Die Apple Watch kannibalisiert das iPhone

baz.ch/Newsnet hat die Apple Watch der dritten Generation anprobiert.

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Apples verschiedene Geräte kommen sich immer wieder in die Quere und graben sich gegenseitig das Wasser ab. Interne Konkurrenz oder Kannibalisierung nennt sich das. Der iMac kann zusehends Sachen, die ursprünglich nur der Mac Pro konnte. Das Macbook kann immer mehr Sachen, die zuvor nur ein Mac konnte. Das iPad schnappt dem Macbook Kunden weg. Das iPhone wächst und macht in vielen Fällen ein iPad überflüssig. Die Apple Watch schliesslich schnappt sich immer mehr Funktionen des iPhone. So funktioniert Apple. Dieses Prinzip ist eines der Erfolgsgeheimnisse des Konzerns.

Gestern hat die Apple Watch einen grossen Sprung vorwärts gemacht und sich die einstige Kernkompetenz des iPhone einverleibt. Künftig ist die Smartwatch auch ein Telefon. Ein grosser Schritt für die noch junge Produktegattung im Apple-Sortiment.

Redaktor Rafael Zeier, der die Präsentation der neuen Uhr auf Einladung von Apple besuchte, konnte die Apple Watch der neusten Generation bereits kurz ausprobieren. Hier seine ersten Eindrücke:

LTE

Die Konkurrenz bietet die Möglichkeit, mit der Smartwatch ins Handynetz zu gehen, schon seit Jahren. Aber SIM-Karten in eine Uhr zu stecken und zusätzliche Abos abzuschliessen, war bis anhin mühsam. Apple verspricht, das zu vereinfachen. Wie gut das klappt, muss ein Test zeigen. Doch es ist äusserst vielversprechend, dass die Uhr nun weitestgehend ohne iPhone auskommt. Damit schafft Apple einen Kritikpunkt aus der Welt, der die Uhr seit ihrer Präsentation vor drei Jahren begleitet hat. Bis die Apple Watch aber so eigenständig ist, dass sie mit einem Android-Handy auch funktioniert, dürfte es aber noch ein paar Updates brauchen. Ich freue mich aber schon darauf, das iPhone künftig über Mittag auch mal im Büro liegen lassen zu können oder am Feierabend nur mit meiner Fotokamera der Uhr und ohne Handy spazieren zu gehen.

Mehr Speed

Ohne in die technischen Details zu gehen, kann man schon jetzt sagen, dass die neue Apple Watch noch mal leistungsfähiger wird. Entscheidend ist das bei der Bedienung. Die aktuelle Version ist zwar deutlich schneller als ihr Vorgänger, hat aber immer noch reichlich Raum für Verbesserung. Dank den neuen Chips dürfte die Apple Watch noch flüssiger zu bedienen sein. Eine zentrale Rolle spielt hier auch die Software. Dank den neuen Chips dürfte die Apple Watch die nächsten Jahre mit neuen Versionen von watchOS gut mithalten können. Übrigens: Die neue Apple-Uhr hat nun auch offiziell ein Altimeter und kann damit Höhe messen. Das Vorgängermodell hatte zwar den entsprechenden Chip, aber der war wohl nicht aktiviert (Überraschung: In der neuen Apple Watch steckt doch ein Barometer). Ob der nun nachträglich aktiviert/benutzbar wird, werde ich bei Gelegenheit mal nachfragen. Ich würde mir aber keine grossen Hoffnungen machen.

Neue Armbänder

Was häufig übersehen wird, ist der Stellenwert von neuen Armbändern. Bei meinen mechanischen Uhren wechsle ich das Armband regelmässig und je nach Lust und Laune. So hat man jedes Mal wieder eine neue Uhr. Bei der Apple Watch ist das nicht anders. Trotzdem wird der Konzern regelmässig belächelt, wenn er neue Armbandkollektionen vorstellt. Würde Apple Verkaufszahlen veröffentlichen, würde diese Kritik schnell verstummen. Auch dieses Mal sind wieder viele neue Modelle und Farben dabei. Das neue Klettverschlussarmband ist praktisch, und die neuen Luxusarmbänder von Hermès haben teils überraschende Designs. Am besten gefallen mir dieses Mal allerdings Apples eigene Lederarmbänder in Kosmosblau und Dunkelaubergine. Ein Lederarmband in einem ähnlichen Dunkelviolett habe ich mir kürzlich beim Genfer Hersteller Lucrin gekauft.

Nicht mehr Akku

Der Hauptkritikpunkt an der Apple Watch bleibt bestehen. Man muss sie weiterhin täglich laden. Ich habe mich inzwischen damit arrangiert und lade sie jeweils am Abend vor dem Schlafengehen und am Morgen während des Duschens. Doch wer in der Vergangenheit mit der Ausdauer der Uhr gehadert hat, wird das auch weiterhin.

Kein Schlaftracking

Worauf wartet Apple? Smartwatches und Fitnessarmbänder der Konkurrenz helfen seit Jahren dabei, den Schlaf zu vermessen. Ja selbst auf der Apple Watch ist es dank speziellen Apps möglich – wenn auch nicht besonders bequem oder elegant. Apple hat diesen Mai eine Firma aufgekauft, die sich genau darauf spezialisiert hat. Es ist höchste Zeit, dass Apple diese Funktion nachreicht und direkt in die Uhr einbaut.

Roter Punkt

Design ist bekanntlich Geschmackssache. Ich hadere mit dem roten Punkt auf der Krone der neuen LTE-fähigen Apple-Uhren. Ähnlich wie das rote Leica-Logo auf den nicht gerade billigen Kameras signalisiert der rote Punkt bei der Apple Watch, dass man ein teures Modell hat. Das muss nicht sein. Als Fan nicht gerade billiger Schweizer Armbanduhren bin ich hochpreisigen Uhren nicht abgeneigt, aber der rote Punkt wirkt ziemlich plump und schreierisch. Zumal man ihn als Träger kaum sieht. Dafür sieht ihn das Gegenüber umso besser. Kommt dazu, dass sich das Rot nicht mit allen Armbändern verträgt. Wirklich unverständlich, warum sich das sonst für zurückhaltende und elegante Produkte geschätzte Designteam von Apple für diesen roten Punkt entschieden hat.

Preis

Die neue Uhr mit LTE gibts ab 449 Franken, das Modell ohne LTE (und ohne roten Punkt) gibts ab 369 Franken, und die Modelle der Series 1 gibts künftig ab 279 Franken. Was die Gerätekosten angeht, herrscht Transparenz und hat sich wenig verändert. Unklar ist jedoch, was die Abos von Sunrise und Swisscom für die LTE-Uhren kosten werden. Da werden die nächsten Tage sicher Klarheit bringen. Sind es 5 Franken pro Monat? Oder vielleicht 10? Auch unklar ist, wann der Dienst in der Schweiz lanciert wird. Fest steht nur, dass es noch dieses Jahr so weit sein soll. Unklar ist weiter, ob andere Telecomanbieter nachziehen werden. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.09.2017, 10:45 Uhr

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