Alltagstest

Nintendos Karton-Bausatz ausprobiert

Die neueste Kreation des Spielekonzerns setzt auf Karton und Bastelanleitung statt Geballere. Kann das gut gehen?

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es fährt! Es fährt tatsächlich!

Munter kurvt das eben gebastelte ferngesteuerte Kartonauto oder eher UFO durch unsere Stube.

Video – Das Nintendo-Kartonauto im Test

Bausätze waren nie meine Stärke. Den Millennium Falken aus Plastik: nie fertig gebaut. Das Schloss Sargans aus Papier: musste Papa machen. Entsprechend skeptisch war ich, als ich die viel grösser als erwartet dimensionierte Schachtel mit den Nintendo-Labo-Bausätzen (80 Franken, inkl. Konsole 400 Franken) auspackte. Gestanzte Kartonbögen, wohin das Auge reicht.

Als dann auch noch klar wurde, dass man je nach Bausatz anderthalb bis zu über drei Stunden braucht, war klar, das hier ist kein Spielerei für nebenher. Nintendo meint es ernst.

Einfacher als gedacht

Zum Glück hat Nintendo aber auch an ungeduldige Tester gedacht. Das ferngesteuerte Auto liesse sich in zehn Minuten bauen. Also ran an den Karton!

Anfängliche Zweifel verfliegen umgehend. Die Anleitung, die auf dem kleinen Tablet-Bildschirm Schritt für Schritt erklärt, ist so schlau gemacht, dass auch Bastelnieten nie die Lust oder Orientierung verlieren.

Dass das ferngesteuerte Auto ohne Räder daherkommt, stimmt anfänglich etwas skeptisch. Habe ich doch den falschen Bausatz genommen? Doch dann muss man die Joysticks der Spielkonsole ins Auto einbauen – und mir geht ein Licht auf. Das Nintendo-Auto fährt nicht mit Rädern, sondern mit Vibrationen. In beiden Joysticks steckt nämlich ein Vibrationsmotor, der bei Spielen Bodenwellen oder Stürze simulieren soll. Doch Vibrationsmotoren können noch mehr. Eine App nutzte einst den Vibrationsmotor des iPhones, um es um 360° zu drehen und ein Rundumfoto zu schiessen.

Nintendo nutzt die Motoren nun also, um das Auto zu steuern. Wie bei einem Panzer geht es vorwärts, wenn man beide Motoren vibrieren lässt. Lässt man nur einen vibrieren, gibt es eine Kurve.

Wild surrend (wie man es vom Vibra-Alarm in Handys kennt) saust das Auto durch die Stube. Abgesehen von ein paar Stürzen auf unserem alten Parkettboden klappt das vorzüglich. Und macht deutlich mehr Spass, als es die für sich simplen Zutaten vermuten liessen. Doch das ist erst der Anfang.

Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt so viel Spass mit einer Spielkonsole hatte.

Es gibt auch noch einen Profi-Modus. Dort kann man die Vibrationsstärken präziser aufeinander abstimmen, sodass man noch besser und zuverlässiger unter dem Tisch oder dem Sofa hindurch surren kann.

Wer wissen möchte, wieso das denn nun alles funktioniert, findet in der Spiele-App verständliche Erklärungen und Tricks, was man auch noch ausprobieren könnte. Erst so erfahre ich vom Auto-Modus. Das Auto kann nämlich auch selbstständig fahren. Man muss dazu aus dem Kartonbogen eine Art Verkehrstafel abtrennen und einen weissen Kleber drauf machen.

Nun soll das Auto automatisch darauf zu fahren. Wie das wohl geht? Des Rätsels Lösung: Im roten Joystick steckt eine Infrarot-Kamera. Die erkennt das Verkehrsschild und steuert das Auto darauf zu.

Einladung zum Experimentieren

Unglaublich, wie viel Technologie in den kleinen Joysticks steckt, denke ich und beginne zu experimentieren. Tatsächlich, das Auto folgt dem Verkehrsschild, auch wenn man damit durch die Wohnung läuft. Einzig die Reflektoren an den Kinderschuhen lenken es ab.

Wer nach den vielen Möglichkeiten noch nicht genug hat, kann auch eigene Funktionen und Minispiele programmieren. Aber mein nächstes Ziel ist es nun, das Kartonklavier zu bauen. 150 bis 210 Minuten müsse man einplanen. Das nächste verregnete Wochenende kann kommen.

Erster Eindruck: Schon nach dem einfachsten und kleinsten Bausatz von fünf ist klar, hier hat Nintendo erneut einen Volltreffer gelandet. Mit der Switch-Konsole hat der Konzern bereits einen Überraschungs-Hit gelandet. Dass nun ausgerechnet Kartonzubehör die Konsole noch mal lustiger und sogar didaktisch wertvoll macht, hätte vorab wohl kaum jemand erwartet. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt so viel Spass mit einer Spielkonsole hatte. Bravo, Nintendo!

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.05.2018, 06:06 Uhr

Artikel zum Thema

Nintendo Switch – etwas für Mutige

Getestet Über weite Strecken gefällt die neue Konsole. Es gibt aber auch ein paar Wermutstropfen. Mehr...

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Blogs

Von Kopf bis Fuss Die Top 9 der probiotischen Produkte

Beruf + Berufung Ihr Büro ist die Welt

Die Welt in Bildern

Volle Lippen: Indische Künstler verkleiden sich während des Dussehra Fests in Bhopal als Gottheit Hanuman. (19.Oktober 2018)
(Bild: Sanjeev Gupta/EPA) Mehr...