Schürft auch Ihr Computer Bitcoins für Fremde?

Nicht nur Mining-Trojaner missbrauchen fremde PCs fürs Erzeugen digitaler Währungen, sondern auch manche Websites. Wie Sie sich vor dem Diebstahl Ihrer Rechenleistung schützen.

Die Erzeugung von Bitcoins erfordert (wie hier in der chinesischen Szechuan-Provinz) hochgezüchtete Hardware und viel Energie – es sei denn, man lagert diese Arbeit ungefragt an fremde Computer aus.

Die Erzeugung von Bitcoins erfordert (wie hier in der chinesischen Szechuan-Provinz) hochgezüchtete Hardware und viel Energie – es sei denn, man lagert diese Arbeit ungefragt an fremde Computer aus. Bild: Liu Xingzhe/Chinafile/Keystone

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Kryptowährungen existieren zwar nur virtuell, haben aber dennoch einen gewissen Wert. Der Bitcoin beispielsweise macht (bei starken Schwankungen) durch eine enorme Kurszunahme von sich reden. Der Wert des digitalen Zahlungsmittels rührt daher, dass es aufwendig herzustellen ist. Der kryptografische Prozess, mit der neue Bitcoins errechnet werden, nennt sich «Schürfen» (Englisch «Mining») und erfordert einen enormen Rechenaufwand.

Das hat allerlei Nebenwirkungen: einen riesigen Energiebedarf beispielsweise. In Island, wo die Stromkosten aufgrund der geothermischen Energie gering sind, könnte der Verbrauch der modernen Goldgräber schon bald den der Haushalte übersteigen. Eine andere Nebenwirkung ist ein Engpass bei den Grafikkarten-Chips. Diese werden bevorzugt fürs Mining verwendet und sind deshalb inzwischen so begehrt, dass die klassische Käuferschaft zu kurz kommt. Das sind die PC-Gamer, die sich lauthals über diesen Umstand beschweren.

Cyberkriminelle verdienen, Virus-Opfer zahlen die Stromrechnung

Und der Boom bei den Kryptowährungen hat eine neue Sorte von Schadprogrammen hervorgebracht. Die «Mining-Trojaner» verwenden befallene Computer zum Schürfen von Bitcoins und anderer digitaler Zahlungseinheiten. Eine einleuchtende Masche: Der Verbreiter der Viren hat den Gewinn, und die Besitzer der befallenen PCs bezahlen die Stromrechnung. Und sie müssen mit Leistungseinbussen ihrer Geräte rechnen, da die mit dem Mining voll und ganz ausgelastet sind.

Wer seinen Computer nicht für Fremde Bitcoins schürfen lassen möchte, muss ihn vor Viren schützen.

Mining-Trojaner lassen sich mit den üblichen Methoden gegen Viren, Würmer und Malware aller Art fernhalten (siehe Video oben). Doch Mining-Trojaner sind nicht die einzige Methode, mit der skrupellose Gesellen fremde Computer für ihren eigenen Gewinn arbeiten lassen. Auch Websites können auf den Computern der Besucher Software ausführen, die ungefragt digitales Geld schürft. Das tut beispielsweise das Coinhive-Script. Es kam auf der Online-Tauschbörse «The Pirate Bay»zum Einsatz und wird momentan gemäss adguard.com von gut 2 Promille der 100’000 populärsten Websites im Netz verwendet. Das ist nicht viel, aber dennoch genug, dass monatlich um die 500 Millionen User betroffen sind. Ob eine Website das Coinhive-Script im Einsatz hat, lässt sich übrigens unter whorunscoinhive.com in Erfahrung bringen.

Bitcoins schürfende Werbebanner

Eine weitere Methode ist die Verbreitung über Werbebanner. Das Coinhive-Script wurde Ende Januar 2018 beispielsweise über Youtube-Werbung verbreitet, berichtete Arstechnica.com. Ein Google-Sprecher hatte damals gesagt, das Problem «sei neu, werde aber genau verfolgt». Die fraglichen Werbebanner seien in weniger als zwei Stunden blockiert worden.

Es ist nicht ganz einfach, sich vor Websites zu schützen, die mit Coinhive oder ähnlichen Methoden Rechenleistung stehlen wollen. Der Google Watch Blog empfiehlt, sich mit dem Chrome-Browser dagegen zu wappnen. Ein Anzeichen dafür ist, wenn der Browser sich träge verhält und kontinuierlich viel Rechenleistung in Anspruch nimmt. Typischerweise beansprucht eine Website den Prozessor beim Öffnen. Wenn der Ladevorgang abgeschlossen ist, sollte der Leistungshunger zurückgehen – zumindest dann, wenn man keine rechenintensive Webanwendung nutzt. Bei Google Chrome lässt sich der Leistungsbedarf jeder Website über das Menü mit den drei Punkten und «Weitere Tools > Taskmanager» überprüfen: Wenn hier eine Website in der Spalte «CPU» über längere Zeit einen hohen Prozentanteil ausweist, sollte man sie über whorunscoinhive.com überprüfen.

Die Browser-Aktivitäten eindämmen

Es gibt auch präventive Massnahmen: Die Erweiterung Miner Block hält Coinhive und ähnlich operierende Scripte fern. Es gibt sie kostenlos für Firefox und für Google Chrome. Schliesslich helfen auch die Tricks aus dem unten stehenden Video gegen das Tracking im Web – denn bei der Nachverfolgung im Web führen Browser ebenfalls potenziell unerwünschte Scripts aus.

Wie Sie bestimmen, welche Aktivitäten in Ihrem Browser zulässig sind – und welche nicht. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.02.2018, 16:53 Uhr

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