«Jeder soll so jubeln können, wie er will»

Eine Geste erhitzt die Gemüter: Orhan Spahiu, Vorstandsmitglied im Rat der Albaner, über den Doppeladler und die beendet geglaubte Balkan-Debatte.

Xhakas Traumtor - und die Doppeladlergeste. (Video: SRF/Tamedia)

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Die Schweiz gewinnt ein dramatisches WM-Gruppenspiel in letzter Minute, doch viele reden über etwas anderes: den Doppeladler-Jubel von Xhaka und Shaqiri. Was sagt Ihnen das?
Ich kann den Wirbel nicht nachvollziehen. Wir reden von einer Jubelgeste, die unter Secondos erst in den letzten Jahren in Mode gekommen ist. Sie hat keinen geschichtlichen Hintergund und wurde nie in Kriegszeiten gezeigt, um zu provozieren. Und letztlich spielen und kämpfen Xhaka und Shaqiri für die Schweiz.

Viele Schweizer fühlen sich brüskiert durch die Geste. Können Sie das nachvollziehen?
Nein, es war bloss ein Torjubel. Und es ist illusorisch, dass Xhaka oder Shaqiri ihren Migrationshintergrund völlig ausblenden. Dass sie auf ihre Wurzeln verweisen, ist für sie und viele andere Doppelbürger selbstverständlich.

Es gab die Diskussion über «richtige» und «andere» Schweizer schon einmal im Nationalteam. Ist es da intelligent, wenn ein Spieler so jubelt?
Captain Stephan Lichtsteiner hat selbst gesagt, wie gross der auf Xhaka und Shaqiri lastende Druck gewesen sei. Ich kenne keine Person, die sich in einer solchen Situation kontrollieren kann und zuerst einmal überlegt: Wie soll ich jetzt jubeln? Es ist WM, da sind grosse Emotionen im Spiel, da kocht alles hoch. Jeder soll so jubeln können, wie er will – solange er damit nicht Politik betreibt.

Die Doppeladler-Geste hat aber natürlich eine politische Komponente. Die serbischen Zuschauer fühlten sich provoziert und in der Schweiz wurde die Balkan-Debatte wieder angefacht.
Es gibt leider immer noch Leute, die sich allein dadurch provoziert fühlen, dass jemand albanischen Hintergund hat. Xhaka und Shaqiri sind Schweizer, sie kämpfen auf dem Platz für dieses Land. Wenn es um ein negatives Thema geht, dann wird gern auf den Migrationshintergrund einer Person verwiesen. Im sportlichen Erfolgsfall soll er möglichst kein Thema sein. Das ist unverständlich.


Was sagt die Doppeladler-Diskussion aus über die Integration von Kosovaren und Albanern in der Schweiz?
Ich glaube den meisten Schweizern ist es egal, wie ein Spieler nach einem Tor jubelt. Und die anderen, werden immer etwas finden um ihre Sicht zu bestätigen. Wenn Shaqiri den Doppeladler-Jubel nicht gemacht hätte, hätten sie wieder auf die Kosovo-Flagge auf seinem Schuh verwiesen. Dabei könnte man auch einmal erwähnen, wie viele Albaner und Kosovaren jeweils mit den Schweizern mitfiebern. Ich habe gestern gefeiert wie früher, als Albanien gewann. Die Emotionen sind da. Wieso? Weil wir hier leben, weil wir integriert sind. Diejenigen, die Politik machen wollen, finden immer wieder ein wenig Wasser, das sie auf ihre Mühle leiten können. Aber es wird weniger. Wir vom Rat der Albaner müssen viel weniger Anfragen beantworten als früher. (nlu)

Erstellt: 23.06.2018, 17:47 Uhr

Orhan Spahiu ist Vorstandsmitglied des Rates der Albanerinnen und Albaner der Schweiz. Der 35-jährige Kosovare arbeitet als Jurist. Bild: kuenglaw.ch

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