Der Basler Kunstweg

Samuel Leuenberger hat einen stimmigen und weitgehend trockenen Parcours kuratiert.

Memento Mori. Thomas Struth zeigt in der Ersten Kirche Christi Fotos von toten Tieren.

Memento Mori. Thomas Struth zeigt in der Ersten Kirche Christi Fotos von toten Tieren. Bild: Raphael Suter

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Fast scheint es, als habe Samuel Leuenberger das schlechte Wetter in dieser Art-Woche vorausgeahnt. Denn 18 von 22 Werken des diesjährigen Parcours sind in Innenräumen zu sehen. Leuenberger, der den Parcours bereits zum dritten Mal kuratiert, hat neue Orte einbezogen und diesmal auf ein monumentales Kunstwerk auf dem Münsterplatz verzichtet. Mit seiner Auswahl wolle er «Geschichten für die Zukunft erzählen» sagt der Kurator und Gründer des Ausstellungsraums Salts. Tatsächlich hat er einen Parcours geschaffen, der überrascht, fasziniert und irritiert, aber auch immer wieder zum Staunen und Schmunzeln anregt.

Erstaunlich ist, wie viele der Kunstwerke mit ihrem Ort kommunizieren. Nicht wenige sind eigens für den Standort geschaffen worden. So Mark Manders’ Installation «House with National Newspapers», die sich im Pfarrhaus neben der Elisabethenkirche auf zwei Stockwerke verteilt. Die Fenster sind mit Zeitungspapier abgedeckt und die verschiedenen Räume scheint ein Künstler als Ateliers zu nutzen, in denen er aus Bronze, Ton, Stahl und Holz Büsten formt oder Studien zu den Skiapoden, den Fabelwesen mit nur einem Fuss, anstellt. Das grossartige Ensemble ist eines der Highlights des Parcours.

Tote Vögel unter dem Teppich

Im Naturhistorischen Museum ist Manders mit einer weiteren Arbeit, dem «Room with Three Dead Birds and Falling Dictionary» vertreten. Der Besucher wandelt tatsächlich auf einem beweglichen Untergrund, in dem irgendwo drei tote Vögel versteckt sind. An den Wänden hängen Papierarbeiten mit fallenden Wörterbüchern. Mark Manders knüpft damit auch an den belgischen Surrealismus an.

Ebenfalls im Naturhistorischen Museum sind zwei sehr gegensätzliche visuelle Arbeiten zu sehen. Der Schweizer Künstler Julian Charrière zeigt seine 75-minütige Videoinstallation «An Invitation to Disappear». Sie beginnt mit langsamen Aufnahmen einer Palmölplantage in Südostasien und bekommt dann bildlich und akustisch immer mehr an Fahrt.

Härter, lauter und brutaler ist da Rivane Neuenschwanders animierte Projektion «Cabra-Cega» mit ihren Monstern, schrecklichen Kreaturen und Zerstörungsbildern. Die brasilianische Künstlerin erforscht Phänomene im Unterbewusstsein, die sie ans Tageslicht bringt.

Das in Basel lebende Künstlerduo Silvia Bächli und Eric Hattan untersucht in seiner Arbeit «To have a shelf life (sich nicht ewig halten)» die Gesteinsstruktur des Basler Münsters. Und Hannah Weinberger führt uns in den Basler Untergrund und lässt dessen Geräusche durch das Kanalsystem an die Oberfläche dringen. Arbeiten wie diese lassen auch die scheinbar vertraute Umgebung neu und ungewohnt erleben.

Kunst im Kirchenraum

Eine wunderbare Symbiose von Raum und Kunst wird in der Ersten Kirche Christi am Picassoplatz erlebbar. Die von Otto Salvisberg in den Dreissigerjahren erbaute Kirche ist auch vielen Einheimischen unbekannt. Thomas Struth hat den Innenraum für sich entdeckt und zeigt hier Fotos aus seiner Serie «Animals». Es sind schöne und würdevolle Aufnahmen von Tieren, die eines natürlichen Todes gestorben und von Struth kurz darauf fotografiert worden sind. Das Memento-Mori-Motiv umfasst die Vergänglichkeit und einen Tod, der nicht nur schrecklich sein muss. Zur Ausstellung hat der Künstler auch ein Musikprogramm erarbeitet, das das Zusammenspiel von Raum und Kunst auf eine weitere Ebene hebt.

Der diesjährige Parcours führt durch alle staatlichen Museen. Im Antikenmuseum und Sammlung Ludwig schwebt der «Hanging Rock» von Elmgreen & Dragset zwischen den beiden Berri-Häusern. Im Historischen Museum ist es die «Hand» der französischen Künstlerin Caroline Mesquita, verbunden mit einer Videoarbeit. Und im Kunstmuseum eine Arbeit von Stanley Brouwn.

Neu ist der Einbezug des Hauses zum Kirschgarten. Marina Pinsky tritt hier in einen Dialog mit der Porzellansammlung, Paloma Varga Weisz macht aus dem Gartenpavillon eine Wunderkammer und Simon Denny passt mit seinem Spielbrett zum Thema Krypto- Währung perfekt ins Dachgeschoss, wo die alte Spielsammlung des Historischen Museums ausgestellt ist.

Parcours. Bis 15. Juni von 10 bis 20 Uhr, am Samstag, 16. Juni (Parcours Night mit Spezialprogramm) bis Mitternacht und am Sonntag, 17. Juni bis 19 Uhr. Kostenlos. (Basler Zeitung)

Erstellt: 13.06.2018, 09:27 Uhr

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