Der Poltergeist im Lautsprecher

Ein Eigenleben und ­Selbstgespräche: Amazon Echo lehrt seine Besitzer das Fürchten.

David Limp, der Chef von Amazons Gerätesparte, bei der Einführung eines neuen Echo-Modells im September.

David Limp, der Chef von Amazons Gerätesparte, bei der Einführung eines neuen Echo-Modells im September. Bild: Elaine Thompson/Keystone

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Amazon Echo ist ein Gerät, das einerseits die Wohnung beschallt und andererseits auf gesprochene Kommandos hört. Per Stimme gibt man Anweisungen an die digitale Assistentin Alexa, die ihrerseits die gewünschte Musik hervorkramt, Wetterprognosen abgibt und Börsenkurse rezitiert. Alexa steuert auch das smarte Heim und – wen wunderts – setzt auf Zuruf Bestellungen beim Versandhändler Amazon ab.

Was könnte da alles schiefgehen? Das fragen sich vor allem all jene, die von digitalen Assistenten wie Siri schon missverstanden wurden. Und in der Tat kursieren ­diverse Schauergeschichten. Die jüngste hat Mobilegeeks.de kolportiert: Ein Mann aus Pinneberg feierte an der Hamburger Reeperbahn. Währenddessen belagerte die Polizei sein Haus und brach schliesslich die Tür auf. Die Nachbarn hatten die Gesetzeshüter alarmiert, weil es Alexa mitten in der Nacht eingefallen war, Musik in Maximallautstärke zu spielen. Wie das geschehen konnte, wird derzeit abgeklärt: Hat jemand den Musikbefehl durchs offene Fenster gebrüllt? Unwahrscheinlich, da der Mann im sechsten Stock wohnt.

Gruselige Gutenachtgeschichte

Auf der Social-Media-Plattform Reddit gibt es diverse andere Berichte von eigenmächtiger Musikwiedergabe. Dort erzählt ein Nutzer von einer Konstellation, die man nur als gruselig bezeichnen kann: Der Mann besitzt nämlich zwei Echo-Lautsprecher. Er gibt dem einen den Auftrag, eine Gutenachtgeschichte zu erzählen. Da das eine besondere Funktion ist, die erst eingeschaltet werden muss, erklärt Echo 1, wie das zu bewerkstelligen ist. Echo 2 kriegt das mit, aktiviert die Funktion und erläutert seinerseits, wie man diese neue Funktion nun nutzt. Daraufhin erzählt Echo 1 eine Geschichte, die mit der Bemerkung endet, nun sei die Geschichte zu Ende, und man könne das Licht ausmachen. Das versteht Echo 2 als Auftrag und löscht das Licht.

Ein Eigenleben und Selbstgespräche – das ist jedoch längst nicht aller Unfug, den Alexa schon angestellt hat. Vor knapp zwei Monaten haben sich die ­Macher der Cartoon-Serie «South Park» einen derben Streich erlaubt: Wer sich die erste Folge der neuesten Staffel in Hörweite des Lautsprechers angesehen hat, fand daraufhin unanständige Dinge wie «titty chips» auf seiner Einkaufsliste. Eric Cartman, der Rabauke aus «South Park», hat damals Alexa auch dazu aufgefordert, den Wecker auf sieben Uhr morgens zu stellen.

Nebst der absichtlichen Irreführung reagiert Alexa des Öfteren auch auf TV-Werbung. So sind Fälle dokumentiert, wo in unzähligen Haushalten ungefragt Weihnachtsmusik ertönte. Offenbar war da Amazon selbst schuld. Der Versandhändler hatte seine Box in einem Werbespot vorgeführt.

Warum ist es so heiss hier?

Und auch Radiosendungen haben den Lautsprecher schon zu wildem Aktionismus verleitet. Das öffentliche Radio NPR hatte in einer Sendung die Funktionen von Alexa erklärt. Daraufhin musste ein Hörer feststellen, dass seine smarte Box den Thermostaten verstellt, und ein anderer hörte, ausgelöst durch den Namen des Senders, von seiner Box die NPR-Nachrichtenzusammenfassung.

Man mag nun darüber spekulieren, ob das Einzelfälle und Kinderkrankheiten sind, die schon bald behoben sein werden. Wenn die Spracherkennung lernt, die Stimme seines Besitzers von anderen zu unterscheiden, dann sind auch Scherze wie die von «Burger King» passé, die in einem Werbespot Googles digitalen Assistenten dazu brauchten, den Wikipedia-Artikel zum Whopper-Sandwich zum Besten zu geben.

Vom Dämon besessen

Doch es gibt auch Leute mit einem unerschütterlichen Misstrauen gegenüber den smarten Haushaltsgegenständen. Zum Beispiel Kurzfilmer Julian Terry: In seinem zweiminütigen, auf Youtube zu sehenden Horrorfilm «Whisper» reagiert die Box plötzlich auf unhörbare Befehle und fordert ihre Besitzerin auf, einmal einen Blick in den Wandschrank zu werfen ...

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.11.2017, 17:16 Uhr

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