Kann ich als Arbeitsloser zum AHV-Vorbezug gezwungen werden?

Die Antwort auf eine Leserfrage zum Thema Vorsorge.

Schikanöse Weisungen müssen nicht befolgt werden, die Angestellten dürfen sie verweigern.

Schikanöse Weisungen müssen nicht befolgt werden, die Angestellten dürfen sie verweigern. Bild: Startup Stock Photos (Pexels)

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Ich bin 59 und arbeitslos. Derzeit beziehe ich Arbeitslosentaggelder. Sollte ich keine Stelle finden, werde ich auf Sozialhilfe angewiesen sein. Die Sozialhilfebehörde meldet Bezügerinnen mit 62 bei der AHV zum Vorbezug an und stellt ihre Zahlungen ein. Dies hat zur Folge, dass die AHV empfindlich gekürzt wird. Das möchte ich verhindern. Könnte ich die Zeit bis zum Rentenalter mit dem Geld aus meinem Freizügigkeitskonto überbrücken und mit der AHV zuwarten? Oder könnte mich die Sozial­hilfebehörde zum AHV-Vorbezug zwingen?

Nein, das kann sie nicht. Nur Sie selber können sich bei der AHV anmelden. Somit entscheiden Sie auch selber, ob Sie die AHV-Rente vorbeziehen oder nicht.

Allerdings: Sobald der AHV-Vorbezug möglich ist – zwei Jahre vor dem AHV-Alter –, darf die Sozialhilfebehörde grundsätzlich alle Vorsorgeleistungen als Einkommen anrechnen und die Sozialhilfe einstellen. Sie kann also auch die AHV-Rente, auf die Sie ab 62 Anspruch haben, vollumfänglich berücksichtigen – egal ob Sie vom Vorbezug Gebrauch machen oder nicht. Denn die Altersleistungen von AHV und 2. Säule gehen der Sozial­hilfe vor. So steht es in den Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe, an denen sich die meisten Kantone orientieren.

Gesetzt den Fall, es kommt so weit, dass Sie Sozialhilfe beziehen müssen und diese eingestellt wird, wenn Sie 62 sind, dann sollten Sie sich das mit dem AHV-Vorbezug noch einmal überlegen. Verzichten Sie auf den Vorbezug, müssten Sie bis zum AHV-Alter allein mit dem Geld von Ihrem Freizügigkeitskonto leben. Dadurch würden Sie Ihr Freizügigkeitsguthaben stark schmälern. Wenn Sie die AHV vorbeziehen, wird diese zwar gekürzt, pro vorbezogenes Jahr um 6,8Prozent, dafür aber haben Sie einen Betrag fix zur Verfügung. Sie brauchen dadurch weniger von Ihrem Freizügigkeitsgeld, um über die Runden zu kommen. Somit hält dieses länger an.


Andrea Fischer beantwortet Ihre Fragen zum Arbeitsrecht, Konsumrecht, Sozialversicherungsrecht und Familienrecht. Senden Sie sie an geldundrecht@tamedia.ch

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 18.02.2019, 08:12 Uhr

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