Herber Verlust für die Architekturstadt

Das ETH-Studio Basel schliesst, weil Jacques Herzog und Pierre de Meuron emeritiert werden.

Gründungsmitglieder. Jacques Herzog (rechts) und Pierre de Meuron etablierten das Studio im Jahr 1999.

Gründungsmitglieder. Jacques Herzog (rechts) und Pierre de Meuron etablierten das Studio im Jahr 1999.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Nach 19 Jahren erfolgreicher Tätigkeit im Dienste der Architektur und der Stadtforschung schliesst das ETH-Studio Basel am 31. Juli 2018 seine Tore. Jahr für Jahr haben in den Räumlichkeiten an der Spitalstrasse zwischen 15 und 30 Architekturstudenten der ETH Zürich Entwurfsstudios und Forschungsseminare besucht, die von den Architekten Jacques Herzog, Pierre de Meuron, Roger Diener und Marcel Meili geleitet wurden.

In dieser Zeit entstanden mehrere Bücher, wie das dreibändige Kompendium unter dem Titel «Die Schweiz, ein städtebauliches Porträt» (2005), der zukunftsgerichtete «Metro Basel Comic» (2009), die Stadt- und Grossraumanalysen «Metropolitanregion Zürich» (2010), «Nairobi – Migration Shaping the City» (2014) und «The Inevitable Specifity of Cities» (2015).

Als Jacques Herzog und Pierre de Meuron Ende der 1990er-Jahre von der ETH Zürich zu Professoren ernannt wurden, schlugen sie ein externes Studio in Basel vor, zu dessen Gründungsmitgliedern auch Roger Diener und Marcel Meili gehörten. Zusammen mit Christian Schmid, Geograf und Soziologe, und den Studierenden ihrer Kurse erarbeiteten sie dann die bahnbrechende Studie «Die Schweiz, ein städtebauliches Porträt», die unser Land als städtischen Grossraum begriff.

Nach Basel gependelt

Philip Ursprung, zurzeit Vorsteher des Departements Architektur der ETH, würdigt das Basler Architekturstudio als innovatives Institut, das Forschung und Lehre in neuartiger Weise zu verbinden verstand. Anders als im traditionellen Entwurfsunterricht an der ETH hätten die Basler sich für städtebauliche Zusammenhänge weltweit interessiert und dafür auch ganz neue methodische Wege eingeschlagen.

Am ETH-Studio Basel habe man die Stadt und Landschaft mit den Augen des entwerfenden Architekten betrachtet, sagt Ursprung. Das hätten viele Studenten sehr geschätzt, die für diese Kurse ein oder zwei Semester nach Basel gependelt seien. Denn für die Architekturstudenten der ETH war das Basler Angebot eines unter vielen – heute zählt das Departement Architektur ca. 25 Entwurfsprofessuren –, aus denen sie während ihres Studiums eine Wahl für einen Semesterkurs treffen konnten. Basel war und ist für Architekturstudenten auch deswegen von grossem Interesse, weil die Stadt in architektonischer Hinsicht und mit ihrer Kunstszene viel zu bieten hat. In vielen Bereichen durchaus auch mehr als Zürich. Für die Studierenden in Zürich entstand mit dem Basler Studio gewissermassen ein neues Spielbein, das man gerne ausprobierte.

Die Schliessung des ETH-Studios geht mit der Emeritierung der Professoren Jacques Herzog und Pierre de Meuron einher. Man habe sich schon um eine Fortführung der Basler Filiale gekümmert, sagt Ursprung, aber keine tragfähige Lösung gefunden. Das ETH-Studio steht und fällt also mit den beiden Stararchitekten Herzog und de Meuron, die mit ihrem Können und ihrem Renommee diese besondere Institution für viele Studenten zu einer besonderen Attraktion machten. Inzwischen haben Jacques Herzog und Pierre de Meuron beide das Alter von 68 Jahren erreicht. Sie werden von der ETH auf den 31. Juli emeritiert.

Im gleichen Atemzug wie die Emeritierung der beiden erfolgte, wurden die Architekten des Erweiterungsbaus des Basler Kunstmuseums, Emanuel Christ und Christoph Gantenbein, zu Professoren der ETH ernannt.

Die Pläne Loprienos

Auch die Universität Basel interessierte sich eine Zeit lang dafür, das ETH-Studio zu beerben. Der einstige Rektor Antonio Loprieno plante in Absprache mit Herzog und de Meuron die Gründung einer neuen Architekturfakultät, liess aber angesichts der öffentlichen Kritik und der klammen Baselbieter Staatskassen schnell davon ab. Die einst grossartigen Pläne sind also zu einem absoluten Minimalangebot an der Philosophisch-Historischen Fakultät geschrumpft. Dort leiten seit zwei Jahren zwei Professoren und eine Professorin den Masterstudiengang «Urban Studies» mit besonderer Berücksichtigung afrikanischer Städte. So innovativ dieser Studiengang ist, über den Verlust des ETH-Think-Tanks, der zu den weltweit spannendsten Forschungsstellen für Architektur gehörte, kann er nicht hinwegtrösten. (Basler Zeitung)

Erstellt: 04.06.2018, 10:16 Uhr

Artikel zum Thema

Herzog & de Meuron bauen Gewerbepark

Allschwil Ein grosser multifunktionaler Innovations- und Gewerbekomplex soll im Bachgrabengebiet in Allschwil entstehen. Mehr...

Helvetia baut mit Herzog & de Meuron

Die Helvetia Versicherung leistet sich einen neuen und grösseren Hauptsitz in Basel. Auf dem Dach des Bürogebäudes soll ein öffentliches Café entstehen. Mehr...

Herzog & de Meuron bauen Stadion von Chelsea

Die Basler Stararchitekten Herzog & de Meuron schwimmen auf einer Erfolgswelle. Nach der Hamburger Elbphilharmonie folgt bereits das nächste Prestigeprojekt. Mehr...

Service

Agenda

Alle Events im Überblick.

Kommentare

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Die Welt in Bildern

Grossflächig: Der für seine in die Landschaft integrierten Kunstwerke bekannte französische Künstler Saype zeigt im Park La Perle du Lac sein Werk «Message from Future». (16. September 2018)
(Bild: Valentin Flauraud) Mehr...