Basel, die Art und die Raffgier

Für die Hotel- und Gastrobetriebe der Stadt ist diese Woche der grosse Zahltag.

Täglich wurde der Steinhaufen grösser, bis die Art Basel vergangenen Sonntag endete.

Täglich wurde der Steinhaufen grösser, bis die Art Basel vergangenen Sonntag endete. Bild: Kostas Maros

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Die grösste Kunstmesse der Welt, die Art, hat letzte Woche unsere Stadt in Beschlag genommen. Ich glaube kaum, dass die Gründer um Ernst Beyeler, Trudl Bruckner und Felix Handschin sich je im Traum hätten vorstellen können, dass ihr Messebaby einmal so erfolgreich werden sollte. Und weit über den Rhein hinaus inzwischen ja auch in Miami und Hongkong. Die Amerikaner – so ein Experte, den ich letzte Woche getroffen habe – sagen zur Messe nur «Basel». So im Stil: «Are you going to Basel this year?»

Dabei meinen sie nicht nur Basel, sondern gleich auch Miami oder Hongkong. Natürlich wissen Sie nicht, dass Basel eine grosse Stadt und in der Schweiz ist und der Geburtsort der Messe und so weiter. Vielleicht sollte da das Stadtmarketing und Basel Tourismus etwas Hand anlegen so à la: «Basel, the eternal mother of art.»

Menüpreise und Weine in Restaurants sind exorbitant

Sind Ihnen die vielen Stadtführer(-innen) aufgefallen? Die sich die Füsse wund laufen und die Beine in den Bauch, um den Gästen unsere Stadt näherzubringen? Zahltag: 200 Schweizer Franken. Für zwei Stunden Führung. Basel Tourismus knöpft ihnen die Hälfte ab. Lohnerhöhung wo? Fairness, wo bist du? Wäre ein Thema zum 1. Mai. Da bleiben die Themen ja stehen, die Leute aber laufen trotzdem durch die Strassen.

Zurück zur Wunder-Messe: Raphael Suter hat es in seinem gestrigen Kommentar in der BaZ angedeutet. Für die Basler Hotel- und Gastrobetriebe ist diese Woche der grosse Zahltag. Die Preise werden in die Höhe geschraubt, und man geht davon aus, dass die Gäste aus der ganzen Welt einfach bezahlen und nichts dazu sagen.

Ich habe letzte Woche ein paar Hotelgäste angetroffen. Sie beklagten sich zusehens. Und wohnen inzwischen gerne während der Messe in Zürich oder Bern. Basler Hotelflüchtlinge. Hotelpreise hier werden von 200 Franken auf 800 erhöht. Menüpreise und Weine in Restaurants sind exorbitant. Das ist natürlich ein Eigentor. Das Volumen nimmt langsam ab, es gibt Alternativen im Umland. Basel muss also aufpassen, diese Art-Zitrone nicht zu fest auszupressen, denn dies könnte der Stadt einst äusserst sauer aufstossen.

Wer raffgierig ist, zahlt irgendwann drauf

Eine andere Seite ist diejenige, wie das Servierpersonal, das während der Art speziell angeheuert wird, behandelt wird. Ich habe da von diversen Seiten Informationen bekommen, wie es in Restaurants zu und her geht. Diese Menschen, die auch ein Stück der Euphorie in ihren Portemonnaies wiederfinden möchten, werden schlecht und abschätzig behandelt, beleidigt und am Trinkgeld kaum beteiligt. Dies alles im Namen des Umsatzes während dieser Mega-Woche. Es gibt verschiedene Restaurants, die dadurch die treue Stammkundschaft aus Basel vergessen. Auch das wird zum Bumerang, denn in meinem Fall werde ich diese prominenten Lokale mit ihren Spitzenköchen von nun an meiden.

Kurzum: Wir sollten in unserer kleinen Stadt während den grossen Messen nicht alles «optimieren», einfach weil die Kundschaft aus der ganzen Welt es sich leisten kann. Wer raffgierig ist, zahlt irgendwann drauf. Die Verantwortlichen, angefangen von der Messeleitung über Basel Tourismus bis zum Stadtmarketing sollten zusammen ein Konzept erarbeiten, das Alternativen aufzeigt. St. Moritz ist ein Beispiel, wo es funktioniert hat. Wo inzwischen auch Normalsterbliche prima Ferien zu normalen Preisen verbringen können. Man sollte sich Henry Fords Zitat zu Herzen nehmen: «Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist!» (Basler Zeitung)

Erstellt: 19.06.2018, 10:20 Uhr

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