Googles 10 wichtigste Baustellen

Heute kündet der Techkonzern Neuheiten und Verbesserungen an. Worauf man bei der Schau achten sollte.

Es bleibt viel zu tun bei Google.

Es bleibt viel zu tun bei Google. Bild: Reuters

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Wenn die Google Manager und Techniker heute auf der Showbühne in Mountain View, Kalifornien, stehen, werden sie zahlreiche Neuheiten und Verbesserungen ankünden. Künstliche Intelligenz und Assistenten werden eine zentrale Rolle spielen. Doch auch das neue Android P (Der vollständige Name ist noch ein Geheimnis) wird zweifellos vorgeführt werden.

Doch es lohnt sich bei der heutigen Präsentation, abgesehen vom üblichen «schneller, grösser, besser», auch einen Blick auf diese zehn Punkte zu werfen:

1. Chrome

Vor zehn Jahren war Googles eigener Browser eine Revolution. Chrome konnte nicht viel, dafür war der Browser rasend schnell und einfach. Dass er die gesamte Konkurrenz hinter sich liess und zum weltweit erfolgreichsten Browser wurde, ist keine Überraschung. Doch verglichen mit dem Chrome von damals ist das heutige ein Monster an Funktionen, Optionen, Erweiterungen und vor allem Ressourcen-Hunger. Selbst ertappe ich mich immer wieder dabei, wie ich auf Windows selbst Google-Dienste lieber im Edge-Browser von Microsoft nutze, da sie dort schneller und effizienter laufen. Soll Chrome auch die nächsten zehn Jahre die Nummer eins bleiben, täte Google gut daran, sich auf die einstigen Qualitäten zurückzubesinnen.

2. Wear OS by Google

Sie haben noch nie von Wear OS by Google gehört? Keine Sorge. Es handelt sich dabei um einen alten Bekannten: Android Wear. Google hat kürzlich den Namen des Betriebssystems für smarte Uhren geändert. Nicht zuletzt, um zu signalisieren, dass die Smartwatches mit Wear OS eben auch mit iPhones harmonieren. Ein geschickter Namenswechsel alleine wird aber nicht reichen. Während Apple mit der Apple Watch Vollgas gibt und sie kürzlich gar die meistverkaufte Uhr der Welt feierte, ist Google spürbar mit angezogener Handbremse unterwegs. Die Software wirkt nach wie vor unfertig, und die Hardware hinkt hinter Konkurrenten wie Apple, aber auch Samsung her. Google hat aber einen Trumpf im Ärmel: Mit Uhrenfirmen wie Fossil oder TAG Heuer hat der Konzern motivierte Partner, die wissen, wie man Uhren verkauft. Google sollte alles daran setzen, ihnen die nötige Technologie zu liefern. Dann wäre Wear OS ideal positioniert, um Samsungs Tizen und Fitbit OS überflüssig zu machen und zum einzigen Herausforderer von Apples watchOS zu werden.

3. Updates

Gebetsmühlenartig weisen Kritiker darauf hin, dass Android-Geräte keine oder nur sehr langsam Updates bekommen. Google konterte die Kritik mit zwei Ansätzen. Einerseits hat der Konzern mit den Pixel-Handys nun eigene Smartphones, die unverzüglich mit Updates versorgt werden. In der Schweiz sind sie allerdings nur als Import bei Onlinehändlern erhältlich und wegen Reparatur/Garantie-Komplikationen nur für ungeduldige Technikfans zu empfehlen. Der zweite Ansatz ist – mindestens hierzulande – der vielversprechendere. Mit Android Oreo (8) hat Google Projekt Treble vorgestellt. Damit können Updates schneller ausgeliefert werden, da alle Software-Änderungen, die Handyhersteller am Original-Android vorgenommen haben, davon nicht tangiert werden. Ob Projekt Treble den gewünschten Erfolg bringt, muss sich aber noch zeigen. Die Tatsache, dass auf dem neuesten Sony-Handy trotz Projekt Treble dann nur Android 8 statt 8.1 lief, zeigt, dass noch nicht alles rundläuft.

4. Bedienung

Das neue Android P soll für frontfüllende Bildschirme mit einer Aussparung am oberen Rand, wie man sie schon vom iPhone X kennt, optimiert sein. So viel hat Google schon verraten. Ein Puzzlestein fehlt allerdings noch. Die aktuelle Android-Bedienung mit den Zurück-, Home- und Multitasking-Knöpfen am unteren Bildschirmrand ist bei frontfüllenden Bildschirmen nicht mehr ideal oder bequem (Auf Apples Ablenkungsmanöver hereingefallen). Die logische Konsequenz wäre ein neues Bedienkonzept mit Wischgesten. Beim iPhone X hat sich das bestens bewährt. Ob Google heute nachzieht?

5. Tablets

Wenn es um Tablets geht, ist Android gegenüber iOS und Windows 10 klar im Nachteil. Viele Apps sind nicht für die anderen Bildschirmformate oder gar Querformat optimiert. Unklar ist, welchen Stellenwert grössere Bildschirme in der Android-Abteilung noch haben. Das Pixel C war 2015 das letzte Android-Tablet aus dem Hause Google. Das neue Pixelbook (ein zum Tablet faltbarer Laptop) nutzt Chrome OS statt Android. Gibts also künftig Android für Handys und Chrome OS für Laptops und Tablets? Die Situation ist verwirrlich. Und sie wird noch verwirrlicher …

6. Andromeda/Fuchsia

Google arbeitet mehr oder weniger in der Öffentlichkeit an einem neuen Betriebssystem. Entwickler können Teile davon bereits ausprobieren. Doch was hat Google damit vor? Bringt es die Fusion von Android und Chrome OS, ist es ein kompletter Neuanfang, oder ist es nur eine interne Bastelei? Viel Neuigkeiten dazu sollte man an der diesjährigen Entwicklerkonferenz allerdings nicht erwarten.

7. Messenger

Google und Kurznachrichten wollen einfach nicht zusammenpassen. Alles, was Google in den letzten Jahren ausprobiert hat, um Whatsapp, iMessage und Co. Paroli zu bieten, blieb unausgegoren und wurde nach ein paar Jahren pausiert oder eingestellt. Erinnert sich noch jemand an Allo? Der neuste Ansatz ist jedoch vielversprechend: Statt einen eigenen Dienst zu lancieren, will Google zusammen mit den Telecomanbietern SMS modernisieren. Ein offener Standard, der auf allen Geräten und ohne spezielle Apps funktioniert, wäre tatsächlich eine nützliche und willkommene Neuerung. Die Sache hat nur einen Haken: Der neue Dienst wäre, wie auch schon das SMS, nicht verschlüsselt.

8. Virtual Reality

Google (wie auch Facebook) hat in den letzten Jahren viel Energie darauf verwendet, Virtual Reality in den Alltag zu bringen. Cardboard, eine Kartonbrille fürs Handy, war ein vielversprechender und unkomplizierter Ansatz. Die neue Daydream-Plattform ist technologisch auf dem neusten Stand. Aber nach wie vor sind die abgedunkelten Taucherbrillen den Beweis schuldig geblieben, dass sie ein breites Publikum für sich begeistern können und nicht bloss ein weiterer Massenmarkt-Flop wie 3-D-Fernseher sind. Der viel alltagstauglicheren Technologie Augmented Reality, die Informationen direkt ins Blickfeld projiziert, gehört die Zukunft. Google war mit der Glass-Brille ein Pionier. Seither ist es merklich ruhig geworden um Googles Ambitionen.

9. Abgang des KI-Chefs

Anfang April wurde bekannt, dass Apple mit John Giannandrea den Chef von Googles Abteilung für künstliche Intelligenz abgeworben hat. Wer die Google-Präsentationen der letzten Jahren verfolgt hat, weiss, welch zentrale Rolle künstliche Intelligenz für den Techkonzern heute spielt. Unter Giannandrea ist Google zu einem der führenden Unternehmen in diesem immer wichtigeren Bereich geworden. Wie schwer der Abgang des Chefs wiegt, wird sich zeigen.

10. Datenschutz

Die Kontroverse um Facebook und Cambridge Analytica hat Google (bis jetzt) elegant an sich vorbeiziehen lassen. Trotzdem wird man dort die Diskussion mit Argusaugen beobachten, sitzen Google und Facebook doch in vielen Belangen im selben Boot. Ein Grossteil der Dienste von Google funktioniert nur darum so gut (und besser als Konkurrenzangebote), weil unglaublich viele persönliche Informationen erfasst, verarbeitet und ausgewertet werden. Wie Google künftig den Spagat zwischen Datenschutz, technischen Möglichkeiten und natürlich Werbemöglichkeiten hinbekommt, dürfte intern ein grosses Thema sein. An der Entwicklerkonferenz werden solche Themen höchstens für einen kurzen Hinweis im Eröffnungsmonolog reichen.

Die jährliche Google-Entwicklerkonferenz beginnt heute um 19 Uhr. baz.ch/Newsnet berichtet live. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.05.2018, 11:15 Uhr

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