. Der T10 gleicht das aus: Er zeigt die nötige Anzahl HD-Bilder schnell genug an (800 Hz, Reaktionszeit 0,2 ms) und 512 einzeln dimmbare Bildbereiche (Pixel-Cluster) sorgen dafür, dass schwarze Stellen im Bild wirklich so aussehen, während weisse, helle Bereiche knackig leuchten.

Das Ganze hat natürlich seinen Preis, mit fast 7000 Franken ist der T10 bestimmt kein Massenprodukt. Vielmehr demonstriert das Liebhabergerät, was heute technisch möglich ist. Toshiba setzt bei diesem TV auf Shutter-Glasses, also 3-D-Brillen, die aktiv jeweils ein Auge abdecken. Diese funktionieren sauber und ohne Crosstalk, das heisst, es entstehen keine Artefakte im Bild durch unsaubere Trennung der beiden 3-D-Bilder, selbst bei stark bewegten Szenen. Mittelfristig dürfte die Branche aber zunehmend auf Polarisationsbrillen setzen, denn diese haben gleich mehrere Vorteile. Sie sind leichter, günstiger, brauchen keinen Strom und funktionieren besser in hellen Räumen. Der T10 entfaltet seine volle Leistung nämlich nur, wenn man den Raum abdunkelt. Zudem könnten die T10-Brillen besser entspiegelt sein.

Bremsklotz Filmindustrie

So weit, so gut. Dem heimischen 3-D-Spass steht jedoch ein grosses Hindernis im Weg, und einmal mehr kein technisches. Das gewichtigste Manko ist die äusserst dürftige Auswahl an erhältlichen 3-D-Filmen. Während im Kino regelmässig neue 3-D-Streifen anlaufen, lässt sich die Industrie viel Zeit, diese dann auch auf 3-D-Blu-Ray anzubieten. Zwar listet Amazon immerhin etwas über 100 Titel in dieser Kategorie auf, doch bereits in den Top 10 der meistverkauften 3-D-Filme kommt das grosse Gähnen auf. Um nur einige Lücken zu nennen: Pixars Animationsfilme fehlen, und «Avatar», die Mutter aller 3-D-Filme, ist überall vergriffen, weil die Blu-Ray-3-D-Version exklusiv an den Kauf eines bestimmten Players gebunden war. Es scheint, als ob die Filmindustrie ihre Investitionen in die 3-D-Kinos schützen möchte, indem sie das Angebot für zu Hause klein hält.

Zum Trost schaut man sich halt «gewöhnliche» HD-Filme an, und immerhin sehen auf dem 55-Zoll-LED-Bildschirm sogar Standard-DVDs hervorragend aus. Selbst ab DVD gerippte TV-Serien poliert die Software des T10 glänzend auf. Der Screen des Fernsehers kalibriert sich selbst, behält also seine Bildqualität langfristig. Und schliesslich kann das TV-Gerät auch alte Filme und Fotos auf Pseudo-3-D hochrechnen, dessen Wirkung allerdings nicht an echtes 3-D herankommt.

Ab ins Netz

Der andere grosse, vielleicht ebenso wichtige Trend bei den Fernsehern ist der direkte Anschluss ans Internet und das heimische Netzwerk. So gelangen beispielsweise die Ferienfotos, die auf dem PC (Windows 7) liegen, drahtlos auf den TV, man holt sich Youtube direkt auf den TV oder kann sein iPhone als Fernsteuerung nutzen (siehe Artikel rechts).

Toshiba T10 (Modell 55TZ1145), 55-Zoll-LED (140 cm Diagonale), 3-D mit Shutter-Glasses, Konvertierung von 2-D auf 3-D, WLAN, Festplattenrecorder mit EPG. 6990 Franken. www.toshiba.ch/cevo/ (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.07.2011, 08:41 Uhr

Der T10 von Toshiba bietet momentan eines der eindrücklichsten 3D-Erlebnisse.

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Fernsteuerungs-Apps

Die Unterhaltungselektronik hat das Smartphone als Fernsteuerung für Fernseher und Blu-Ray-Player entdeckt. Möglich wird dies, da neuere Geräte immer öfter über einen Netzwerkanschluss verfügen. Befinden sich der TV und das Smartphone im selben heimischen Netzwerk, können sie also via WLAN miteinander kommunizieren. Der Hersteller muss einzig die passende App zur Verfügung stellen. In der Regel müssen die Geräte Baujahr 2011 haben, mit älteren geht es nicht – also am besten vor dem Kauf abklären.

Die Fernsteuerung via App hat den Vorteil, dass man nicht auf den TV zielen muss (kein Sichtkontakt nötig) und dass man Text und Zahlen via iPhone-Tastatur eintippen kann (statt umständlich via Nummerntasten). Darüber hinaus lassen sich gewisse Funktionen über Gesten steuern wie: mit dem Finger nach rechts Wischen macht den TV lauter, nach oben schaltet um usw.Von Toshiba gibt es eine TV-App für iOS, die sämtliche Funktionen der physischen Fernsteuerung bietet. Entsprechende Apps (wir haben sie nicht alle getestet) für iOS und Android bieten Samsung, LG, Sony, Philips sowie Panasonic, jeweils im App-Store beziehungsweise Android-Market. (rcz)

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