Die kleinere Smartwatch von TAG Heuer anprobiert

Die Schweizer Uhrenfirma hat eine neue Variante der Connected Watch vorgeführt. baz.ch/Newsnet hat sie ausprobiert.

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Die Uhrmacher in Cupertino können aktuell ziemlich zufrieden mit sich sein. Quartalszahlen und Analysten räumen die letzten Zweifel aus, dass die Apple Watch ein Erfolg ist.

Aber nicht nur in Kalifornien kann man sich freuen. Auch in La Chaux-de-Fonds ist die Freude über den Erfolg der eigenen Smartwatch gross. Genaue Zahlen wollte TAG Heuer gestern in Zürich zwar keine nennen (tut Apple übrigens auch nicht), zu erfahren war lediglich, dass die Connected Watch zu den meistverkauften Modellen im Sortiment gehört.

Schlechte Aussichten

Ende 2017 waren die Anzeichen für TAG Heuer nicht ganz so positiv. Obwohl der Firmenchef Jean-Claude Biver eine kleinere Variante der Smartwatch in einem Interview mit baz.ch/Newsnet für Herbst 2017 angekündigt hatte, war nichts davon zu sehen.

Der Herbst kam und ging ohne eine Ankündigung. Zudem häuften sich die schlechten Nachrichten rund um Google und Intel, die Partner von TAG Heuer. Google nahm Smartwatches anderer Hersteller aus dem eigenen Onlineshop und der Chef von Android Wear, der Softwareplattform, verliess das Unternehmen.

Intel schloss die eigene Wearables-Abteilung, um sich fortan auf Augmented-Reality-Projekte zu konzentrieren. Wars das etwa mit den Smartwatch-Ambitionen in La Chaux-de-Fonds?

Nachrichten aus China

Gute Nachrichten gab es erst, als das kleinere Modell der Connected Modular ganz zum Schluss des Jahres in China und anschliessend im Januar am Genfer Uhrensalon offiziell lanciert wurde.

All den schlechten Vorzeichen zum Trotz ist die Connected Modular 41 (ab 1190 Franken) nun da und bereits im Onlineshop von TAG Heuer erhältlich.

Kleiner und etwas leistungsfähiger

Der augenfälligste Unterschied zum im letzten Jahr lancierten 45er-Modell ist natürlich die neue Grösse. Mit einem Durchmesser von 41 Millimeter richtet sich die Uhr an Käufer und Käuferinnen, denen die andere Uhr zu gross war.

Rein technisch unterscheiden sich die beiden Uhren in Nuancen. Das kleinere Modell hat einen Bildschirm mit etwas höherer Pixeldichte und etwas mehr Arbeitsspeicher (1 GB statt 512 MB) und etwas mehr Speicherplatz (8 GB statt 4 GB). Der Akku ist mit 345 mAh etwas kleiner als bei der grösseren Uhr mit 410 mAh. Trotzdem soll er 25 Stunden durchhalten, was sich an einer einstündigen Pressevorführung freilich nicht nachprüfen liess.

Nahezu identisch

Ansonsten sind die Uhren identisch, was Design und vor allem den Funktionsumfang angeht. Auf einen Pulssensor verzichtet TAG Heuer auch bei der 41er. Geladen wird auch die kleinere Smartwatch über Ladepins an der Uhr und dem magnetischen Ladedock. Was das angeht, haben Konkurrenten inzwischen elegantere und bequemere Lösungen gefunden.

Apropos bequem: Auch das modulare Konzept, dass man Bandanstösse und Armbänder leicht wechseln kann, hat TAG Heuer beibehalten. Auch nach fast einem Jahr seit ich es das letzte Mal ausprobiert habe, gelang es mir sofort wieder ohne Probleme, das Armband abzunehmen und ein neues zu montieren.

Bequemer und tragbarer

Am Arm – mindestens an meinem – macht sich die neue Grösse sofort bezahlt. Die Uhr fühlt sich bequemer und tragbarer an. Auch optisch ist sie deutlich diskreter. Wer nur beiläufig schaut, dürfte sie sogar nicht einmal als Smartwatch erkennen.

Die Bedienung der Software ist flüssig. Bei den ersten Versuchen ruckelte nichts. Wie viel davon der neusten Version von Android Wear geschuldet ist und wie viel den technischen Innereien, ist schwer zu sagen. Fest steht, Android Wear hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert und ist benutzerfreundlicher geworden. Trotzdem gibt es immer wieder Situationen, in denen die Software nicht ideal an einen runden Bildschirm angepasst ist.

Einmal ertappte ich mich sogar dabei, wie ich bei einer langen Liste an der Krone drehen wollte. Diese alternative Bedienmethode, die man von der Apple Watch und inzwischen auch von Android-Uhren kennt, sucht man bei der TAG Heuer vergebens.

Erster Eindruck: Die Modular 41 ist ein weiterer Schritt hin zu massentauglicheren Smartwatches. War die letztjähriger 45 ein Hingucker und Statement, ist die kleinere 41er viel diskreter, alltagstauglicher und dürfte einem breiteren Publikum gefallen.

Ausblick: TAG Heuer hat mit den eigenen Smartwatches eine Nische gefunden. Dennoch dürfte der Ruf nach neuen Funktionen, die günstigere Uhren schon haben (Pulsmesser, LTE, alternative Bedienmethoden), lauter werden. Hierzu ist TAG Heuer aber auf seine zwei Partner Google und Intel angewiesen. Bei beiden muss sich zeigen, wie gross ihr Interesse am Handgelenk noch ist. Währenddessen nimmt Apple bei der Weiterentwicklung der eigenen Uhr kein bisschen Tempo raus und im Stillen arbeitet die Swatch-Gruppe an einem eigenen Betriebssystem für Ende 2018. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.02.2018, 16:04 Uhr

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