Lohnt es sich, Musik in High-Definition zu hören?

Musikqualität wie vom Künstler gewollt: Spezielle Player versprechen den ultimativen Musikgenuss. baz.ch/Newsnet hat den Test gemacht.

Das Design des High-End-Walkmans ist, je nach Sichtweise, antiquiert oder «vintage».

Das Design des High-End-Walkmans ist, je nach Sichtweise, antiquiert oder «vintage». Bild: Sony

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Die hochauflösende Qualität gibt es nicht nur für die Augen, sondern auch für die Ohren. Hi-Res-Audio verspricht einen Hörgenuss, der weit über die Audio-CD hinausgeht. Zum einen wird die Klangquelle in engeren Abständen abgetastet als bei normalen Musikdateien. Und zum anderen wird jedes Sample, also jede einzelne Messung, mit mehr Bits beschrieben. Die Klangwelle wird so genauer abgebildet und klingt nuancierter. Ausserdem wird bei hochauflösender Musik auf verlustbehaftete Komprimierung verzichtet, sodass man als Musikkonsument die Chance hat, die Musik genau so zu hören, wie sie der Tonmeister im Studio oder im Konzertlokal aufgenommen hat.

Normale Wiedergabegeräte und das Mobiltelefon sind meist nicht in der Lage, diese hochaufgelöste Musik in ein Signal für den Kopfhörer umzuwandeln. Für die Wiedergabe braucht es daher spezielle Audioplayer. Populär ist der Pono-Player, der unter der Federführung von Altrocker Neil Young als sehr erfolgreiche Kickstarter-Kampagne lanciert wurde (Zerquetschte Musik will Neil Young nicht). Auch andere Hersteller sind auf den Zug aufgesprungen, zum Beispiel Sony mit dem NW-A25HN. Dieser unter dem historisch gewichtigen Walkman-Label vermarktete Player spielt die gängigen hochauflösenden Formate, wird über ein Steuerkreuz bedient und mit geräuschunterdrückenden Kopfhörern geliefert. Die klingen nicht schlecht, sind für High-End-Musikgenuss aber wenig geeignet – denn wenn man Musik mit allen Facetten hören möchte, greift man kaum zu In-Ear-Ohrstöpseln, sondern verwendet Kopfhörer mit grossen Muscheln, die das Ohr ganz abdecken. Beispielsweise die hier erwähnten MDR-100ABN von Sony.

Perlen vor die Säue?

Bleibt die Frage: Klingt die Musik wirklich so viel besser, dass man einen separaten Player mit sich herumtragen will? Diese Frage hängt natürlich von den persönlichen Ansprüchen ab – und der Güte der Ohren. Was die Ohren des Testers und Autors des Testberichts angeht, sind diese rund 45 Jahre alt und gut im Schuss – aber trotzdem nicht in der Lage, im direkten Vergleich zwischen der hochauflösenden Variante und der via Spotify gestreamten Version einen Unterschied herauszuhören. Klar, mein Testverfahren – das gleiche Stück sowohl am Sony-Player als auch an einem zweiten Player auswählen, synchron abspielen und dann die Kopfhörer umstöpseln – ist absolut unwissenschaftlich. Doch schon im Jahr 2000 hat die Fachzeitschrift «c’t» in einem Vergleichstest herausgefunden, dass Testhörer nicht zwischen einer Audio-CD und qualitativ hochwertigen MP3-Dateien unterscheiden konnten. Daraus lässt sich ableiten, dass die über die CD hinausgehende Qualität bei den allermeisten Konsumenten erst recht verschenkt ist.

Das heisst nicht, dass hochauflösendes Audio eine komplett überflüssige Sache wäre: Diese Formate geben audiophilen Musikliebhabern die Möglichkeit, ihrer Leidenschaft in der Gewissheit zu frönen, dass sie das maximale Erlebnis bekommen und ihr sorgfältig ausgesuchtes und teuer bezahltes Audio-Equipment auch ausreizen können. Denn wie der Erfinder des MP3-Formats, Karlheinz Brandenburg, in diesem Interview sagt: «Ich will mich darüber gar nicht lustig machen, denn dieses Gefühl ist nicht zu unterschätzen, es ist ja – subjektiv gesehen – real. Mit Placebos können Leute ja tatsächlich geheilt werden.»

Solide Bauweise ergibt anständigen Klang

Kommt hinzu, dass der Player auch mit normalen, nicht hochauflösenden Dateien besser klingt als das durchschnittliche Smartphone. Denn bei den Telefonen verbauen die Hersteller nicht die teuersten und besten Komponenten, sodass ein solide gebauter Player auch mit hundskommunen MP3-Dateien einen Vorteil herausspielen kann.

Der Sony-Player ist klein, kompakt und mit 66 Gramm leicht genug, um zusätzlich zum Smartphone getragen zu werden. Ein Plus ist die lange Batterielaufzeit von 30 Stunden bei Hi-Res-Audio und 50 Stunden bei MP3 (Herstellerangaben, die wir nicht im Detail überprüft, aber als Richtwert für plausibel halten). Das Bildschirmchen ist im Vergleich zu den heutigen Handydisplays klein, und die Bedienung via Steuerkreuz macht im Touch-Zeitalter einen antiquierten Eindruck. Man kann mit dem Player auch Videos, Fotos und Podcasts konsumieren, wobei das am Smartphone deutlich komfortabler geht. Ein seltsames Feature ist das eingebaute UKW-Radio, zumal sich die so empfangbaren Programme weder durch Audioqualität noch durch Musikvielfalt auszeichnen.

Audioplayer und Kopfhörer hat uns Sony für den Langzeittest zur Verfügung gestellt. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.09.2016, 17:22 Uhr

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