Roboter als Partner – und niemand denkt nach

Künstliche Intelligenz, Roboter, Internet et cetera: Dem Globus steht eine Revolution bevor, wie es sie nie zuvor gegeben hat.

An Roboter im Alltag müssen wir uns wohl schneller gewöhnen, als wir das heute noch für möglich halten.

An Roboter im Alltag müssen wir uns wohl schneller gewöhnen, als wir das heute noch für möglich halten. Bild: Keystone

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Die Sensationsmeldungen reissen nicht ab. Ende September beschrieb die South China Morning Post einen Roboter, der einer Frau einen mit 3D-Technologie hergestellten Zahn implantierte. Kurz darauf informierten KI-Experten von Google über einen Computer, der sich im strategischen Brettspiel Go innerhalb weniger Tage das Wissen beibrachte, das sich Menschen während mehr als 2000 Jahren angeeignet hatten. Diese Woche schrieb die FAZ über die Uni Marburg, wo seit diesem Semester ein Sprachwissenschaftler einen Roboter als Assistenten mit in den Hörsaal nimmt.

Fachzeitschriften berichten von Computern, die neugierig und teamfähig sind sowie sich gegenseitig aushelfen, wenn einer ein Problem hat, also über menschliche Eigenschaften verfügen. Für kreative Maschinen finden bereits Kunstwettbewerbe statt: Die Robot Art Competition, an der Gemälde von Robotern prämiert werden, wurde vom Nachrichtenmagazin Newsweek als «Android Warhol» bezeichnet.

Kurz: An Roboter im Alltag müssen wir uns wohl schneller gewöhnen, als wir das heute noch für möglich halten. Die immer schnelleren Rechner und stets leistungsfähigeren Chips machen künstliche Intelligenz (AI) zur Massenware.

Zumal Roboter immer billiger werden. Bis 2025 könnten sie rund 65 Prozent weniger kosten als heute, heisst es bei ARK Invest, wo Analysten Innovationspotenziale auskundschaften. Kombiniert mit Fortschritten bei der Künstlichen Intelligenz und Computer Vision werde dieser Trend zu einem weiteren Vormarsch der Roboter führen.

Vor einer globalen Revolution

Da kommt also einiges auf uns zu. Laut einer Befragung von Experten in künstlicher Intelligenz besteht eine Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent, dass in 120 Jahren alle Jobs automatisiert werden.* Deutlich weniger Zeit werde verstreichen, bis Maschinen auf zahlreichen Gebieten besser sein werden als Menschen. In nicht mehr so ferner Zukunft werde AI auf folgenden Gebieten effizienter sein als der Mensch: bei Übersetzungen im Jahre 2024, zwei Jahre später beim Verfassen von Essays von Gymnasiasten, 2027 beim Fahren eines Lastwagens, 2049 beim Schreiben eines Bestsellers und 2053 als Chirurg.

Das sind brisante Prognosen. Und wenn man an die rasante Entwicklung der letzten Jahre denkt, scheinen die Voraussagen über das AI-Potenzial nicht einmal so verwegen.

Künstliche Intelligenz, Roboter, Internet et cetera: Dem Globus steht eine Revolution bevor, wie es sie nie zuvor gegeben hat. Der Mensch wird sich an die neuen Zeitgenossen zu gewöhnen haben und lernen müssen, wie er mit ihnen umgehen will.

Der Westen muss sich der Debatte über das künftige Leben mit Robotern dringend stellen.

Doch nur wenige setzen sich damit fundiert auseinander. China ist laut Experten derzeit das einzige Land, in dem die Politik diese technologischen Entwicklungen wirklich ernst nimmt und die langfristigen Auswirkungen betrachtet. In den nächsten drei Jahren will die Volksrepublik mehr als 15 Milliarden Dollar in Forschungslabors für AI und das Internet der Dinge investieren. Weltweit, also nicht nur in China, sondern auch in Ländern wie den USA, Singapur und Israel.

Der Westen muss sich der Debatte über das künftige Leben mit Robotern dringend stellen. Das fordert mit Recht der israelische Bestsellerautor und Zukunftsforscher Yuval Noah Harari, der neulich (zusätzlich zu vielen anderen Ehrungen) mit dem renommierten deutschen Wirtschaftsbuchpreis ausgezeichnet worden ist. In einem Interview mit dem Handelsblatt zur Preisverleihung regt er ein Nachdenken über die neuen technologischen Möglichkeiten an – und das Formulieren von Alternativen, wie mit der Technik umzugehen ist.

Doch er ist skeptisch: Denn heute sei «weder die linke noch die rechte Seite des politischen Spektrums in der Lage, wirklich relevante Visionen zu entwickeln». Dass künstliche Intelligenz und Biotechnologie die Welt stärker verändern würden als seinerzeit Dampfmaschine, Eisenbahn und Radio: Dafür interessiere sich die Politik nur am Rande. Wer weiss: Am Ende müssen Politiker von kreativen Maschinen abgelöst werden ...*https://arxiv.org/abs/1705.08807 (Basler Zeitung)

Erstellt: 24.10.2017, 11:45 Uhr

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