Krassester Kitsch

Er war die schwule Barock-Ikone des 20. Jahrhunderts. Nun würdigt ein Bildband ihn – Freddie Mercury.

Mercury, auf und neben der Bühne. (Bilder von Hannibal-Verlag, Keystone und Reuters)
Video: Linus Schöpfer

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«Solche Kleider könnte ich nicht tragen, wenn ich mich allzu ernst nähme», soll er mal gesagt haben. Tatsächlich waren Mercurys Pop-Pomp und seine Posen teils grotesk überdreht, und doch wurden sie nicht selten für baren Geschmack gehalten. So wie ja auch die Fussballfinalhymne «We Are the Champions» häufig, ja allermeistens ganz unironisch abgefeiert wird.

Der neue opulente Bildband des österreichischen Hannibal-Verlags versucht nun, Freddie Mercury (1946 bis 1991) in seinen Facetten zu zeigen. Und der Facetten sind viele, changierten doch Triumph und Tragödie, Komödie und Drama, Ironie und bitterer Ernst in Mercurys Leben rasant.

Dem Bildband geht eine Einführung von Sean O'Hagan («Guardian») voraus, danach begnügen sich die Macher mit konzisen Bildlegenden. Neben teils exklusiv neuen Fotos finden sich auch ein paar handschriftliche Notizen.

Ein Holzfäller – unter anderem

Fast drängt die Lektüre von «The Great Pretender» den Eindruck auf, es könne sich gar nicht um ein und denselben Menschen handeln: Da ist der Schüler Farrokh Bulsara, der mit riesigen Vorderzähnen den Schulfotografen entgegenblickt – erst auf dem Pausenplatz erhielt der Parsi den Übernamen Freddie. Da ist der junge Freddie Bulsara mit seiner ersten Ernst zu nehmenden Band Ibex – erst nach der Gründung von Queen 1970 nahm er den Künstlernamen Mercury an.

Und selbstverständlich sind da noch die grossen gigantomanischen Queen-Jahre, als Mercury und seine brillante Band Sportstadien mit Hunderttausenden Fans füllten. Auch die letzten, leiseren Jahre des an Aids erkrankten Sängers werden umsichtig dokumentiert. Das Buch ermöglicht ausserdem unerwartete Einblicke, etwa in seine bayrische Phase, die von 1984 bis 1986 dauerte; «der grosse Aufschneider» Mercury posiert hier wie ein knorriger CSU-Politiker. Das Buch zeigt ihn auch als Dragqueen, Crooner, Opernsänger, Mexikaner, Flaneur, Pseudo-Offizier und Fantasyfigur und in nicht wenigen weiteren Rollen. Mercurys Verwandlungskunst mehr noch als seine Gesangskunst haben das Buch dick werden lassen. (lsch)

Erstellt: 17.01.2013, 15:14 Uhr

Ohara, Sean, William H. G., «FREDDIE MERCURY - The Great Pretender», Hannibal, 144 Seiten, ISBN 978-3-85445-401-4, CHF 43.90.

FREDDIE MERCURY - The Great Pretender

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