Welcome zur Art Basel

Die Art Basel hat einmal mehr bewiesen, dass sie die wichtigste Kunstmesse der Welt ist. Wucherpreise bei den Hotels und die «Willkommensstrategie» der Polizei sind hingegen ein Ablöscher.

An der Art Basel kommt keiner vorbei.

An der Art Basel kommt keiner vorbei. Bild: Keystone

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Gestern Abend ist die Art Basel zu Ende gegangen. Es war wiederum eine erfolgreiche Messe, wenngleich die Sammler den Händlern die Kunstwerke in Millionenhöhe nicht mehr so schnell aus den Händen gerissen haben wie in den Vorjahren. Der überhitzte Kunstmarkt scheint sich etwas abzukühlen, und das ist auch gut so.

Die Art Basel hat einmal mehr bewiesen, dass sie die wichtigste Kunstmesse der Welt ist. An ihr kommt keiner vorbei. Die Trittbrettfahrer wie die Scope, die in diesem Jahr ein Horrorkabinett der Kunst war, unterstreichen nur, wie gross der Graben zwischen einer Art und anderen Messen ist.

So erstaunt es denn nicht, dass wer im Kunstmarkt mitmischen will, an der Art Basel ausstellen muss. Doch für die Galeristen wird die Teilnahme immer schwieriger. Ausser für die international tätigen Grossgalerien ist der Standpreis in Basel zum Problem geworden. Eine kleinere Galerie, die auch noch junge, wenig bekannte Künstler fördert, kann in der Art-Woche kaum den Umsatz erzielen, der notwendig ist, um neben dem Stand auch die Reise-, Unterkunfts- und Verpflegungskosten zu bezahlen. Viele können sich das eigentlich gar nicht mehr leisten, doch sie können es sich als Galerie, die international wahrgenommen werden will, noch weniger leisten, an der Art Basel nicht dabei zu sein.

Die Messeleitung hat in den vergangenen Jahren stetig inhaltlich neue Akzente gesetzt, die Preispolitik ist jedoch bislang nie überdacht worden. Da kommen Erinnerungen an die Baselword auf, die so lange auf Abzockerei setzte, bis den Ausstellern der Kragen platzte. Der Art Basel darf nicht das Gleiche passieren. Hier ist es noch viel wichtiger als bei einer Baselworld, dass die Kunstmesse die ganze Szene abdeckt und nicht bloss das Topsegment. Die Messeleitung muss sich deshalb dringend überlegen, wie sie es kleineren und jüngeren Ausstellern ermöglichen kann, in Basel dabei zu sein.

Gefordert ist aber nicht nur die Direktion der Art Basel. Die Hotels und Restaurants müssen ebenfalls endlich von ihrer Abzockermentalität wegkommen. Wenn ein Zimmer in der Nacht auf heute 118 Franken kostet, während der Art jedoch 870 Franken pro Nacht bei einem fünftägigen Mindestaufenthalt, ist das einfach Wucher. Und wenn sich die Gerichte in den Restaurants augenfällig verkleinern, die Preise dafür steigen, kommt das bei den Gästen ebenfalls nicht gut an. Selbst reiche Leute lassen sich nicht gerne über den Tisch ziehen, zumal sie den Vergleich mit anderen Messestädten haben. Und die Polizei setzt der Basler Willkommensstrategie, die vom Standortmarketing und von Basel Tourismus gefördert wird, die Krone auf, wenn sie Besucher und Aussteller am Ausgang des Messeparkings ins Röhrchen blasen lässt. «Welcome Basel» wird so zur Farce. (Basler Zeitung)

Erstellt: 18.06.2018, 10:21 Uhr

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