Ein Räuspern gegen den Tod

Im September bringt Salman Rushdie seinen ersten Roman seit sieben Jahren heraus. Das Werk sei so, als würde er sich kurz einmal räuspern, sagt der Mann, auf dessen Kopf noch immer 3,3 Millionen Dollar ausgesetzt sind

«Eine Form der Unvernunft»: Der Schriftsteller Salman Rushdie hält nicht viel von Religionen.

«Eine Form der Unvernunft»: Der Schriftsteller Salman Rushdie hält nicht viel von Religionen. Bild: Keystone

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Wie lebt es sich mit einer Fatwa? Salman Rushdie ist wohl der bekannteste Erdenbürger, gegen den sich ein solches islamisches Rechtsgutachten richtet. Am 14. Februar 1989 wurde er von Ayatollah Ruhollah Chomeini, dem damaligen geistlichen Führer der Islamischen Republik Iran, zum Tode verurteilt. «Gegen den Islam, den Propheten und den Koran» habe sich der indisch-britische Romancier gestellt, lautete die Urteilsbegründung. Eine Million US-Dollar setzte eine iranische Stiftung auf Rushdies Kopf aus, ein Betrag, der seither sukzessive erhöht wurde und nun bei 3,3 Millionen liegt.

Ein Roman Rushdies hatte den Zorn Chomeinis erregt: die «Satanischen Verse» (1988), in denen der Prophet Mohammed in den Träumen des Protagonisten Gibril Farishta auftaucht, und zwar nicht als heiliger Mann, sondern mit allen Wassern gewaschener Politiker. Er sei kein Muslim mehr, rechtfertigte sich der Autor, woraufhin der Vorwurf der Apostasie hinzukam.

Deckname «Joseph Anton»

Heute ist Rushdie 67 und kann von Glück sagen, mehr als ein Vierteljahrhundert Fatwa überlebt zu haben. Die ersten Jahre nach dem Bannspruch des Ayatollah hatte er untertauchen müssen und sich den Decknamen «Joseph Anton» zugelegt, nach Joseph Conrad und Anton Tschechow, zwei seiner literarischen Hausgötter.

Inzwischen scheint sich Rushdie allerdings freier bewegen zu können: Heute lebt er in der Nähe des New Yorker Union Square und wagt sich ohne Leibwächter auf die Strasse. Nahezu manisch soll er sich ins New Yorker Nacht- und Gesellschaftsleben stürzen. Von 2004 bis 2007 war er in vierter Ehe mit Padma Lakshmi verheiratet, einem indischen Ex-Model.

Auch mit den Hindus legte er sich an

Ansonsten tut er, was Literaten tun: er schreibt. 1995 legte er sich mit einer weiteren Weltreligion an, dem Hinduismus: Sein Roman «Des Mauren letzter Seufzer» landete in seinem Geburtsland auf dem Index, weil Rushdie darin einen fiktiven Volkstribunen hatte auftreten lassen, in dem Kenner der Bombayer Szene Bal Thackeray erkannten, einen ebenso scharfzüngigen wie skrupellosen Hindu-Führer. Religion scheint für Rushdie des Teufels zu sein: «Eine mittelalterliche Form der Unvernunft» sei sie, sagte er nach dem Attentat auf das Pariser Satireblatt Charlie Hebdo.

Gestern nun wurde bekannt, dass im September Rushdies erster Roman seit sieben Jahren erscheint. «Zwei Jahre, acht Monate und 28 Nächte» lautet der Titel, eine Anspielung auf «Tausendundeine Nacht». Rushdies Londoner Verleger Jonathan Cape mag es offenbar blumig und kündigt ein Werk an, «das Geschichte, Mythologie und eine zeitlose Liebesgeschichte verbindet.» Der Autor selbst sagt es ein wenig prosaischer: Das Buch, so Rushdie im Herbst letzten Jahres, sei kürzer als seine früheren Romane. «Es wird um die 250 Seiten haben. So, als würde ich mich kurz einmal räuspern. Ich habe endlich gelernt, wie man den Mund hält.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 31.01.2015, 10:17 Uhr

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