Laptop oder Tablet? Drei Microsoft-Neuheiten im Test

Der einstige Softwarekonzern baut nun Computer für fast alle Bedürfnisse. baz.ch/Newsnet hat sie eine Woche lang ausprobiert.

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2014 habe ich meinen letzten Laptop ausrangiert. Der auch für heutige Verhältnisse noch schlanke Asus liegt seit Jahren ungenutzt in meiner Büroschublade.

Seither habe ich unterwegs und zu Hause nur noch mit Tablets wie dem Surface Pro 3 und dem iPad Pro gearbeitet. Für meine Bedürfnisse reichen die Multitalente mit Anklips-Tastatur völlig aus. Ja, sie übertreffen Laptops in vielen Belangen. Sie sind handlicher, man kann mit dem Stift Notizen verfassen, und wenigstens beim iPad hält der Akku länger und man kann per SIM-Karte bequem ohne Hotspot ins Internet.

Einen Laptop habe ich in dieser Zeit nie vermisst. Einzig das neue Macbook habe ich 2015 kurz für einen Testbericht verwendet. Aber das wars.

Laptopfrei unterwegs

Dass ich heute gänzlich laptopfrei unterwegs bin, verdanke ich in erster Linie Microsoft und dem Surface. Microsofts Vorpreschen hat die Konkurrenz motiviert, neue Computer- und Tablet-Designs auszuprobieren. Inzwischen hat jeder Konzern etwas Surfaceartiges im Sortiment.

Doch exakt zu dem Zeitpunkt, wo Microsofts Kalkül aufzugehen scheint, bringt der einstige Software-Konzern einen reinen Laptop auf den Markt. Der Surface Laptop (ab 1130 Franken) ist das erste Surface-Gerät, das nicht länger mehrere Geräte in einem sein will. Es ist einfach nur ein Notebook.

Das Design ist schlank, kantig, solid und elegant. Auffällig sind vor allem zwei Dinge: Der Touch-Bildschirm (13,5 Zoll) ist ausserordentlich dünn, und die Tastatur fühlt sich dank dem aus teuren Autos bekannten Alcantara-Kunstleder sehr gut an. Wie langlebig und schmutzabweisend das Material ist, lässt sich nach einer Woche noch nicht sagen. Fest steht, dass die Alcantara-Tastatur des Surface-Tablets auch nach über einem Jahr, ohne sie je geputzt zu haben, noch wie neu aussieht.

Dilemma der Anschlüsse

Bei den technischen Innereien hat Microsoft fast keine Kompromisse gemacht. So stecken im Laptop die neusten Intel-Prozessoren und je nach Konfiguration und Preis bis zu 16 GB Arbeitsspeicher und bis zu 512 GB SSD-Speicher. Noch wichtiger ist im Alltag jedoch der Akku. Der soll bis zu 14,5 Stunden lang oder einen ganzen Arbeitstag durchhalten. Der Akku sei so gut, dass man das Ladegerät ohne Sorgen zu Hause lassen könne. Tatsächlich ist es mir in einer Woche nicht gelungen, den Akku bei normaler Verwendung an einem Arbeitstag leer zu bekommen.

Entsperrt wird der neue Laptop wie auch die anderen neuen Microsoft-Geräte per Gesichtserkennung. Schon beim Galaxy S8 hatte ich damit meine Mühe. Wenn es klappt, ist es magisch, doch in den häufigeren Fällen, in denen man vergebens darauf wartet, ist es nur ärgerlich. Während andere Tester keine Probleme damit haben, lief es bei mir mehr schlecht als recht, sodass ich mich lieber gleich und schneller per PIN angemeldet habe.

Der längerfristig gewichtigere Hardware-Schwachpunkt ist bei den Anschlüssen zu finden. Der Surface Laptop hat nur vier: USB 3.0, Kopfhöreranschluss, Mini-Displayport und den proprietären Anschluss fürs Surface-Ladekabel und -Dock. Den zukunftssicheren USB-C-Standard sucht man vergebens.

Microsoft hält diesen für noch nicht massentauglich. Doch gerade den Mini-Displayport hätte Microsoft meines Erachtens gut für den flexibleren USB-Standard opfern können. Habe ich den Anschluss an meine Surface Pro 3 doch in all den Jahren noch nie verwendet.

Abgesehen davon, gefällt der neue Laptop sehr. Apropos gefallen: Aktuell gibt es den Laptop in der Schweiz nur in Silbergrau. Die mutigeren Farboptionen, darunter Burgunderrot, sollen aber zu einem späteren Zeitpunkt auch in die Schweiz kommen.

Schneller und sicherer?

Doch ein Laptop wie jedes Tech-Gerät besteht nicht nur aus Hardware, sondern auch aus Software. Hier setzt Microsoft zum ersten Mal auf Windows 10 S. Die Spezialvariante des aktuellen Betriebssystems verspricht schneller und sicherer zu sein. Möglich wird dies durch eine entscheidende Einschränkung: Man kann nur Apps aus dem Windows Store installieren. Aus dem Netz kann man keine Programme herunterladen. Das bevorzugte Bildbearbeitungsprogramm oder die Buchhaltungssoftware des eigenen Vertrauens lassen sich selbstständig nicht installieren.

Wer die eigenen Lieblingsapp im Store nicht findet, hat allerdings die Möglichkeit (noch bis Ende Jahr), gratis auf das volle Windows 10 Pro ohne diese Einschränkung zu wechseln.

Noch vor einem Jahr hätte ich den Wechsel wohl unverzüglich vollzogen. Doch in der vergangenen Woche mit Windows 10 S fehlte mir eigentlich nur eine App: Google Chrome. Auf den Browser muss man nämlich verzichten, da er nicht im Store erhältlich ist. Microsofts Alternative namens Edge ist zwar inzwischen ziemlich gut, aber Chrome ist nach wie vor das Mass aller Dinge.

Dass Windows 10 S allerdings schneller ist als das normale Windows, fiel mir nicht auf. Ja, ich hätte vermutlich nicht mal gemerkt, dass es ein minimal anderes Windows ist.

Nur einmal fiel Windows negativ auf. Wenn man den neuen Laptop zum ersten Mal in Betrieb nimmt, wird man von einer abgehackten Computerstimme wie aus den 80er-Jahren begrüsst und durch die Installation gehetzt. Meine Bürokollegen waren wenig amüsiert, während ich verzweifelt den Stummknopf suchte.

Fazit: Wer einen Windows-Laptop möchte, sollte den sehr guten Surface Laptop in die Überlegungen einbeziehen. Da Soft- und Hardware vom selben Hersteller kommen, dürften einem unliebsame Überraschungen, nervige Zusatzsoftware und ausbleibende Updates erspart bleiben. Darum geht auch der im Konkurrenzvergleich etwas höhere Preis in Ordnung.

Selbst hat mich die Woche mit dem Surface Laptop nicht umgestimmt und motiviert - Burgunderrot hin oder her -, wieder ein Notebook zu nutzen. Doch Microsoft kann das herzlich egal sein. Mit dem Surface-Sortiment deckt der einstige Software-Konzern nun fast alle Hardeware-Bedürfnisse ab. Einzig ein Smartphone fehlt noch.

Haben Sie Fragen zum Surface Laptop oder den restlichen Microsoft-Neuheiten? Digital-Redaktor Rafael Zeier beantwortet sie heute Mittwoch gerne in den Leserkommentaren oder auf Twitter.

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.07.2017, 07:52 Uhr

Surface Pro
Vor drei Jahren hat Microsoft mit dem Surface Pro 3 einen Volltreffer gelandet. Es war das erste Microsoft-Tablet, das nicht nur ein Laptop sein wollte, sondern auch eines war: Es war und ist auch heute noch ein sehr guter Allround-Computer. Seither hat Microsoft Surface stetig weiterentwickelt. Die neuste Version verzichtet nun auf eine Nummer und heisst nur Surface Pro. Sie übertrifft die Vorgänger in allen Belangen. Sie ist schneller, leiser und vor allem ausdauernder. Dennoch muss man genau hinschauen, um die Unterschiede zu bemerken. Bestes Beispiel ist das Scharnier, das einen grösseren Bildschirmwinkel erlaubt und dennoch stabiler wirkt als bei der Konkurrenz. Leider muss man nun nebst der Tastatur (180 Fr.) auch den Stift (110 Fr.) extra kaufen, was den Preis der günstigsten Variante von 950 Franken nochmals anhebt. (zei)

Surface Studio
Die grösste Überraschung im Test der drei Microsoft-Neuheiten ist das Surface Studio. Im letzten Herbst vorgestellt und bereits einmal kurz angeschaut, entfaltet die Mischung aus Tablet und PC ihr Potenzial erst, wenn man damit ganz normal arbeitet. Dank eines schlauen Scharniers kann man den 28-Zoll-Touchscreen ohne Kraftaufwand mal senkrecht, mal schräg stellen. Gerade die Schräglage hat sich im Alltag bewährt. Ich finde es bequemer, so zu tippen, zu surfen oder Fotos anzuschauen. Wenn ich danach wieder mit meinen zwei senkrechten Büro-Displays arbeite, vermisse ich nebst dem Scharnier auch die bessere Bildqualität. Würde ich meinen Büro-PC gegen das Studio tauschen? Sofort. Aber zu Hause hätte ich keinen Platz dafür. Und dann ist da noch der Preis: Mit mindestens 3500 Franken sprengt das Surface Studio so manches Budget. (zei)

Bildstrecke

Das Surface Studio ausprobiert

Das Surface Studio ausprobiert So funktioniert Microsofts erster Desktop-PC.

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