«Cramer for president»

Die Art Basel 2016 ist zu Ende. Es war diesmal eine durchschnitt­liche Art-Woche, bei der die grosse Euphorie nie aufgekommen ist. Nur am schlechten Wetter alleine lag es wohl nicht.

Kunstinteressierte Politiker. LDP-Präsidentin Patricia von Falkenstein und Regierungsratskandidat Conradin Cramer an der First Choice der Art Basel.

Kunstinteressierte Politiker. LDP-Präsidentin Patricia von Falkenstein und Regierungsratskandidat Conradin Cramer an der First Choice der Art Basel.

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Jetzt ist sie also auch schon wieder Geschichte, die Art Basel 2016. Das Wetter war so schlecht wie die ­Stimmung bei einigen Galeristen, die einsehen mussten, dass die Zeiten des Kunstbooms vorbei sind. Während an der Muttermesse Art Basel immer noch Millionenverkäufe vermeldet wurden, herrschte an manchen Parallelmessen die grosse Flaute. Die Galeristen des Solo Project auf dem Dreispitz flehten um Aufmerksamkeit, weil die Messe scheinbar nicht beachtet wurde. Es hat allerdings inzwischen auch zu viele Shows und auf einige kann getrost verzichtet werden.

An der Art Basel mussten sich die Besucher an die verschärften Kontrollen gewöhnen und manch eine Dame reagierte brüskiert, weil sie ihre Designertasche abgeben musste. Ansonsten funktionierte die Organisation der weltbesten Kunstmesse gut. Chaotisch ging es höchstens in der Collectors Lounge zu, wenn um die Mittagszeit Stühle begehrter waren als die First Choice Card. Dafür wurde der vom ­Basler Architekten Peter Steinmann neu gestaltete Innenhof zu einer Oase der Ruhe und Erholung.

Gastrokunst

Auch das neue Catering-Konzept fand viel Anklang. Originell waren die entlang der Isteinerstrasse aufgereihten Imbisswagen, die von der Currywurst bis zum Palestine Grill verschiedenste Gelüste befriedigten. Der Macher des Palestine Grill hatte im Singerhaus auch das Pop-up-Restaurant «Boxklub» eingerichtet, wo Starkoch Pascal Schmutz unkonventionelle Schweizer Küche auftischte. Der «Boxklub» mauserte sich schnell zum In-Place, wo beispielsweise der frühere Art-Direktor Lorenzo Rudolf (heute Art Stage Singapore) mit seiner ganzen Familie speiste. Die Kunsthalle wurde wieder einmal zur Grosskantine der Galeristen und ihre Sammler und im «Chez Donati» wurde die Karte verkleinert, dafür wurden die Preise erhöht. Business as usual eben.

Die internationalen Promis machten sich in diesem Jahr rar. Stammgast Leonardo DiCaprio flog nicht ein. Keanu Reeves immerhin kam erneut nach Basel. Er war letztes Jahr an der Eröffnung der grossen Gauguin-Ausstellung in der Fondation Beyeler. Der sympathische Hollywoodstar ohne ­Starallüren stieg im Hotel Nomad ab und liess sich die Küche des «Rhyschänzli» schmecken. Dort war auch sein Kollege Adrien Brody Gast.

Vielen Basler Gesichtern begegnete man an den verschiedenen Events rund um die Messen. Nur die Regierung, die beim Maibock jeweils fast in corpore präsent ist, liess sich nirgendwo blicken. Regierungspräsident und Kulturchef Guy Morin fand nicht einmal Zeit für den Frühstücks-Empfang im Kunstmuseum. Dafür tauchte hier und auch an der First Choice Regierungsrats­kandidat Conradin Cramer auf – stets in Begleitung seiner Parteipräsidentin Patricia von Falkenstein. Schnell wurde da der Ruf «Cramer for president» laut. Offenbar ist er der einzige Politiker mit Regierungsambitionen, der sich für Kultur interessiert. Vielleicht hatten Baschi Dürr und Elisabeth Ackermann, die sich als kulturaffin profilieren sollten, schlicht und einfach keine Ein­ladung, da sie bislang auch nur selten ins Museum gefunden haben.

Die Basler Verkehrsbetriebe machten aus dem Aeschenplatz genau zur Messezeit eine Grossbaustelle, was zu Verspätungen auf allen Linien und auch zu Staus auf den Hauptverkehrsachsen führte. Dass die Kollision zweier Trams am Freitag eine Kunst-Performance der BVB gewesen sein soll, muss allerdings als Gerücht eingestuft werden.

Kulturmetropole

Es ist und bleibt ein Phänomen, wie sich die Kleinstadt Basel während einer Woche zur Kulturmetropole wandelt. Und wie sich die grossen Kunstinstitu­tionen mit guten bis grossartigen Aus­stellungen auf das internationale Publikum einstellen. Der Besuch des erweiterten Kunstmuseums war in diesem Jahr sicherlich ein Muss für viele Art-Besucher, wobei sich der Andrang an der Museumskasse in Grenzen hielt.

Das Erfolgsrezept der Art Basel liegt vor allem auch darin, dass die Kunstmesse von der ganzen Bevölkerung mitgetragen wird. Die Art-Woche ist so etwas wie ein grosses Stadtfest. Doch wer nicht millionenschwerer Sammler ist, hat immer weniger ­Chancen, an eine Einladungskarte zu kommen. Auch die anderen Messen und Shows ziehen nach und fokussieren sich fast ausschliesslich auf die vermeintlichen VIPs aus aller Welt. Immerhin ist der Art Parcours frei zu­gänglich, doch sonst bleiben die Kunstmessen vor allem den Schönen und Reichen vorbehalten.

Es war diesmal eine durchschnitt­liche Art-Woche, bei der die grosse Euphorie nie aufgekommen ist. Nur am schlechten Wetter alleine lag es wohl nicht. (Basler Zeitung)

Erstellt: 20.06.2016, 07:25 Uhr

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