Im VIP-Karussell der Künstlichkeit

Leonardo DiCaprio gab an der Art Basel den hippen Alpöhi. Seine Entourage erinnerte hingegen mehr an Nordkorea.

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Er ist da. Leo ist da. Und alle sind aus dem Häuschen. Vor drei Tagen noch am Bildschirm in «Inception» zu bewundern, vorgestern in der Brasserie im «Les Trois Rois» beim Dinner gesichtet, gestern an der Art während der First Choice, dem VIP2-Event: Leonardo DiCaprio, Kunstsammler, UNO-Friedensbotschafter und einer der erfolgreichsten und besten Schauspieler Hollywoods besucht die Kunstmesse in Basel, das letzte Mal kam er vor zwei Jahren. Statt den Great Gatsby gibt er jetzt den hippen Alpöhi. Vollbart ist die neue Lässigkeit, und Schlabberlook offenbar diskret. Weil Leo möchte ja nicht erkannt werden. Eigentlich. Mit seiner Entourage schiebt er sich von Bild zu Bild, eine Traube tuschelnder Promi-Späher im Schlepptau, die Truppe wirkt wie eine zum Leben erwachte Kunstinstallation und ist etwa so unauffällig wie Milo Moiré, die Frau, die vergangenes Jahr nackt auf der Art herumsprang.

Vor einem Bild mit Damen im Bikini hält er an, kratzt sich am Bart. Keine Interviews, signalisieren seine Leute. Dann wenigstens ein Foto. Was Leo mit der folgenden Handbewegung in Richtung unseres Fotografen bedeuten will, erschliesst sich einem nicht restlos. Es könnte sein a) Aber nur ein Foto, okay! b) Drück schnell ab, ich hab extra den Bauch eingezogen, oder c) komm näher und erklär mir das Bild. Wie gesagt, Gesten sind vieldeutig. Vielleicht hat er auch einen Krampf in der Hand. Eindeutig jedoch ist die Aufforderung seines Begleiters mit Zürcher Akzent, das Foto sei sofort zu löschen, sonst werde die Kamera beschlagnahmt. Zum Brüllen. Wir sind jetzt also in Nordkorea. Wer nicht an der weltgrössten Kunstmesse fotografiert werden will, soll zu Hause bleiben. Aufgeregt tippt der Aufgeblasene auf seinem Handy herum und droht mit Security. Also gut, bevor wir abgeschoben werden, verlassen wir die Zensurzone besser – mit Kamera und Leo-Foto.

An der diesjährigen Art trifft man auf viele sympathische Kunstliebhaber: Ex-UBS-Kommunikationschef Hans-Ueli und Margrit Götz, Galerist Toni Wüthrich, Fussballkommentator ­Günter Netzer mit Gattin Elvira und die Grand Dame de Bâle Vrone Burckhardt: «Ich bin seit dem Anfang jedes Jahr hier und es ist interessant zu sehen, wie sich alles immer wieder verändert.» Auch Ex-Fussballprofi Michael Ballack besucht die Art, wenn möglich jedes Jahr. Hat er schon etwas Schönes gefunden? «Nein, bisher hab noch nichts gesehen.» Dafür ist Verleger und Kunstsammler Michael Ringier fündig geworden. «Aber ich sage eigentlich nie, was es ist.» Die Art-Promis waren auch schon mitteilsamer.

Weiter gesichtet: Ex-Tennisstar Michael Stich, Mirka Federer, sie wird von Kunstauktionator Simon de Pury herumgeführt, Sotheby’s- Schweiz-­Leiter Stefan Puttaert, BioMed-Mitinhaber Markus Hosang, Valora-VR-Präsident Rolando Benedick mit Denise, Boutiquen-Queen Trudie Götz, und die Kunstsammler Claude und Sergio Taddei. «Ich hab grad den Koons gesehen, einfach toll! Ich hab mich aber nicht getraut, nach dem Preis zu fragen», so der Ex-Banker schmunzelnd. (Jeff Koons zeigt bei Larry Gagosian eine Katze in einem orangen Wollsocken, der an einer Wäscheleine hängt). An dem Socken scheint auch Leo interessiert, den wir hier wieder antreffen. Angeregt unterhält er sich mit dem New Yorker Gagosian, dessen Stand immer ein Garant für Promi-Spotting ist (und auch für gute Kunst, aber darum gehts hier ja nicht). Auch Larry hält sich üblicherweise mit Statements für Presseleute bedeckt. Jetzt sagt er: «Leonardo ist ein guter Freund von mir. Er liebt Kunst, er verbringt mehr Zeit mit Kunst als mit seinen Hollywood-Filmen.» Für Durchschnittsmenschen sind das zwei Sätze. Für Larry ist das so etwas wie eine Rede.

Übrigens: Da wäre noch die rote Sitzbank und die Frage, ob die Art Basel neuerdings an roter Farbe spart. Bei Eröffnung um elf Uhr präsentiert sie sich alles andere als dem Anlass, immerhin dem Topevent der Kunstszene, angemessen. So gar nicht First Choice. Eher finale Holzklasse. (Basler Zeitung)

Erstellt: 17.06.2015, 10:50 Uhr

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