Das iPhone X im 8-Punkte-Check

Kamera, Steuerung, schwarzer Balken: baz.ch/Newsnet hat das neuste Apple-Gerät getestet. Und so ist der erste Eindruck.

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Gestern hat Apple in Cupertino am neuen Hauptsitz neue iPhones und neue Apple Uhren vorgestellt. Das Highlight der Präsentation war das neue iPhone X (ausgesprochen: «iPhone ten» oder eben «iPhone zehn»).

baz.ch/Newsnet-Redaktor Rafael Zeier, der die Präsentation auf Einladung von Apple besuchte, konnte das neue Telefon bereits kurz ausprobieren. Hier seine ersten Eindrücke:

1. Wischsteuerung
Die spannendste Ankündigung am gestrigen Apple Event dürfte vielen entgangen sein. Nein, es ist nicht der randlose Bildschirm oder die Gesichtserkennung des iPhone X. Es ist die grundlegend neue Bedienung des iPhones. «This changes everything», liebt Apple zu sagen, und hier stimmts. Da für den Home-Knopf kein Platz mehr ist, kommt der Touchscreen nun zum ersten Mal voll zum Zug. Knöpfe sind ein Überbleibsel einer vergangenen Zeit. Digitales Holz- oder Filz-Imitat hat ausgedient, das gilt auch für Knöpfe und Schalter. Touchscreens können so viel mehr als analoge Knöpfe. Der neue Touch-Fahrplan der SBB mit seinen Wischgesten ist der beste Beweis dafür. Nun zieht das iPhone nach und nutzt künftig das volle Potenzial eines berührungsempfindlichen Bildschirms. Das ändert wirklich alles. Im ersten Test waren die Wischgesten zwar ungewohnt aber fühlten sich intuitiv und nachvollziehbar an. Nach ein paar Versuchen hat mans im Griff und nach ein paar Tagen dürfte man den Homeknopf vergessen haben. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis Apple diese neue Bedienmethode auf andere iPhones und natürlich auf das iPad bringt. Was das angeht, ist das iPhone X wirklich das Apple-Handy der Zukunft.

2. Bildschirm und neues Design
Der neue Bildschirm machte bei den ersten Versuchen einen sehr guten Eindruck. Die Farben waren kräftig aber nicht comichaft übertrieben. Mit dem neuen Bildschirm geht ein neues Design einher. Die Glasrückseite zieht Fingerabdrücke magisch an. Dafür gefällt der neue Stahlrahmen, der an die Apple Watch erinnert. Dank dem randlosen Design liegt das Telefon sehr gut in der Hand. Obwohl der Bildschirm grösser ist als beim iPhone 7 Plus fühlt es sich eher an wie das kleinere iPhone 7.

3. Entsperren
Die grosse Unbekannte bleibt der neue Entsperrmechanismus. Auf der Bühne gabs einen Fehlversuch. An den Demo-Tischen gelang es den Apple-Mitarbeitern dagegen auf anhieb das Telefon mit ihren vorgängig registrierten Gesichtern zu entsperren. Ob es im Alltag funktioniert, wird sich aber erst zeigen, wenn das Handy im November auf den Markt kommt. Aber schon jetzt ist offensichtlich, dass Apples Methode deutlich intuitiver funktioniert als die von Samsung, die weder beim S8 noch beim neuen Note 8 einen durchdachten Eindruck machte. Hacker und Bastler werden sich auf jeden Fall im November alle Mühe geben, den neuen Mechanismus zu überlisten. Ob es ihnen gelingt?

4. Doppelkamera
Die Kamera des iPhone X hat das Potenzial das wahre Highlight am neuen Telefon zu werden. Da nun auch das Zoom-Objektiv optisch stabilisiert ist, sollte es möglich sein, auch bei schlechtem Licht deutlich bessere Zoom-Aufnahmen zu machen. Beim iPhone 7 Plus war dieses Objektiv nämlich nicht über alle Zweifel erhaben. Beeindruckt hat im ersten Test auch der überarbeitete Porträt-Modus. Dank verschiedenen Beleuchtungs-Varianten, dürften damit künftig noch professioneller anmutende Fotos möglich werden. Bei sehr gutem Licht in den Demo-Räumlichkeiten gefiel die neue Kamera auf jeden Fall schon sehr. Auffällig ist, dass Apples Kamera-App Jahr für Jahr mehr Optionen und Auswahlmöglichkeiten bekommt und damit komplexer wird. Als Hobbyfotograf freut mich das. Wie gut Gelegenheitsfotografinnen und -fotografen damit zurecht kommen, wird sich zeigen.

5. Drahtlos Laden
Da drahtloses Laden im Alltag dann doch nicht ganz so drahtlos ist – schliesslich braucht es eine Ladematte und ein Kabel – ist die Technologie bis heute eine Randerscheinung geblieben. Nun da Apple auch mitmischt und verdankenswerterweise den offenen und etablierten Qi-Standard unterstützt, könnte diese Technologie doch noch ein Erfolg werden. Am Abend iPhone, Apple Watch und Airpods auf eine Ladematte zu legen klingt auf jeden Fall vielversprechend. Hersteller wie beispielsweise Ikea sind bereits dafür gerüstet. Noch unklar ist, was es mit Apples eigenem Air-Power-Standard auf sich hat und wie sich der mit dem Qi-Standard verträgt. Apple hat nämlich auch eine eigene Ladematte angekündigt. Die soll im nächsten Jahr auf den Markt kommen. Ob man darauf dann auch ein Samsung-Handy laden kann? Apropos Laden: Das iPhone X wie auch das iPhone 8 hat weiterhin einen Lightning-Anschluss. Man kann es also auch wie gehabt per Kabel laden. Noch ist drahtlos Laden nicht Pflicht. Wer weiss, vielleicht ändert sich das aber schon bald (Kabelsalat: Die EU trödelt und verschafft Apple eine Gnadenfrist).

6. Schwarzer Balken
Wenn ich beim neuen iPhone irgendwo Zweifel habe, dann beim schwarzen Balken am oberen Ende. Dort stecken all die Kameras und Sensoren für die Gesichtserkennung drin. Der Balken dominiert die obere Bildschirmhälfte, ragt bei Videos ins Bild und stört die Illusion, ein Handy in der Hand zu halten, das nur aus Bildschirm besteht. Der schwarze Balken erinnert ein bisschen an die ersten runden Smartwatches deren Bildschirme auch nicht ganz rund waren. Ich kann mir gut vorstellen dass bei künftigen iPhones dieser Balken schrumpfen wird. Aktuell dürfte das rein technisch aber noch nicht möglich sein. Ich wüsste zu gerne wie schwierig es für das Technik-Team war, Apples Design-Chef Jony Ive für diesen Kompromiss zu gewinnen.

7. Preis
1199 Franken für ein Handy mit 64 GB ist nicht billig. Andererseits ist das Smartphone der wichtigste Computer in unserem Leben. Für Laptops und Fotokameras bezahlen wir häufig mehr. Ich vermute mal, der hohe Preis wird dem neuen iPhone nicht im Wege stehen. In der Schweiz sowieso nicht. Hier bezahlen wir ja alle für das bisschen mehr auch gerne ein bisschen mehr.

8. Wer will 8, wenn man 10 haben kann?
Gespannt bin ich, was das iPhone 10 resp. X für den Verkauf des iPhone 8 bedeutet. Wenn man schon so viel Geld in die Hand nimmt, dürfte die Versuchung gross sein, auch gleich das Beste und nicht das zweitbeste iPhone haben zu wollen. Fest steht: Das iPhone X lässt das iPhone 8 alt aussehen, bevor es überhaupt auf den Markt kommt. Zur Ehrenrettung des iPhone 8 kann man einzig anführen, dass es ein bewährtes Design ist. Es basiert auf dem iPhone 6 und hat sich über Jahre bewährt. Böse Überraschungen dürften ausbleiben. Das iPhone X andererseits ist das erste seiner Art. Darum kann man hier die goldene Regel eines jeden Tech-Kaufs ins Feld führen: Kauf nie ein Gerät der ersten Generation. Aber bei dem Bildschirm und der Kamera ist es schwer, Vernunft walten zu lassen. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.09.2017, 08:17 Uhr

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