«Facebook wird zusammenfallen»

Wie denkt ein Philosoph über soziale Medien? Richard David Precht prangert die Pöbelkultur auf Facebook an.

Grosser Fan der Zeitung: Der Philosoph David Richard Precht.
Bild: AFP

Grosser Fan der Zeitung: Der Philosoph David Richard Precht. Bild: AFP

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Richard David Precht gilt als der zurzeit populärste Intellektuelle Deutschlands. Nun hat sich der Philosoph und Buchautor («Wer bin ich – und wenn ja wie viele?») ziemlich kritisch zur gegenwärtigen Internetkultur geäussert. Im Rahmen einer Medienveranstaltung in München sprach der 47-Jährige von einer «Pöbelkultur» im Netz, wie das Branchenmagazin W&V schreibt. Precht sieht im Web keineswegs eine grössere Meinungsvielfalt, Meinungen seien durch das Internet lediglich transparenter geworden. Der Philosoph prangert die anonymen Schreiber an, die meist «fallbeilartig ihre Meinung äusserten».

Daher unterstrich Precht die Rolle der Zeitungen im Zeitalter des Internets. Diese seien als Einzige in der Lage, «Öffentlichkeit über relevante Themen herzustellen», um so als «sozialer Kitt» zu wirken. Trotz vieler lesenswerter Blogs brauche es Zeitungsredaktionen zum Eintrainieren von Orientierungswissen. Precht sagt: «Die Aufgabe der Zeitungen ist es, ideologisch nicht vorformatiertes Orientierungswissen bereitzustellen. Diese Aufgabe dürfen sie nicht verspielen.» Weil einem in einer Zeitung Wissen serviert werde, nach dem man – anders als im Internet – gar nicht gezielt gesucht habe, erweiterten vor allem systemrelevante Zeitungen den Horizont der Leser.

Kritik äusserte Precht auch an die Adresse von Facebook. Die Like- oder Dislike-Kultur führe dazu, etwas permanent zu bewerten, oft mit Empörung. Bei Print ginge das nicht; es ermögliche deswegen, zunächst über das Gelesene zu reflektieren, so Precht, der seit wenigen Wochen einen Philosophie-Talk im guten alten ZDF moderiert. Auch die Bindekraft sozialer Netzwerke stellt der Philosoph infrage. Für Precht sind soziale Netzwerke ein Modephänomen: «Facebook wird zusammenfallen wie ein zur Unzeit aus dem Feuer genommener Auflauf.» (lü )

Erstellt: 13.09.2012, 13:38 Uhr

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