Können Sie nicht verständlich antworten?

Eine Leserin hält Peter Schneiders Antworten für abgehoben.

Er gibt tatsächlich Antworten zu Fragen zur «Philosophie des Alltagslebens». Foto: Dominique Meienberg

Er gibt tatsächlich Antworten zu Fragen zur «Philosophie des Alltagslebens». Foto: Dominique Meienberg

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Sie geben angeblich Antworten zu Fragen zur Philosophie des Alltags­lebens. Könnten Sie diese Antworten nicht auch in der Art geben, dass alltägliche Menschen verstehen, was Sie meinen? Ihre Antworten sind so abwesend und abgehoben, dass sie in der Art für Menschen im Alltagsleben nicht verständlich sind. W. S.

Lieber Herr S. Sich in eigener Sache zu echauffieren, ist peinlich; ich tus jetzt aber trotzdem.

Wer sind denn diese «alltäglichen Menschen», die nicht verstehen, was ich meine? Sie und Ihr Tischtennisclub? Sie und Ihre Familie? Die Teilnehmerinnen einer von Ihnen veranstalteten Umfrage? Oder vor allem Sie selber? Was genau verstehen Sie nicht? Ausser, dass ich nicht «angeblich» Antworten zu Fragen zur «Philosophie des Alltagslebens» gebe, sondern tatsächlich. (Der Untertitel meiner Kolumne ist übrigens eine etwas plumpe Anspielung auf Freuds Bestseller «Psychopathologie des Alltagslebens».) Und zwar echten Leuten, die mir diese Fragen schicken. Es kann sein, dass Ihnen schon deren Fragen und darum auch erst recht meine Antworten darauf nicht gefallen, dass sie Sie nicht interessieren oder Sie sie auch nicht verstehen. Aber warum machen Sie so ein Gedöns darum? Es steht ja wahrlich genug anderes in der Zeitung, das Sie lesen können.

Wenn ich ein Steak essen will, gehe ich auch nicht in ein veganes Restaurant und klöne hinterher auf Tripadvisor, dass die Leute nicht kochen können. Klar, muss sich jeder Koch Gastrokritik gefallen lassen. Dasselbe gilt fürs Kolumnen-Schreiben. Aber «Haninöggern!» oder «Wäägg, isch das gruusig!» ist keine Kritik, sondern kindisches Genöle.

Warum haben Sie auf alles immer eine Antwort? Entspricht das, was Sie antworten, einer Wahrheit, und warum kennen Sie diese? G. A.

Liebe Frau G. Ihre erste Frage ist einfach zu beantworten. Sie liegen nämlich falsch, wenn Sie annehmen, dass ich immer auf alles eine Antwort habe. Allerdings weigert sich dieses Blatt immer noch hartnäckig, keine Antworten von mir zu drucken. Und erst recht, dafür auch das vorgesehene Honorar zu zahlen. Darum erscheinen immer nur die Antworten, die ich habe. (Ein Teufelskreis.) Zu Ihrer zweiten Frage: Was ich antworte, entspricht nicht einer Wahrheit, sondern setzt sich aus der argumentativen Verkettung mehrerer Wahrheiten zusammen. Und nun noch zur dritten Frage: Das weiss ich auch nicht. Es könnte aber damit zu tun haben, dass ich mir ein paar Gedanken zu den jeweiligen Fragen mache.


Der Psychoanalytiker Peter Schneider beantwortet jeden Mittwoch Fragen zur Philosophie des Alltagslebens. Senden Sie uns Ihre Fragen an gesellschaft@tagesanzeiger.ch. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.03.2018, 18:08 Uhr

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