Platzt die zweite Tech-Blase?

Die Überväter der sozialen Medien, die Mitglieder der sogenannten Paypal-Mafia, steigen aus. Ist das ein schlechtes Omen für Facebook, Twitter und andere Social-Media-Unternehmen?

Glauben Sie noch an die Zukunft ihrer Zöglinge wie Facebook oder Twitter? David Sacks, CEO von Yammer (links) und Peter Thiel, Facebook-Verwaltungsrat. (Bilder: Yammer / Keystone)

Glauben Sie noch an die Zukunft ihrer Zöglinge wie Facebook oder Twitter? David Sacks, CEO von Yammer (links) und Peter Thiel, Facebook-Verwaltungsrat. (Bilder: Yammer / Keystone) Bild: Keystone

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Vor rund zehn Jahren zirkulierte im Silicon Valley ein beliebter Stossstangenkleber mit der Aufschrift: «Lieber Gott, schenk uns bitte nur noch eine Blase». Das Gebet wurde erhört. Obwohl der Dotcom-Boom in Tränen geendet hatte, war das Debakel bald vergessen. Niemand kümmerte sich mehr um das stille Aus einstiger Börsenstars wie Webvan oder Pet.com. «Web 2.0» lautete das Zauberwort. Das Zeitalter der sozialen Medien hatte begonnen. Facebook, Twitter und Co. hatten sich zu Geldmaschinen entwickelt wie einst Amazon.com oder Ebay. Die Zukunft erschien wieder in rosarotem Licht.

«Das Silicon Valley ist dem Untergang geweiht»

Jetzt ändert sich das schlagartig: Der Börsengang von Facebook, dem Bannerträger der neuen Internetzukunft, verkommt zum Desaster. Der Kurs der Aktien hat sich inzwischen halbiert. Weit schlimmer noch, die Kapitäne verlassen das sinkende Schiff. «Das Silicon Valley, das wir gekannt haben, ist dem Ende geweiht», schrieb David Sacks übers Wochenende auf seiner Facebook-Seite. Das könnte Mark Zuckerberg noch mehr schmerzen als der Wertverlust seiner Aktien. Sacks ist nicht irgendwer. Er gehört zur überaus einflussreichen und so genannten «Paypal-Mafia». Deren Mitglieder gelten als Übervater der sozialen Medienszene.

Paypal ist ein Internetbezahldienst, der 1998 lanciert wurde. Entwickelt hat ihn der Informatiker Max Levchin. Zum Business-Erfolg haben ihn Peter Thiel und David Sacks gemacht. Ebenfalls zur Paypal-Mafia gehört Elon Musk, Gründer des Elektroautounternehmens Tesla und des Raumfahrtunternehmens Space X. 2002 wurde der Bezahldienst für rund 1,5 Milliarden Dollar an Ebay verkauft und machte damit die Paypal-Mafia über Nacht steinreich.

Unsichere Zukunft

David Sacks und Peter Thiel entwickelten sich bald zu den wichtigsten Angel-Investoren, den eigentlichen Strippenziehern im Valley. Obwohl der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt, haben sie in der IT-Szene Halbgottstatus und spielen in der gleichen Liga wie Larry Page oder Sergey Brin von Google. Sie unterstützten eine breite Palette von Start-ups der sozialen Medienszene, darunter Linkedin, Booktrak und Friendster. Ihr erfolgreichstes Projekt war Facebook.

Nun scheint die Paypal-Mafia aber nicht mehr an ihre Zöglinge zu glauben. Thiel hat den grössten Teil seiner Facebook-Aktien verkauft und dabei insgesamt rund eine Milliarde Dollar kassiert. Sacks hat Yammer, eine Art Facebook für Unternehmen, für 1,2 Milliarden Dollar an Microsoft verscherbelt. Als Begründung gibt er an, die jungen Start-ups hätten gegen die etablierten Unternehmen wie Apple, Google und Amazon keine Chance mehr. Auch Thiel äussert sich zunehmend pessimistisch, was die Zukunft betrifft. In einem Essay mit dem selbst redenden Titel «The End of the Future» stellte er bereits im letzten Herbst fest: «Fortschritt ist weder automatisch noch mechanistisch; er geschieht selten. Tatsächlich ist der einzigartige Erfolg des Westens eine Ausnahme der Regel, wonach die meisten Menschen in einem Zustand leben, der brutal, gleichförmig und verarmt ist. Es gibt kein Gesetz, das besagt, dass der aussergewöhnliche Aufstieg des Westens sich fortsetzen muss.»

Ist die Paypal-Mafia zur Erkenntnis gelangt, dass zumindest der Aufstieg der sozialen Medien vorläufig vorbei ist? (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.08.2012, 13:00 Uhr

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