Party in Frankfurt

Was wäre die Buchmesse ohne ihre Empfänge? Ein Rundgang.

Die strenge Taschenkontrolle tagsüber, analoge Gesichtserkennung an den Verlagspartys abends: Ein normaler Tag an der Frankfurter Buchmesse.

Die strenge Taschenkontrolle tagsüber, analoge Gesichtserkennung an den Verlagspartys abends: Ein normaler Tag an der Frankfurter Buchmesse. Bild: Arne Dedert/DPA/Keystone

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Nicht nur wegen Merkel und Macron, nein, an jedem normalen Messetag steht vor dem Eintritt eine strenge Taschenkontrolle mit den entsprechenden Staus – kaum ein Besucher ist ja ohne Koffer oder Rucksack arbeitsfähig. Abends, bei den Verlagspartys, bleiben diese im Hotel, da wird vielmehr gefiltert, wer überhaupt rein darf. Am strengsten sind die Zerberusse traditionell bei Rowohlt vor dem Schirn-Café. Wer sich nicht angemeldet und seine Eintrittskarte dabei hat, muss draussen bleiben. Da stehen allerdings ohnehin die meisten bei warmem Herbstwetter; der Innenhof ist ein Zylinder, was den Lärm von allen Seiten zurückwirft und einen vernünftigen Austausch eigentlich unmöglich macht.

Bessere Gespräche, jedenfalls akustisch betrachtet, gibt es beim suhrkampschen Kritikerempfang im, wie es jetzt heisst, «Siegfried Unseld-Haus», dem früheren Wohnsitz des legendären Verlegers, wo die Bücherregale jeden Quadratzentimeter Wand belegen. Hier wird Gesichtserkennung analog praktiziert, das heisst: Die Pressechefin lässt rein, wen sie kennt. Vor Wein und Häppchen ist bei Suhrkamp das Exerzitium der Lesung gesetzt, der die versammelte Kritikerschar stehend zu lauschen hat. Diesmal trug Esther Kinsky schöne poetische Passagen aus einem «Geländeroman» vor, der im Frühjahr erscheinen wird.

Besonders hoch ist bei Suhrkamp stets die Veteranenquote. Verdiente Ex- und immer noch tätige Literaturkritiker tauschen sich über den Niedergang der Presse oder der eigenen Gesundheit aus. Sie mutmassen, wer der neue Literaturredaktor der «Süddeutschen» in München werden könnte, und ventilieren Gerüchte. Klagenfurt wird abgeschafft? Nein, so’n Bart, damit droht der Österreichische Rundfunk alle Jahre wieder.

Neben Branchentratsch werden aber auch literarische Fragen im Plauderton aufgeworfen. Warum aus der Generation der jetzt 60-jährigen Autoren es niemand zu vergleichbarer gesellschaftlicher Durchschlagskraft gebracht hat wie ein Grass oder Walser. Und ja, tatsächlich: Wer denn von den beiden der grössere sei. National, international und überhaupt.

Der S.-Fischer-Verlag musste seinen Empfang, der immer im eigenen Verlagsgebäude stattfand, vor einigen Jahren (Brandschutz!) ins Literaturhaus verlegen. Auch dort scharfe Einlasskontrollen; bei der dann anzutreffenden Menge in den Sälen fragt man sich allerdings, wer überhaupt abgewiesen wurde. Auf allen Partys gut vertreten: Schweizer aus dem Literaturbetrieb, die man in Zürich ständig – oder nie trifft. Wie magnetisch angezogen, finden sie zueinander, und auch hier geht in der animierten Konversation die Presse, die Literatur oder die eigene Gesundheit bachab. Natürlich macht man unverdrossen weiter, es stehen schliesslich das Basler Literaturfestival, das Züri littéraire und das Zehnjährige des Schweizer Buchpreises bevor.

Hanser ist die letzte Station, auf einer Dachterrasse an der Hauptwache versammeln sich die Spätfeierer. Hier wird vergnügt geschnödet und gehämt. Dass die beiden teuren Einkäufe der neuen Piper-Verlegerin sich als Flop herausgestellt haben. Und warum Berliner Literaturkritiker nicht mehr aus der Stadt wegzulocken sind. Nur nach Frankfurt, aber nur für ein paar Tage. Ja, warum bloss? (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.10.2017, 14:40 Uhr

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