Die Box, die das iPhone knacken soll

Amerikanische Ermittler hegen grosse Hoffnungen: Ein Gerät namens Graykey soll ihnen Zugang zu verschlüsselten Daten verschaffen.

Gelten bislang als verhältnismässig sicher: iPhone und iPad des Herstellers Apple.

Gelten bislang als verhältnismässig sicher: iPhone und iPad des Herstellers Apple. Bild: Karly Domb Sadof/Keystone

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Wie das Techmagazin «Motherboard» berichtet, zeigt die Polizei in verschiedenen US-Bundesstaaten seit einigen Wochen starkes Interesse an einer neuen Möglichkeit, in iPhones einzudringen. Die gelten bislang als relativ sicher und schwer zu hacken.

Der Hintergrund: Behörden stellen seit geraumer Zeit fest, dass digitale Geräte in ihrer Ermittlungsarbeit immer wichtiger werden – und zwar als Träger von Beweismaterial. Das Problem: Die Geräte und die Daten sind oft verschlüsselt und lassen sich nur per Zahlencode, Fingerabdruck oder neuerdings auch Gesichtserkennung entriegeln. 2016 erregte ein Fall Aufsehen, in dem das FBI von Apple verlangte, das iPhone von Syed Farook zu entschlüsseln, einem der Täter beim Anschlag von San Bernadino vom Dezember 2015. Apple wehrte sich gegen die Forderung, da dies eine Hintertür für die Ermittler öffnen könnte, auch in andere Geräte unbescholtener Bürger einzudringen.

Die von vorneherein in die Betriebssysteme eingebauten Hintertüren würden Ermittlungsarbeiten erleichtern, argumentieren Behörden auch heute noch. Dabei haben sie durchaus andere Methoden, um an Daten auf verschlüsselten Geräten zu kommen – und jetzt ist laut «Motherboard» eine weitere hinzugekommen. Eine kleine, grauschwarze Box namens Graykey soll iPhones jeder Generation bis hin zur aktuellen Betriebssoftware iOS 11 knacken können. Vorausgesetzt, man ist in ihrem Besitz.

Auch das Aussenministerium zeigt Interesse

«Motherboard» liegen Dokumente vor, die den Kauf respektive Kaufabsichten mehrerer Bundespolizeien belegen – 500 Dollar kostet das Gerät selbst, mit saftigen 15’000 US-Dollar (rund 14’450 Franken) schlagen die jährlichen Nutzungslizenzen zu Buche. Mehrere Behörden bestätigten dem Magazin gegenüber Interesse an Graykey, das iPhones angeblich in wenigen Stunden bis Tagen entschlüsseln kann. Andere Dokumente deuten an, dass auch der Secret Service beabsichtigt, sich die Boxen der Firma Grayshift zuzulegen; weitere potenzielle Kunden sind anscheinend das Aussenministerium und die mächtige Drug Enforcement Agency. Das FBI nutzt laut Motherboard bereits eine ähnliche Technologie, ein Hersteller ist beispielsweise das israelische Unternehmen Cellebrite, und könnte durchaus auch an Graykey interessiert sein.

Wie die Entschlüsselungskiste funktioniert, ist nicht im Detail bekannt. Grundsätzlich suchen Unternehmen wie Grayshift aber nach Schwachstellen in der Betriebssoftware eines Smartphones oder eines Tablets und nutzen diese, um sich Zugang zu verschaffen. So lange, bis der Hersteller die Schwachstelle schliesst und die Suche von neuem beginnt.

Ehemaliger Apple-Mann in der Geschäftsführung?

Wie das Wirtschaftsmagazin «Forbes» berichtet, wird Grayshift von einem ehemaligen Sicherheitsingenieur von Apple und einem ehemaligen Auftragnehmer der amerikanischen Sicherheitsdienste geleitet. Entsprechend zurückhaltend präsentiert sich das Unternehmen im Netz – sowohl «Motherboard» als auch «Forbes» nahmen Kontakt mit ihnen auf, keines der Medien bekam eine Antwort. Angefragt wurde von «Motherboard» auch das FBI, das nicht bestätigen wollte, ob es sich Graykey zugelegt hat.

Für die Ermittlungsbehörden in den USA ist ein Werkzeug wie Graykey eine einfache und verhältnismässig günstige Lösung, an verschlüsselte Daten zu kommen, ohne von Smartphone-Herstellern eine Hintertürlösung fordern zu müssen. Die wird vom FBI allerdings immer noch gefordert. Das Bureau, so schliesst «Motherboard»-Journalist Joseph Cox lapidar, könne sich ja mal bei den Kollegen von der Polizei melden. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.04.2018, 12:15 Uhr

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