Das Alles-drin-Handy mit Dreifachkamera im Test

Im neuen Huawei Mate 20 Pro steckt alles, was aktuell an Technik möglich ist. baz.ch/Newsnet hat es im Alltag ausprobiert.

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Nein, einen falt- oder zusammenrollbaren Bildschirm hat das Mate 20 Pro nicht. Aber sonst steckt im neuen Mate 20 Pro (1000 Franken) alles, was aktuell möglich und erhältlich ist: randloser Bildschirm, Entsperren per Gesichtserkennung, Fingerabdrucksensor im Bildschirm, 128 GB Speicher, neuster Prozessor, Riesen-Akku, Dreifachkamera, drahtloses Laden und sogar die Möglichkeit, per Berührung ein anderes Handy mit Strom zu versorgen.

Bei der Präsentation vor rund einem Monat klang das alles ziemlich vielversprechend. Doch wie so oft zeigt sich erst im Alltag, ob Technologie auch einen Mehrwert bietet oder nur drin ist, um ein paar wenige, aber meinungsstarke Technikfans zu erfreuen und der Marketingabteilung Superlative zu liefern.

Hochwertiges Äusseres

Packt man das neue Handy aus, staunt man einmal mehr über die hochwertige Verarbeitung. Hier hat Huawei in den letzten Jahren kontinuierlich zu Samsung und Apple aufgeschlossen und jetzt gleichgezogen. Allerdings trüben vereinzelte Berichte über Bildschirmprobleme bei einigen Modellen das ansonsten sehr gelungene Bild. Im Test konnten wir nichts Ähnliches feststellen.

Das Design erinnert beim Bildschirm an ein iPhone X, beim Gehäuse an ein neues Galaxy, aber in der Kombination und dank mutiger Farben wirkt das Handy dennoch eigenständig.

Tolle Kamera, fragwürdige künstliche Intelligenz

Besonders gefallen im Alltag die flotte Bedienung und natürlich die Kamera. Bei Letzterer empfiehlt es sich jedoch, die in der Werbung angepriesene künstliche Intelligenz zu deaktivieren. Die liefert hin und wieder Bilder wie vom Nachbearbeitungsprofi. Hin und wieder sieht es aber auch aus, als hätte man einen Kitschfan das Foto nachbearbeiten lassen.

Kommt dazu, dass sich Bilder kaum reproduzieren lassen. Mal sehen zwei innert Sekundenbruchteilen aufgenommene Fotos völlig unterschiedlich aus. Als hätte man sie mit zwei verschiedenen Kameras geschossen.

Mein Trick war jeweils: immer etwa drei Fotos zu schiessen. Zwei waren in der Regel okay, und eines war häufig so gut, dass man zweimal schauen musste, ob es wirklich von einem Handy stammt.

Weitwinkel statt Schwarzweiss

Ebenfalls gefallen hat im Test die neue Weitwinkelkamera. Selbst als nicht besonders euphorischer Weitwinkelfotograf muss man zugeben: Es hat sich gelohnt, die eine Schwarzweisskamera durch die Weitwinkelkamera zu ersetzen.

Damit hat man in einem Handy nun drei nützliche Perspektiven: weit weg (0,6x), normal (1x) und nah dran (3x). Per Software kommen dann noch mehr Zoomstufen (5x, 10x) dazu.

Insgesamt gibt es aktuell keine vielseitigere und beeindruckendere Handykamera. Was das angeht, ist Huawei der Konkurrenz gefühlt ein Jahr voraus. Besonders erfreulich, trotz der vielen Möglichkeiten, kann man damit auch als Anfänger und Gelegenheitsknipser sehr gute Fotos schiessen.

Ausdauernder Akku

Auch beim Akku kann das neue Mate auftrumpfen. Im Alltag reichte das mehrfach locker für einen Tag. Bei moderater Verwendung sollten auch zwei Tage möglich sein.

Dass man mit dem Handy auch andere Smartphones laden kann, ist dagegen eher eine Spielerei. Es ist langsam, und man muss schauen, dass sich die zwei Geräte konstant berühren. Trotzdem rettete das Huawei damit zweimal das iPhone des Testers.

Schnell entsperrt

Auch das Entsperren per Gesicht und mit dem Finger klappte schnell und zuverlässig. Gerade der Fingerscanner im Bildschirm erwies sich als gute Ergänzung zur Gesichtserkennung. Ja, es gefiel so gut, dass man sich das bei künftigen iPhones auch wünschen würde. Dort muss man, wenn die Gesichtserkennung nicht geklappt hat, nämlich jedes Mal einen Zahlencode eintippen.

Wo wir schon mit dem iPhone vergleichen: Das Apple-Telefon lässt sich mit meiner Sonnenbrille nicht per FaceID entsperren. Das Huawei kennt dieses Problem nicht. Auch mit der Sonnenbrille auf erkennt mich die Gesichtserkennung und entsperrt das Handy. Das ist einerseits erfreulich, andererseits hinterlässt es ein etwas mulmiges Gefühl. Bietet Huaweis Gesichtsscanner tatsächlich dieselbe Sicherheit, oder wurde hier etwas an den Toleranzen geschraubt? Hoffentlich werden sich Sicherheitsprofis das in den nächsten Wochen und Monaten genauer anschauen.

Bekannte Software

Weniger gefiel im Test die Software von Huawei. Hin und wieder ist es regelrecht dreist, wie sehr Elemente und Prozesse von der Konkurrenz inspiriert oder gar kopiert wurden. Hier wünschte man sich, Huawei würde sich auch in dem Bereich entweder mehr Mühe geben oder ganz auf die auf Android 9 draufgepflanzte eigene Benutzeroberfläche verzichten.

Ebenfalls negativ aufgefallen ist der Umgang von Huawei mit Google Fotos. Synchronisiert wurden die Fotos immer erst, wenn man die App geöffnet hat. Im Hintergrund ging da nichts. Hat da der Batterie-Spar-Algorithmus der App etwas unelegant den Saft abgedreht?

Fazit: Mit dem Mate 20 Pro ist Huawei erneut ein sehr gutes Smartphone gelungen. Es muss weder den Vergleich mit der Android-Konkurrenz noch mit dem iPhone scheuen. War früher in Testberichten oft die Rede vom iPhone-Killer – also einem Android-Handy, das es mit dem iPhone aufnehmen kann –, dürfte das Mate 20 Pro vor allem ein Galaxy-Killer werden. Samsung wäre gut beraten, sich für die nächsten Galaxy-Handys etwas einfallen zu lassen. Denn in der Paradedisziplin des südkoreanischen Marktführers – schöne, mit Technik vollgestopfte und teure Android-Handys – hat nun auch Huawei Fuss gefasst.

Alternativen zum Mate 20 Pro gibt es wie immer reichlich. Besonders interessant ist das im Frühjahr vorgestellte P20 Pro von Huawei. Das gibt es inzwischen schon zu einem Preis von unter 700 Franken. Erstmals taucht in dieser Liste auch das iPhone XR auf. Das neuste Apple-Handy gibts ab 880 Franken. Es hat zwar nur eine Kamera auf der Rückseite, doch ist es in Sachen Softwarekomfort und Alltagstauglichkeit zu dem Preis kaum zu schlagen. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 12.11.2018, 14:42 Uhr

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