So klingt es, wenn der Google-Roboter anruft

Der Techkonzern will uns lästige Telefonate abnehmen. Unheimlich oder unheimlich praktisch? Hören Sie selbst.

Ist da ein Mensch oder doch ein Google-Roboter am anderen Ende der Leitung?

Ist da ein Mensch oder doch ein Google-Roboter am anderen Ende der Leitung? Bild: Reuters

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Mit einem Computer zu sprechen wie mit einem Menschen, ist seit Jahrzehnten eines der grossen Ziele von Forschern und Techkonzernen. Erste Sprechprogramme auf frühen PCs waren höchstens ulkig, 2011 zeigte Siri was theoretisch möglich wäre, 2015 bewies Amazon mit den Echo-Lautsprechern, dass die Technologie durchaus alltagstauglich sein kann, und gestern setzte Google noch eins drauf.

An der jährlichen Entwicklerkonferenz im kalifornischen Mountain View zeigte der Techkonzern ein neues Projekt namens Google Duplex. Damit sollen dereinst lästige Telefonate überflüssig werden.

Stets zu Diensten

Wie einem Butler sagt man der Assistenzsoftware: «Buch mir einen Coiffeurtermin» oder «Reservier mir einen Tisch in diesem Restaurant» oder «Hat der Laden heute geöffnet?».

Völlig selbstständig macht sich der Assistent dann im Hintergrund an die Arbeit. So sich die gestellte Aufgabe nicht im im Internet oder einer App erledigen lässt - und hier wirds nun beeindruckend - , greift die Software zum Telefonhörer und ruft beim jeweiligen Geschäft an und bucht den Termin oder holt die nötige Information ein.

Als Nutzer bekommt man davon nichts mit. Man bekommt auf dem Handy oder am Computer nur angezeigt, wann man denn nun zum Coiffeur soll oder wann der Laden geöffnet hat.

Doch wie klingt es für den Ladenbesitzer? Um das zu zeigen, hat Google mehrere Demotelefonate publiziert:

Erstaunlich ist, wie menschlich der Google-Telefonist klingt. Wie ein richtiger Mensch macht er «äh» und sagt auch mal «mhmmm».

Doch reibungslos funktioniert es aktuell nur in der Vorführung von Google. Die neue Technologie solle ab Sommer breiter getestet werden, schreibt das Unternehmen in einem Blog-Artikel.

Der Mensch muss helfen

Wenn die Roboterstimme in einem Telefonat nicht mehr weiterweiss, kann sie aktuell einen Menschen zu Hilfe rufen. Ob das im fertigen Produkt dann auch noch möglich ist, lässt Google offen.

Schlussendlich verspricht sich Google davon in erster Linie einen Komfortgewinn für die Nutzer. Aber auch kleine Geschäfte, die keine Websites oder Apps haben, sollen davon profitieren, da sie durch die Roboteranrufe ohne eigenes Zutun ein Onlinebuchungssystem bekommen.

Auch Menschen mit Sprachbehinderungen sollen davon profitieren. Da Google bereits einen sehr guten Übersetzungsdienst hat, sollen die Robotertelefonate dereinst auch Sprachbarrieren überwinden. So könnte man schon bald in den Ferien auf dem Handy das Restaurant aussuchen, und Google übernimmt die Reservation.

Ungeklärte Fragen

Noch gibt es aber reichlich offene Fragen. Auffällig ist, dass sich der Google-Assistent in keinem der Demotelefonate als Roboter zu erkennen gibt. Auch schreibt Google, dass es den Dienst anhand anonymisierter Telefonate trainiert.

Muss der Coiffeur der Zukunft dann vielleicht, bevor er mit dem Google-Roboter telefonieren kann, einem Datenschutzvertrag zustimmen, wie man ihn heute von Apps kennt?

Und was passiert, wenn der Google-Assistent statt einen Tisch für zwei das ganze Restaurant reserviert? Wer zahlt dann? (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.05.2018, 10:16 Uhr

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