Robotersteuer geht in die falsche Richtung

Die Digitalisierung ist eine Chance. Wir sollten sie nicht künstlich bremsen.

Automatisierte Kassen sollen an Attraktivität verlieren, die Jobs der Kassierinnen und Kassierer geschützt werden. Doch ist der Ansatz zielführend?

Automatisierte Kassen sollen an Attraktivität verlieren, die Jobs der Kassierinnen und Kassierer geschützt werden. Doch ist der Ansatz zielführend? Bild: Keystone

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Wir brauchen eine Robotersteuer. Diese Meinung vertritt Bill Gates. Der Microsoft-Gründer findet, wenn Software und Roboter mehr und mehr die menschliche Arbeitskraft ersetzen, sollte man sie entsprechend besteuern.

Konkrete Vorstösse in diese Richtung gibt es auch in der Schweiz. Ein Gesetzesentwurf aus dem Kanton Genf etwa fordert eine Steuer auf Ladenkassen, an denen die Kundinnen und Kunden selber auschecken. Automatisierte Kassen sollen an Attraktivität verlieren, die Jobs der Kassierinnen und Kassierer geschützt werden. Doch ist der Ansatz zielführend? Droht uns aufgrund der Digitalisierung eine Massenarbeitslosigkeit? Oder sind künftig nicht einfach andere Berufsbilder gefragt?

Zahlreiche neue Stellen

Genau dieser Frage geht Luc Zobrist in einem bemerkenswerten Kommentar in der Finanz und Wirtschaft (Ausgabe vom 29. August 2017) nach. Der Ökonom im Research Team von Deloitte Schweiz beurteilt die «Robotersteuer» skeptisch und verweist auf eine wichtige Tatsache: Zwar gingen in der Vergangenheit viele Jobs aufgrund des technischen Fortschritts verloren. Aber es wurden auch zahlreiche neue Stellen geschaffen.

«Der technologische Fortschritt hat das Lohnniveau und die Zahl der Beschäftigten in den letzten gut 200 Jahren massiv erhöht», schreibt Zobrist. Die maschinelle Produktion von Kleidern etwa habe die Produktivität steigen und die Preise der hergestellten Ware sinken lassen, wodurch die Realeinkommen der Konsumenten stiegen, argumentiert der Ökonom. Das zusätzlich verfügbare Geld sei für andere Produkte und Dienstleistungen ausgegeben worden, wodurch neue Arbeitsplätze entstanden. «Die Automatisierung in der Textilindustrie hat gesamtwirtschaftlich viel mehr neue Stellen geschaffen als alte verdrängt.»

Dass dies nicht nur für längst vergangene Tage gilt, sondern auch in jüngerer Zeit Gültigkeit hatte, belegt eine Studie von Deloitte Schweiz, an der Zobrist mitgearbeitet hat (Transformation der Schweizer Wirtschaft – Die Auswirkungen der Automatisierung auf Beschäftigung und Branchen; 2016). Die Hauptaussage findet sich gleich am Anfang: «Die positiven Auswirkungen der Automatisierung auf den Schweizer Arbeitsmarkt haben in der Vergangenheit überwogen. In den letzten 25 Jahren wurden netto über 800'000 neue Stellen geschaffen – nicht zuletzt dank Automatisierung.»

Der Grund: Die Preise vieler Güter seien gesunken, die Löhne angestiegen. Dies habe die Nachfrage nach Produkten erhöht und neue Jobs geschaffen. «Die Arbeit dürfte uns deshalb auch in Zukunft nicht ausgehen: Gemäss Beschäftigungsprognosen dürften in der Schweiz bis 2025 netto 270'000 neue Stellen entstehen», halten die Autoren fest.

Wir sollten die Digitalisierung nicht künstlich bremsen.

Nicht nur für Arbeitnehmende sehen die Studienverfasser Chancen durch die Digitalisierung, sondern auch für die Unternehmer. Die Vorteile seien beträchtlich. Produktionsprozesse liessen sich optimieren, Kosten senken, die Qualität der Produkte erhöhen. Tätigkeiten würden spannender, Unternehmen für qualifizierte Mitarbeitende interessanter.

Vor diesem Hintergrund ist die ins Spiel gebrachte «Robotersteuer» kaum zielführend, wie Deloitte-Ökonom Zobrist in seinem Kommentar feststellt. Sie würde den bereits angestossenen und notwendigen Transformationsprozess nur verteuern. Wir sollten die Digitalisierung nicht künstlich bremsen. Es geht darum, Unternehmen und Arbeitnehmende fit für die digitale Welt zu machen: Die Arbeitnehmenden, indem bei der Ausbildung angesetzt wird. Die Unternehmen, indem diese ihre bisherigen Strategien überdenken.

Beispiele für erfolgreiche Digitalisierung in der Praxis gibt es zahlreiche. Einige werden am «Tag der Wirtschaft» der Wirtschaftskammer Baselland vom 23. November 2017 in derSt. Jakobshalle vorgestellt. Es sind Beispiele, die Mut machen, den Weg der Digitalisierung gemeinsam zu gehen.

Christoph Buser ist Landrat und Direktor der Wirtschaftskammer Baselland. (Basler Zeitung)

Erstellt: 05.09.2017, 15:04 Uhr

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